Rolle, Position, Macht – von der Brauchbarkeit soziologischer Kategorien für eine archäologische Geschlechterforschung.

von Matthias Jung

Anspruch des Beitrages ist es, exemplarisch einige aus der Soziologie kommende theoretische Modelle, die zur Rekonstruktion der Sozialstrukturen prähistorischer Gesellschaften im Allgemeinen und der von Geschlechterverhältnissen im Besonderen häufig herangezogen werden, auf ihren Erklärungswert hin abzuklopfen. Insbesondere an dem Rollen- und dem Machtbegriff lässt sich anschaulich zeigen, wie Konzepte, die nur innerhalb eines spezifischen theoretischen Gefüges ihre erklärende Kraft entfalten können, isoliert übernommen, verabsolutiert und auf prähistorische Verhältnisse projiziert werden. Der Grund hierfür liegt in paradox erscheinender Weise nicht in einer durch theoretische Uninformiertheit bedingten Voreingenommenheit, sondern diese ist eher einer theoretischen Überinformiertheit geschuldet, in deren Folge Eigentümlichkeiten des (post-)modernen Subjektes als universell missverstanden werden. Entwickelt werden diese Überlegungen nicht abstrakt und allgemein, sondern anhand konkreter eisenzeitlicher Befunde und ihrer Deutungen.

Die Waffe macht den Mann! (Oder: warum Gräber mit Waffenbeigabe auf den britischen Inseln letztendlich doch "Männergräber" sind).

von Raimund Karl

Ein zentrales Credo und eine populäre Kritik der Gender-Archäologie an der "traditionellen archäologischen Interpretation" ist, dass ein Grab mit Waffenbeigabe noch lange kein Männergrab, eins mit Schmuck, Spinnwirtel oder Spiegel noch lange kein Frauengrab sein muss. Das stimmt natürlich auch, so lange das biologische Geschlecht gemeint ist.
In diesem Beitrag soll herausgearbeitet werden, dass – wenigstens im Bereich der britischen Eisenzeit und des britischen Frühmittelalters – dennoch Gräber mit Waffenbeigabe stets "Männergräber" sind, wenigstens soweit das soziale Geschlecht der bestatteten Person betroffen ist. Zu diesem Zweck werden historische Quellen betrachtet, die sich mit Landeigentum beschäftigen: Denn die soziale Rolle als "vollwertiger" Mensch (und das ist, laut diesen Texten, mit dem sozialen Geschlecht "Mann" gleichzusetzen) scheint direkt an eben daran und mit dem Landeigentum verknüpfte Verpflichtungen gebunden zu sein.
Aus diesen mit Landeigentum verbundenen Verpflichtungen sticht wiederum eine den frühmittelalterlichen Autoren insbesondere im Fall der Frauenlanderbschaft ganz besonders wichtig erscheinende hervor: die Verpflichtung aller Landeigentümer zur Landesverteidigung. Denn laut den Quellen kann eine Frau in den "keltischen" Regionen der britischen Inseln durchaus Landeigentum erwerben; ihr volles Landerbteil erhält sie jedoch nur dann, wenn sie auch die Verpflichtung zur Landesverteidigung auf sich nimmt. Tut sie dies, dann ist sie – wenigstens rechtlich gesehen – praktisch ein Mann, mit allen damit einhergehenden Rechten (und eben auch Pflichten).
Das Konzept des individuellen Landeigentums ist seinerseits sicherlich historisch gewachsen. Die Entwicklung dieses Konzepts geht jedenfalls vor die Zeit der frühmittelalterlichen Texte zurück; ja der Beginn dieser Entwicklung scheint sich sogar archäologisch einigermaßen deutlich fassen und auf etwa die Spätbronzezeit datieren zu lassen: Denn ab dieser Zeit entwickeln sich Landnutzungsstrukturen und Siedlungsarchitekturen, die nicht nur bis ins Frühmittelalter fortleben sondern auch deutlich darauf hinweisen, dass die Kontrolle von Land eine zentrale soziale Ressource war.
Aus diesen Fakten lässt sich der Schluss ziehen, dass seit der Spätbronzezeit auf den britischen Inseln Landeigentum mit der Verpflichtung zur Landesverteidigung gekoppelt war; der Landeigentümer darüber hinaus sozial als Mann betrachtet wurde; und daher das Objekt, das den Mann als solchen zu erkennen gab, seine Waffe war. Gräber mit Waffenbeigabe können daher in nachspätbronzezeitlichen Kontexten auf den britischen Inseln berechtigt als Männergräber interpretiert werden – gleichgültig welches biologische Geschlecht die darin bestattete Person hatte.

Eine Frage der Definition - Soziale Rollen in der Jüngeren Römischen Eisenzeit Dänemarks.

von Nina Batram

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass zumeist spezifische Aspekte sozialen Lebens, wie z. B. Geschlechterrollen oder politische Hierarchien, im Zentrum archäologischen Interesses stehen. Da dies jedoch den Blick sehr einschränkt und zudem zu Zirkelschlüssen führen kann, wird hier vorgeschlagen den Fokus auf "soziale Rollen" im Sinne der Habitusgruppen nach Bourdieu zu legen, da auf diese Weise all jene Aspekte berücksichtigt werden können. Um die Frage nach einer bestimmten Rolle stellen zu können, müssen die Zugehörigkeitskriterien zunächst für die betreffende zu betrachtende Gemeinschaft definiert werden. Denn die Möglichkeit oder Verpflichtung und der Zeitpunkt des Einnehmens einer solchen ist keinesfalls beliebig oder allein vom Individuum abhängig. Vielmehr sind derlei Dinge kulturimmanent und unterliegen Regeln und Vorstellungen, welche über eine große zeitliche Distanz, wenn überhaupt, nur sehr schwierig nachvollziehbar sind. Soziologie und Ethnologie bieten hierbei interessante handlungstheoretische Ansätze sowie Beispiele, deren Übertragbarkeit auf den archäologischen Befund jedoch keinesfalls unproblematisch ist, da uns die Bewertungssysteme der zu betrachtenden Gemeinschaft unbekannt sind. Ziel meines Vortrages soll es sein, mögliche Herangehensweisen vorzuschlagen und zu diskutieren, sich eben diesen Systemen zu nähern, um ein besseres Verständnis vergangener Gesellschaften, in diesem Fall der Jüngeren Römischen Eisenzeit Seelands, zu entwickeln.

The Ordinary Women of Iron Age Britain.

von Hazel Butler

For decades now, archaeologists have been hypothesising about the social structure of the Iron Age, from kingroups to royal elites; theories are abundant and highly debated, with problems ranging from whether or not we can build models of "Celtic" society at all, to the sources it is acceptable to utilise in the construction of social models. One aspect to society however remains hotly debated in theory, and yet conspicuously absent in practice: the "invisible" women of every day society. Along with other minority groups, such as children and slaves, they are one social group considered to be absent from the archaeological record. They are not absent; we are just perpetually reluctant to actually look at them, and thus they remain, the sight unseen.
There are numerous publications now detailing the pitfalls of neglecting the women of prehistory, it is certainly no news that we know very little about the roles of "Celtic" women. What we do know is generally confined to the realms of the extraordinary – the "princess" of Vix, the chariot burial at Wet-Wang Slack, the Classical accounts of Boadicea and Cartimandua, and the mythological figures of the early medieval myths of Britain. Why are ordinary women so completely neglected in social models? And how can we begin to build a better understanding of their roles, rites and activities in every day society? Gender and feminist archaeologists keep clamouring for an equal consideration of women in prehistory but how exactly can we achieve this, without falling into the trap of overcompensation and the construction of fallacy?
This paper will explore the reasons for the absence of women in social models and the practical ways in which we can address this problem and gain realistic insights into the "ordinary" women of Iron Age Britain. It will discuss the misconceptions formed by focus on the "extra ordinary" women and how they are seen by most as being the "only" evidence for women at this time. It will also consider the reasons why so many scholars are eager to point out the areas in which studies of women are lacking, and so reluctant to actually attempt to fill these voids.

Mobilität und Migration im Zeitalter der Keltischen Wanderungen – "Heiratspolitk" und "Söldnertum" in der Eisenzeit? Eine archäologische und bioarchäometrische Analyse an latènezeitlichen Gräberfeldern des 4./3. Jahrhunderts v. Chr.

von Maya Hauschild/Mirjam Scheeres

Für das 4./3. Jh. v. Chr. überliefern uns die antiken Autoren historische Ereignisse, die mit den sogenannten "Keltischen Wanderungen" in Verbindung gebracht werden. In einem interdisziplinären Projekt, finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, werden in einer engen Forschungskooperation von Archäologie und Anthropologie Charakter und Umfang von Mobilität und Migration in der Eisenzeit untersucht. Die Arbeitsgruppe setzt sich zusammen aus Mitarbeitern der Institute für Vor- und Frühgeschichte und Anthropologie der Johannes Gutenberg-Universität sowie des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz.
Primäres Ziel des Projektes ist der Nachweis von einheimischen und ortsfremden Individuen aus ausgewählten latènezeitlichen Nekropolen des 4./3. Jhs. v. Chr. Die Analyse stabiler Isotope sowie die zusätzliche Anwendung der Molekulargenetik (aDNA) ergaben für die beprobten Fundplätze archäologisch nachvollziehbare Verbindungen zwischen Kern- und Expansionsraum der Latènekultur. Diese Ergebnisse bekunden zwar die keltische Einwanderung in den Osten und Süden Mitteleuropas, spiegeln jedoch nicht das Bild der "Keltischen Wanderungen", wie es historische Quellen vermitteln, wider. Statt ganzer Bevölkerungsgruppen traten eher einzelne Individuen und kleinere Gruppen von Migranten im Expansionsgebiet auf und integrierten sich über Generationen hinweg in eine Mischbevölkerung. Die bisherigen Analysen weisen dabei einen regelmäßigen Anteil mobiler Individuen nach, darunter sowohl Männer und Frauen als auch Kinder.
Mobilität in historischen Gesellschaften wird gerne mit einer klaren Rollenverteilung der Geschlechter erklärt, die häufig aus gesellschaftspolitischen Verhältnissen anderer Zeitepochen projiziert wird. Für die Eisenzeit wird postuliert, dass männliche Mobilität vor allem bei Söldnern oder bewaffneten Gefolgsmännern, Händlern, Wanderarbeitern oder Handwerkern vorliegt, weibliche Mobilität wird meist infolge von "Einheirat" begründet. Zur Überprüfung dieser Hypothesen sollen die Ergebnisse der Isotopen-Analysen an ausgewählten Gräberfeldern aus dem Zeitalter der Keltischen Wanderungen auch unter Aspekten der Gender-Forschung betrachtet werden.

Quer durch Europa. Zur Beteiligung von Frauen an den keltischen Wanderungen des 4. und 3. Jahrhunderts v. Chr.

von Claudia Tappert

Antike Quellen, die sich mit den keltischen Wanderungen des 4. und 3. Jahrhunderts v. Chr. nach Italien, Griechenland und Kleinasien befassen, betonen vor allem deren kriegerisch-männlichen Aspekt. Häufige Funde von Schwertern und Lanzen in Gräbern dieser Zeit scheinen die Sichtweise der antiken Autoren archäologisch zu bestätigen. Aus einigen der Textstellen geht jedoch eindeutig hervor, dass in großer Zahl auch Frauen bzw. ganze Familien an den Wanderungszügen beteiligt waren. Zwar wurden von archäologischer Seite immer wieder einzelne Funde weiblicher Trachtausstattung, die – fernab ihrer vermuteten Herstellungsgebiete – in Ungarn, Griechenland und der Türkei gefunden wurden, als archäologische Belege für die historisch überlieferten Vorgänge gewertet. Die Rolle, die Frauen bei den Wanderungen gespielt haben könnten, wurde bisher aber kaum näher beleuchtet. Sowohl in der althistorischen als auch in der archäologischen Forschung blieben Frauen entweder gänzlich unerwähnt oder es wurde ihnen eine rein passive Rolle zugeschrieben.
Neben entsprechenden Schriftquellen liegen nun immer mehr archäologische Daten vor, welche die aktive Beteilung von Frauen an den Wanderungen illustrieren. Isotopenanalysen an Zähnen und Knochen lassen zum Teil sehr detaillierte Aussagen über die Lebensläufe einzelner Personen zu. Anhand ausgewählter Schriftquellen und archäologischer Befunde soll gezeigt werden, dass Frauen bei den Wanderungen eine bedeutende Rolle spielten und auch als Entscheidungsträgerinnen in Erscheinung traten. Darüber hinaus legen Isotopenanalysen an bayerischen Skeletten nahe, dass sich im frühen 3. Jahrhundert v. Chr. Personen, darunter auch Frauen, aus dem mittleren Donaugebiet/Karpatenraum in Bayern niederließen. Möglicherweise sind diese "Rückwanderer" im Zusammenhang mit der Niederlage bei Delphi zu sehen.

MagdalenenbergerInnen im Focus von Mobilitäts- und Geschlechterforschung.

von Julia Koch

Im Rahmen des vom BMBF geförderten Forschungsprojektes "Lebenslaufrekonstruktion mobiler Individuen in sesshaften Gesellschaften" der Universität Leipzig und des MPI für Evolutionäre Anthropologie Leipzig wird mit aktuellen archäologischen und naturwissenschaftlichen Methoden eine Annäherung an die Rekonstruktion eisenzeitlicher Mobilitätsstrukturen unternommen.
Ausgehend von der These, dass das individuelle Mobilitätsverhalten sowie die Integrationsmöglichkeiten von Fremden in Abhängigkeit des durch Alter und Geschlecht definierten Sozialstatus stehen, wird untersucht, wie diese Aspekte in Modelle zu Technologietransfer und Kulturkontakten integriert werden können. In dem Vortrag sollen die Vorgehensweise der neu entwickelten Integrationsanalyse sowie erste Ergebnisse am Beispiel des hallstattzeitlichen Magdalenenberges (Schwarzwald-Baar-Kr.) vorgestellt werden.

Die Frau an seiner Seite. Jenseitsvorstellungen im Sternenhimmel vom Magdalenenberg.

von Allard Mees

Der Gesamtplan des hallstattzeitlichen Tumulus vom Magdalenenberg bei Villingen-Schwenningen zeigt insgesamt 136 Gräber, die kreisförmig um das zentrale Fürstengrab in den Hügel eingelassen sind. Die Anordnung dieser Gräber lässt genau diejenigen Sternbilder erkennen, die zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende sichtbar sind. Die bereits vor der Hügelaufschüttung angebrachten Stangensetzungen dienten zur Erfassung der Mondwenden. In der Hallstattzeit sind (wie am Glauberg) erstmals Mondwendenerfassungen nachweisbar. Die historischen astronomischen Daten sprechen für eine Anlage des Kalenderwerks im Sommer des Jahres 618 v. Chr., was mit den überlieferten Dendrodatierungen übereinstimmt. Das wichtigste Nebengrab (das Doppelgrab "Edelfrau und Zofe") enthielt Objekte, die die Einbindung der weiblichen Elite in die programmatische Gestaltung des Fürstengrabs deutlich machen.

Im Tode gleich? Eisenzeitliche Bestattungen von Frauen und Männern in Siedlungskontexten und in "regulären" Gräbern im Vergleich.

von Nils Müller-Scheeßel

Ältereisenzeitliche Gräber zeichnen sich durch stark alters- und geschlechtsspezifische Beigabeensembles aus. Zusammen mit der ebenfalls unübersehbaren Variabilität der Grabausstattung lässt dies vermuten, dass Alter und Geschlecht nicht nur wichtige Parameter in der Darstellung im Grab, sondern höchstwahrscheinlich ebenso im Leben waren. Angesichts des teilweise sehr hohen Aufwandes bei der Grablege müssen die Bestattungszeremonien darüber hinaus auch einen hohen Stellenwert im gesellschaftlichen Leben eingenommen haben. Vor diesem Hintergrund ist das regelhafte Vorkommen in zeitgleichen Siedlungen von offenbar ohne aufwändige Vorkehrungen in Gruben deponierten Toten aller Altersgruppen und beider Geschlechter umso verblüffender.
In meinem Vortrag möchte ich diese beiden Gruppen von Toten – diejenigen aus "regulären" Gräbern und diejenigen aus Siedlungskontexten – gegenüberstellen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Alters- und Geschlechtszusammensetzung sowie der Ausstattung mit Trachtbestandteilen herausarbeiten. Auch die Toten in den Siedlungsgruben tragen nämlich häufiger Bronze- oder Eisenschmuck, jedoch ist dies ausschließlich "weiblicher" Schmuck, wie auch die anthropologischen Untersuchungen, soweit sie bereits vorliegen, bestätigen. In den Gruben wurden also ausschließlich Frauen in archäologisch nachweisbarer Weise mit geschlechtsspezifischen Markern deponiert.
Diese und weitere Beobachtungen sollen nicht nur hinsichtlich der Gründe, wieso die Toten in die Siedlungsgruben gelangt sind, diskutiert werden, sondern auch in Hinblick auf die Frage, was für Konsequenzen sich aus der Ungleichbehandlung von "regulären" und "irregulären" Bestattungen einerseits und von Frauen und Männern in den Siedlungsgruben andererseits für die Interpretation der ältereisenzeitlichen Geschlechterrelationen ergeben.

Der Tod im Moor – dem Manne vorbehalten?

von Corinna Endlich

Weltweit wurden in den Moorgebieten Reste menschlicher Verstorbener entdeckt. Je nach Erhaltungszustand und dem jeweiligen Stand der Wissenschaft wurden schon bald nach einer Erstanalyse Details über die Toten veröffentlicht. Bereits in der übersichtlichen Zusammenfassung von van der Sanden in den 1990er Jahren wird deutlich, dass es sich bei den Moorleichen überwiegend um männliche Tote handelt.
Moderne Untersuchungsmethoden haben heute den Erkenntnisgewinn am Objekt "Moorleiche" um ein Vielfaches erhöht; auch im Hinblick auf die Geschlechtsbestimmung. Da nun beispielsweise das "Mädchen von Windeby" oder die "Frau aus der Esterweger Dose" zu Männern geworden sind, richtet dieser Vortrag den Blick auf das Phänomen der überwiegend als männlich identifizierten Moorleichen. In einer kurzen Übersicht werden die gut erforschten Toten vorgestellt – wie der Mann von Husbäke, der Mann von Tollund oder der Grauballe-Mann –, um dann nach möglichen Ursachen für die "männliche Dominanz" zu forschen.

Women in Champagne during the Iron Age and the notion of gender applied to mortuary archaeology.

von Cloι Belard

First, I will tackle the way in which we have comprehended, in Champagne, since the 19th century and till today, the determination of the sex of the deceased from the objects of graves, which was primarily based on the presence or absence of weapons. As opposed to this, graves without weapons but with sets of jewels have been allocated to females. Graves without weapons or jewels were described as "indeterminate" (which represent 40 % of the dead people in my corpus), and the hypothesis was set, based directly on the tradition of Greco-Roman writings on men/women relations, in which women, when they were mentioned, were necessarily subordinated to men. They could only be "wives" or "mothers", did essentially household chores, and could not be in any case socially and publically active. They could be, at best, "close" to power. This approach is still deeply rooted in France, and attempts to get out of this dual interpretation of the communities of the end of the First and the Second Iron Age are almost nonexistent. This is why the notion of gender is fundamental in order to consider another "reading" of mortuary remains.
I will try in a second part to present to you a foray to draw up a method, based on statistic tools, in order to value the various gender represented in all aspects of mortuary practices. It is aimed at determining discriminatory criterions between the genders, indicative criterions and irrelevant ones for the gender of the deceased, which allow to set up different categories represented in the mortuary sphere. So it will allow us to assess the degree of "involvement" of gender in the construction of funerary sets. As a result, all the dead people in the necropolises could be considered in interpretations, and women could be perceived as having had many identities and active functions in past societies.

Wessen Körper? Annäherung an eine Konzeptualisierung von Körper und Geschlecht im hallstattzeitlichen Bestattungsritual.

von Melanie Augstein

Ebenso wie Objekte kann auch der menschliche Körper der Übermittlung von Bedeutungen und Inhalten dienen. Während er als Zeichenträger – als Träger von Kleidung, Trachtbestandteilen oder von statusanzeigenden Objekten – in der Prähistorischen Archäologie anerkannt wird, ist er hier als Zeichen selbst, als genuines Medium der Kommunikation bislang nicht konzeptualisiert worden.
Individuen verfügen zu Lebzeiten über unterschiedliche soziale Identitäten, die sich im Bestattungskontext auf unterschiedliche Art und Weise und durch komplexe Bezüge äußern können. In hallstattzeitlichen Gräberfeldern insbesondere des Altmühl-, Isar- und Taubertals finden sich Bestattungen, deren Niederlegung von der Norm der gestreckten Rückenlage mit parallel zum Körper liegenden Armen dadurch abweicht, dass die Arme stark angewinkelt sind, sodass die Hände auf dem Bauch, der Brust oder den Schlüsselbeinen liegen. Anthropologischen Bestimmungen zufolge handelt es sich bei diesen Verstorbenen weit überwiegend um erwachsene Frauen, seltener um Kinder.
Da eine entsprechende Verlagerung der Körper durch taphonomische Prozesse auszuschließen ist, handelt es sich folglich um eine intendierte Manipulation, um eine Inszenierung, die in kommunikativer Absicht geschieht. Es ist der Körper, so lautet die meinem Vortrag zugrunde liegende These, der von den Bestattenden als Zeichen eingesetzt wird, um die Zugehörigkeit der bestatteten Frauen zu einer bestimmten sozialen Gruppierung anzuzeigen, die unter anderem durch das Geschlecht determiniert ist. Anhand ausgewählter Beispiele sollen Ansätze und Grenzen der Interpretation der Kommunikation und Inszenierung von Geschlecht und Identität im archäologischen Befund durch das Medium "Körper" diskutiert werden.

Der menschliche Körper und das Geschlecht in der Hallstattzeit des Nordostalpenraumes.

von Katharina C. Rebay-Salisbury

In diesem Beitrag möchte ich den Körper als Mittelpunkt der menschlichen Erfahrung zum Ausgangspunkt nehmen, Geschlecht und Geschlechterrollen in der Hallstattzeit des Nordostalpenraums (Niederösterreich, Burgenland, Teile Mährens, der Slowakei und Ungarns) neu zu definieren. Die archäologische Analyse von Geschlechteridentitäten gestaltet sich in diesem Raum von jeher schwierig, da Brandbestattungen vorherrschen und wichtige Grabkomplexe oft nur von schlecht dokumentierten Altgrabungen bekannt sind. Die Forschung ist außerdem durch die Erwartungshaltung der WissenschaftlerInnen geprägt: Gräber werden in traditioneller, binärer Denkweise immer nur für ein besonderes Individuum angelegt, und dieses Individuum muss eben entweder Mann oder Frau sein. Theoretische Ansätze zu Geschlechterforschung in der Gräberarchäologie haben sich jedoch in den letzen Jahren von intuitiver Zuschreibung von Geschlecht über Gegenüberstellung anthropologischer und archäologischer Daten bis hin zu einer Archäologie der Performanz entwickelt. Das Begräbnisritual wird als Rahmen gesehen, in dem soziale Werte ausgedrückt und Rollen verhandelt und gefestigt werden. Wie Geschlechter kategorisiert und verstanden werden, fließt in diese Performanz mit ein. Außer Gräbern stehen uns als weitere Quelle zu Geschlechterrollen einige Menschenbilder zur Verfügung, die zumeist in Keramik geritzt, gestempelt oder auch auf Keramik gemalt sind. Auch ihre Interpretation beruht häufig auf dem binären Geschlechtermodell, obwohl verschiedene Indizien auf die Darstellung mehrerer unterschiedlicher sozialer Gruppen hindeuten. Geschlechterideologien werden nicht ausschließlich, aber doch auf Grundlage des menschlichen Körpers entwickelt, der gleichzeitig Mittelpunkt der Umwelterfahrung ist. Durch die menschlichen Sinne wird die Umwelt begreifbar und Bewegung durch Landschaften ermöglicht. In der Hallstattzeit werden Gräber zu Monumenten entwickelt, und die hallstattzeitliche Landschaft wird durch Zusammenhänge zwischen Siedlungen und Grabhügeln gestaltet. So möchte ich mit einigen Beispielen in diesem Beitrag auch zeigen, wie auf die Bewegung des Körpers Rücksicht genommen wurde, als die hallstattzeitlichen Monumentallandschaften angelegt wurden.

Das Motiv der Frau mit Korb auf attischen Grabreliefs klassischer Zeit und seine Deutung im Wandel des archäologischen Denkens.

von Maria Xagorari-Gleißner

Die Forschung hat sich in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts intensiv mit den attischen Grabreliefs beschäftigt und sie dabei als Selbstrepräsentation der athenischen Bürger verstanden. Im Rahmen dieser Interpretation wurden die Grabreliefs von Fremden, Metöken, Sklaven und Ammen kaum berücksichtigt. Die Forschung hat nur am Rande notiert, dass die Nicht-Bürger entweder die Ikonographie der Athener nachahmten oder für sich Themen aus ihrem Leben auswählten. Darunter zählen die sog. Berufsdarstellungen, denn den Nicht-Bürgern war die Ausübung eines Berufs lebensnotwendig, wie die literarischen Quellen bezeugen.
Diese These etablierte sich mehr oder weniger, obwohl die Grabreliefs von Fremden und Metöken nicht systematisch untersucht wurden. Auch fand keine kritische Auseinandersetzung mit den schriftlichen Quellen statt, ebenso wenig wie ein Vergleich mit den Grabmälern anderer Regionen. Gerade diese methodische Analyse des Materials ist aber notwendig, um zu Erkenntnissen über diese Reliefs, ihre Besitzer und über die athenische Gesellschaft zu gelangen. Im Aufsatz möchte ich von einem Fallbeispiel einer sog. Berufsszene sprechen, nämlich der jungen "Frau mit Korb". In diesem Motiv werden sowohl Athenerinnen als auch Nicht-Athenerinnen dargestellt, wie die Beinschriften auf den Grabreliefs bezeugen. Wie sind diese Szenen zu deuten? Sind hier tatsächlich Töcher von Nicht-Bürgern und von ärmeren Athenern dargestellt? Tritt das Motiv nur in Attika oder auch in anderen Regionen auf? Wie ist dies dort zu deuten? Kann man eine allgemein gültige Interpretation des Motivs annehmen?

Späteisenzeitliche Funde aus römerzeitlichen Gräbern Viminaciums.

von Milica Tapavicki-Ilic

Viminacium was the capital city of the Roman province Moesia Superior and an important military stronghold on the right Danube bank.
During the excavations of Viminacium, some 14.000 Roman graves were discovered, dating from the 1st to the middle of the 5th century A.D. Among them, there were graves in which finds were unearthed, which, by typology and provenience, belong to the Late Iron Age, more precisely to the Celtic-Scordiscian and Dacian material culture. In some cases, Late Iron Age finds were found side by side with typically Roman objects.
The goal of this paper is to examine the sex of pesons buried in such graves, as well as their social status within the population of Viminacium. Since no anthropological data are available for the site, research will primarily be based on the grave-goods themselves and comparisons with other finds, either from the same necropolis or from neighbouring areas.

Sind Mädchen die „schlechteren“ Kinder? Zur Frage der Mädchentötung in den antiken Schriftquellen, im archäologisch-anthropologischen Befund und in ethnologischen Überlieferungen.

von Ines Beilke-Voigt

Erst in der jüngeren Vergangenheit wird sich zunehmend mit dem Thema Kind beschäftigt und es in den Fokus der Forschungen gestellt. Dies bezieht sich auf unterschiedliche Fragestellungen, die nicht nur von den archäologischen Fächern formuliert werden, sondern auch seitens der Kultur- und Kunstgeschichte, Ethnographie, Geschlechterforschung, Anthropologie und Sozialgeschichte im Interesse stehen.
Im Mittelpunkt dieses Beitrages stehen die weiblichen Kinder, die unter der Fragestellung analysiert werden, ob sie die "schlechteren" Kinder und eher von Vernachlässigung, Aussetzung und Tötung betroffen waren als Jungen. Ausgehend von den antiken Schriftquellen soll herausgearbeitet werden, ob den Überlieferungen zufolge eine Geschlechterbevorzugung postuliert werden kann. Dieses wird mit Darstellungen von Jungen- und Mädchenbildnissen sowie Grabinschriften abgeglichen.
Im Weiteren werden die archäologischen Befunde von Kleinstkindern zusammengestellt, zu denen es anthropologische Untersuchungen gibt. Dabei wurde sich auf römerzeitliche Siedlungsbestattungen im provinzialrömischen Gebiet konzentriert, da seitens der archäologischen Forschung für diese Kinder immer wieder eine Kindstötung angenommen wird.
Ethnologische Berichte und ein Blick in die Verhaltensforschung sollen letztendlich Beweggründe einer möglichen Geschlechterbevorzugung und Kindstötung zusammenführen und zu Erklärungen beitragen.

"Wenn Kinder sterben..." - Säuglinge und Kleinkinder vom spätlatènezeitlichen Fundplatz Basel-Gasfabrik.

von Sandra Pichler/Hannele Rissanen

Die spätlatènezeitliche Siedlung Basel-Gasfabrik (Kanton Basel-Stadt, Schweiz) und zwei zugehörige Gräberfelder werden seit Jahrzehnten intensiv erforscht. Sowohl auf den Gräberfeldern als auch in der Siedlung wurden zahlreiche Skelette von Foeten, Säuglingen und Kleinkindern gefunden. Das Nebeneinander von regulären Gräbern und dem Verbleib von Kindern in der Siedlung ist auffällig und eröffnet zahlreiche Fragen zur sozialen Stellung und möglichen Wertschätzung von Kindern in der späten Eisenzeit. Am Beispiel von Bestattungen aus den Gräberfeldern und der Siedlung werden die Unterschiede in der Behandlung von sehr jung verstorbenen Kindern aufgezeigt. Fragen ergeben sich in Bezug auf potentielle Selektionskriterien in der Wahl des Niederlegungsortes ebenso wie auf die Altersstruktur und den Ernährungs- und Gesundheitszustand der Kinder. Auf den Gräberfeldern zeigen sich deutliche Unterschiede in den Beigabensitten zwischen Kinderbestattungen und den Bestattungen der erwachsenen Individuen. Neben der Diskussion von Quantität und Qualität von Beigaben in Kindergräbern stellt sich die Frage nach einer möglichen alters- und geschlechtsspezifischen Ausstattung.
Die Untersuchung der Kinderskelette des Fundplatzes Basel-Gasfabrik ist Teil des interdisziplinären Forschungsprojektes "Über die Toten zu den Lebenden: Menschliche Überreste vom spätlatènezeitlichen Fundplatz Basel-Gasfabrik und ihre kulturgeschichtlichen Deutungen". Es hat zum Ziel, in intensiver Zusammenarbeit von Archäologie, Anthropologie, Archäozoologie, Archäobotanik, Geoarchäologie, Biogeochemie und Molekulargenetik ganzheitliche kulturgeschichtliche Deutungen für den komplexen Umgang mit Toten in der Spätlatènezeit zu erarbeiteten.

Kleine Mädchen – große Rollen? Zu besonderen Kindergräbern im villanovazeitlichen Etrurien.

von Leonie C. Koch

Die Interpretation von Grabbeigaben hat in den letzten Jahrzehnten einen deutlichen Wandel erfahren. Die frühere Vorstellung einer Ausstattung für das Jenseits ist der Betonung des repräsentativen Charakters der Beigaben im Diesseits während der Bestattungsvorgänge gewichen. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt in der Interpretation bestimmter Beigaben als "Prestige"-Objekte und Anzeiger für Rollen und soziale Stellung. Meist werden "reiche" Gräber mit einem hohem sozialen Status gleichgesetzt. Dass Grabbeigaben nicht allein durch die Rolle und den Stand eines Individuums indiziert sind, sondern weitere Aspekte eines Individuums reflektieren, wurde erst kürzlich von K. P. Hofmann (2008) thematisiert. Neue Ansätze, wie der Verweis auf die Bestattungsgemeinschaft, den Verlauf der Zeremonie, aber auch Emotionen, die sich auf die Zusammensetzung der Beigaben auswirken können, treten in jüngster Zeit zu den üblichen Interpretationen. "Reiche" Kindergräber, vor allem Mädchenbestattungen, gelten üblicherweise als ein Indikator für einen vererblichen hohen Status, da das Prestige, das sich in den besonderen Beigaben wiederspiegele noch nicht von einer jungen Person erworben sein könne, so das Argument. An villanovazeitlichen Gräberfeldern wie Veji, Quattro Fontanili oder Tarquinia Villa Bruschi Falgari sollen alternative Deutungsmöglichkeiten für das früheisenzeitliche Etrurien überprüft werden. Es ist nach den möglichen gesellschaftlichen Rollen zu fragen, die Kinder, vor allem Mädchen, in den früheisenzeitliche Gesellschaften inne gehabt haben können.

Das iberische Grab der "Dama de Baza" oder die Probleme der soziologischen Interpretation exzeptioneller Bestattungen.

von Dirk P. Mielke

Das im Jahre 1971 entdeckte Grab 155 der Nekropole Cerro del Santuario (Baza/Granada) gehört zu den wenigen herausgehobenen iberischen Bestattungen, die ungestört geborgen werden konnten. In einer unterirdisch angelegten quadratischen Grabkammer aus der ersten Hälfte des 4. Jhs. v. Chr. wurde die ca. 1,30 m hohe Skulptur einer weibliche Figur auf einem geflügelten Thron entdeckt, die zu den herausragendsten Werken der iberischen Skulptur gehört und dem Grab seinen Namen gab.
Diese Skulptur diente als Bestattungsbehältnis für die Asche einer 20-30 Jahre alten Frau. Neben einigen wohl extra für die Bestattung hergestellten Gefäßen wurde in der Grabkammer auch eine komplette Waffenausstattung gefunden.
Das Grab stellt somit nicht nur archäologisch eine exzeptionelle Bestattung dar, sondern spiegelt, wie ein Vergleich mit den sonstigen Hinterlassenschaften der iberischen Kultur zeigt, offensichtlich eine besondere Rolle der bestatteten Person in der iberischen Gesellschaft wider. Die soziologische Interpretation, zu der auch die Frage kulturell bedingter Geschlechterrollen in der iberischen Gesellschaft gehört, ist jedoch mit vielen Problemen verbunden, da schriftliche Eigenzeugnisse der iberischen Kultur kaum überliefert sind. So können wir zwar relativ einfach sagen, was archäologisch normal bzw. besonders ist, doch wird bei der soziologischen Interpretation schnell deutlich, wie Geschichte von Forschern und Forscherinnen gemacht wird, sei es über Modelle, Analogien oder unreflektierte Vorstellungen. Der Vortrag möchte den Weg vom Befund zu den Interpretationen beschreiten und die damit verbundenen Probleme unter dem Aspekt der Gendersoziologie beleuchten.

Darstellung von Geschlechterrollen in den Bestattungssitten der Billendorfer Kultur am Beispiel des Gräberfeldes von Niederkaina.

von Jasmin Kaiser/Gabriele Manschus

Noch immer muss der Forschungsstand zur Billendorfer Kultur als ungenügend bezeichnet werden. Zwar wurden in den letzten Jahren einige, zumeist kleinere Gräberfelder vorgelegt und die Grabinventare besprochen, doch fehlen umfassende Auswertungen mit repräsentativen Ergebnissen. Eine Auseinandersetzung mit der Darstellung sozialer Aspekte in den Bestattungssitten einschließlich der Herausarbeitung alters- und geschlechtsspezifischer Merkmale steht erst am Anfang. Dies liegt vor allem darin begründet, dass nur wenige Leichenbrände anthropologisch untersucht wurden. Diese Forschungslücken können durch die Aufarbeitung größerer Gräberfelder geschlossen werden.
Der Schafberg von Niederkaina in der Oberlausitz ist der größte Bestattungsplatz der westlichen Lausitzer Kultur. In der frühen Eisenzeit war die Region um Bautzen ein bedeutendes Siedlungszentrum. Diesen zeitlichen Abschnitt repräsentieren in Niederkaina 1200 Gräber der Billendorfer Kultur. Sie werden derzeit im Rahmen eines DFG-Projektes aufgearbeitet. Im Vordergrund der Auswertung stehen die Untersuchung der Bestattungssitten, die Ausarbeitung einer überregional gültigen Chronologie sowie die Analyse der Struktur und Genese des Gräberfeldes.
Die exzeptionell gut ausgestatteten früheisenzeitlichen Kammergräber weisen komplexe Ausstattungsmuster und große gegliederte Geschirrsätze auf. Da ein großer Teil dieser Gräber anthropologisch untersucht wurde, ist es erstmals möglich, repräsentative Aussagen über Geschlechterrollen in den Bestattungssitten zu treffen und deren Entwicklung über den gesamten Zeitraum der Billendorfer Kultur auf einem Gräberfeld nachzuzeichnen.

"Hab mein Wage vollgelade..." - Bemerkungen zu reich ausgestatteten Frauengräbern der Hallstattzeit im Grabfeldgau.

von Jörg Fritz

Das Anfang der 1980er Jahre entdeckte Gräberfeld von Großeibstadt II, Lkr. Rhön-Grabfeld, stellt bisher immer noch die am reichsten ausgestattete Nekropole im Grabfeldgau Unterfrankens und Südthüringens dar. Es liegt unweit der bekannten Steinsburg und enthielt neben "einfachen" Brandgräbern und einigen für die Hallstattzeit typischen Kammergräbern mit bescheidenem Geschirrsatz auch sechs reich ausgestattete Kammergräber nach böhmischen Muster mit Wagenbestattungen und reichem Geschirrsatz sowie Tracht. Diese bereits von der nicht weit entfernten Schwesternekropole Großeibstadt I bekannten Gräber waren bisher immer männlichen Toten zugeordnet. In Großeibstadt II hingegen konnten zum ersten Mal zwei Frauenbestattungen mit ganz ähnlichen Ausstattungen geborgen werden, hinzu kommen noch weitere Hinweise auf solche Gräber durch Altfunde. Im Vergleich mit anderen Bestattungen der Umgebung zeigte sich, dass die nahezu identische Tracht beider Frauen sich zwar etwas von den geläufigen Mustern der Umgebung abhebt, aber keine exotischen Dinge beinhaltet, wie sie aus den Männergräbern bekannt sind. Ebenso verhielt es sich mit den zwar umfangreichen, aber in ihrer Zusammensetzung kaum überraschenden Geschirrsätzen. Damit setzen sich die beiden Gräber allein über die Bestattungsart und die Fülle der Beigaben von den übrigen Frauenbestattungen im Grabfeldgau ab, im Gegensatz zu den Männergräbern, die häufiger mit Exporten und seltenen Gegenständen ausgestattet sind. Wie sind diese Gräber anzusprechen? Sind es die Gräber der weiblichen Elite der hallstattzeitlichen Gesellschaft oder "nur" Sonderbestattungen einiger weniger Frauen?