"Das Leben ist nur ein Moment, der Tod ist auch nur einer". Siedlungen und Gräberfelder aus Dietfurt an der Altmühl.

von Melanie Augstein

Der Dietfurter Talkessel kann mittlerweile als eine der am besten erforschten Siedlungskammern Süddeutschlands betrachtet werden. Zahlreiche Fundstellen nahezu aller vorgeschichtlichen Perioden bezeugen die kontinuierliche Besiedlung dieses Raums; insbesondere während der Hallstattzeit ist von einer hohen Siedlungsdichte auszugehen. Hierfür ist sicherlich auch die verkehrsgünstige Lage mit dem Zusammenschluss mehrerer Täler verantwortlich, die wiederum den Kleinraum in eine viel größere Siedellandschaft einbanden.
Bereits seit den 1960er bzw. 1980er Jahren sind aus Dietfurt ein großes Gräberfeld der Hallstattzeit und eine ausgedehnte Siedlung vor allem der Urnenfelder- sowie der Hallstatt- und Frühlatènezeit bekannt. Schließlich wurden in den Jahren 2002 und 2003 ein weiteres hallstatt- und frühlatènezeitliches Gräberfeld sowie unmittelbar daran anschließende Siedlungsspuren ausgegraben. Die räumliche Nähe von Siedlung und Gräberfeld - gewissermaßen dem Ort der Lebenden und der Toten - ist bislang nur in seltenen Fällen belegt. In Dietfurt liegen also innerhalb einer kleinräumigen geographischen Einheit mehrere als zeitgleich zu betrachtende Besiedlungselemente - neben den genannten ist ein hallstattzeitlicher Herrenhof zu erwähnen - vor.
Ziel des Vortrags ist es, das bislang unpublizierte Gräberfeld und die Siedlung kursorisch vorzustellen und im Kontext der Mikroregion und ihrer ›Bausteine‹ zu verorten. Dabei spielen einerseits Fragen nach der Rekonstruktion von Sozialstrukturen - sowohl auf der vertikalen als auch auf der horizontalen Ebene - anhand der Grab- wie auch der Siedlungsbefunde eine Rolle. Andererseits verspricht der vergleichsweise gute Forschungsstand des Dietfurter Talkessels mit seinen diversen Besiedlungselementen neue Perspektiven auf die archäologisch zu erschließende räumliche Struktur einer Mikroregion.

Langsam schleicht der Ochse, flotter geht das Pferd. Zur Anspannung und Geschwindigkeit von Rindern und Pferden.

von Anna Bauer

Durch Grabfunde und bildliche Darstellungen ist bekannt, dass bei der zweispännigen Anspannung von Pferden, Pferdeähnlichen und Rindern von Kelten und Römern das Doppeljoch verwendet wurde. Die Einzelanspannung für römische Rinder kann durch den Brunnenfund aus Pforzheim nachgewiesen werden. Die Einzelanspannung für keltische Pferde lassen die Funde zwischen dem Großen Moos und dem Neuenburger See vermuten. Darstellungen von Pferden vermutlich mit Kummet stammen aus dem 1. und 2. Jh. n. Chr., allerdings fehlen bis jetzt alle Funde welche die Darstellungen belegen.
Obwohl Pferde und Rinder unter dem Joch gingen, kann zwischen einem Pferde- und einem Rinderjoch unterschieden werden. Ein Rinderdoppeljoch hat keine oder nur schwach ausgeprägte Bögen, da es im Genickbereich des Rindes aufliegt, auf der Stirn oder vor dem Widerrist. Ein Pferdejoch hat hingegen einen großen Bogen, um sich dem Brustkorb des Pferdes besser anzupassen.
Bei der Ausnutzung der tierischen Kraft lag das Rind weit vor den Pferdeähnlichen, da die Jochanspannung der Rinderanatomie entgegenkam. Das Pferd ist dem Rind hinsichtlich der Zeit, die mit ihm gearbeitet werden kann, überlegen. Das Maultier ist dem Pferd und dem Rind durch Zähigkeit und Kraft überlegen. Pferde und Pferdeähnliche können im ebenen Gelände etwa das Doppelte ihres Eigengewichtes, bei schwerem Boden oder großen Höhenunterschieden nur noch das Eigengewicht ziehen. Ochsen ziehen mehr als gleichschwere Pferde, ihr Nachteil ist ihre Geschwindigkeit. Das Rind unterliegt dem Pferd ebenfalls hinsichtlich der Zeit, die mit ihm gearbeitet werden kann. Im Vergleich zum Pferd, mit 2200- 2500 Arbeitsstunden, schafft ein Ochse nur 1500 Arbeitsstunden im Jahr. Die geringere Arbeitsleistung der Rinder erklärt sich dadurch, dass sie die Arbeit verweigern, wenn es zu heiß ist, ein Problem das sich vor allem während der Erntezeit im Sommer stellt. Weiters gehören Rinder zu den Wiederkäuern, d. h. sie fressen öfter am Tag als Pferde, bei gleichhäufiger Fütterung. Das Wiederkäuen erfordert Ruhezeiten wie das Fressen.

Die Verschiebungen des Bernsteinwegs im 6.-5. Jh. v. Chr.

von Jan Bouzek

Der "normale" Bernsteinweg entlang der Ostalpen war für eine gewisse Zeit durch die skythischen Einfälle unterbrochen, deshalb kam es zu einer Kulturblüte dieser Zeit in Böhmen. Die neu publizierten aus kleinen Sammlungen stammenden Funde von griechischer Keramik aus Spina bieten als Ganzes eine sehr passende Parallele zu dem, was in Böhmen bisher von dieser "durchschnittlichen" Gattung gefunden wurde (Wiel-Mariu 2005, vgl. auch Bononi 2004). Die Gegend von Adria und Spina erhielt im 5. Jh. viel mehr attische Keramik als das toskanische Etrurien, sowohl was die Qualität der Stücke betrifft, als auch hinsichtlich der Quantität des Imports. Die durch die skythischen Einfälle entstandenen Schwierigkeiten am ostalpinen Bernsteinweg scheinen also nicht die Beziehungen zum Caput Adriae zu unterbrechen, sondern nur die Benutzung der sonst weniger günstigen, mehr westlich liegenden Wege über die Alpen zu begünstigen. Dadurch stieg die Bedeutung der letzteren und schließlich auch der Gegend der Salzkammer und Böhmens. Auch der alpine Diskus aus Perachora dürfte eher über diesen Weg Korinth erreicht haben als über die Toskana.
Glas kam seit der Urnenfelderzeit aus der Levante, wie dies neue Analysen mehrfach gezeigt haben. Der Fund eines Aryballos aus Strakonice kam aller Wahrscheinlichkeit nach aus einer phönizischen Werkstatt im östlichen Mittelmeer. Die meisten Perlen waren wohl Produkte sekundärer Zentren, die aber von den Phöniziern inspiriert wurden. Diese sekundären Zentren von Glashüttenanlagen befanden sich, wie schon länger bekannt, im nördlichen Schwarzmeer, im Norden des Adriaraumes, in Etrurien und im heutigen Spanien. Die Menge der Glasperlen, die neuerdings auch in Slowenien ausgegraben wurden, zeigt uns noch mehr als früher die Bedeutung dieser Gegend für die Weiterverbreitung hallstatt- und frühlatènezeitlicher Glasperlen nach Mitteleuropa. Auch die Möglichkeit der Inspiration frühlatènezeitlicher Maskenfibeln durch phönizische Maskenperlen darf nicht übersehen werden. Die Neufunde aus Böhmen scheinen zu beweisen, dass die Südimporte in Böhmen nicht nur einem breiteren Kreis der damaligen Gesellschaft zugutekamen, sondern auch dass Böhmen in dieser Zeit wesentlicher zu den Anfängen des neuen Latènestils beigetragen hat als früher gedacht wurde.

Importe und Nachahmungen attischer Keramik in Böhmen als Indikator für Fernkontakte.

von Miloslav Chytrácek - Martin Trefny

Attische Keramik ist auf dem Gebiet Böhmens gegenwärtig von sechs späthallstatt- bis frühlatènezeitlichen Fundorten bekannt, wobei die neuesten Entdeckungen vor allem in der Umgebung Prags im Zuge großflächiger Abdeckungen für Bauprojekte gemacht wurden. Aus Nordwestböhmen stammen der Fund eines Fragments einer späten schwarzfigurigen Kylix aus der späthallstattzeitlichen Siedlung in Kadan-Jezerka und die Fragmente von Keramik mit schwarzer Firnis vom keltischen Adelsgehöft in Drouzkovice aus demselben Zeithorizont, dem ersten Viertel des 5. Jh. v. Chr. In Mittelböhmen ist diese Keramik durch drei Fragmente mit schwarzer Firnis aus der späthallstatt- bis frühlatènezeitlichen Siedlung in Tuchomerice vertreten. Aus Prag-Jiviny, Prag-Pitkovice und Dobrovíz stammen sodann Fragmente rotfiguriger Kylikes aus der Zeit um die Mitte des 5. Jh. v. Chr.
Funde attischer Keramik aus Nordwest- und Mittelböhmen stellen einen sehr bedeutenden Beleg für den Transfer von Gütern entlang von Fernhandelswegen oder Korridoren dar. Im Fall der nordwestböhmischen Funde wird eine Variante der Übermittlung in der Südwestrichtung erwogen, entlang der Eger. Funde rotfiguriger Keramik in der Umgebung Prags hängen auch mit den Transportwegen über die Alpen zusammen. Diese Annahme stimmt auch mit der Kulmination von Importen attisch rotfiguriger Produktion in den bedeutenden norditalienschen Zentren (Spina, Bologna) im zweiten Viertel des 5. Jh. v. Chr. überein, von wo diese durch die Handelsstationen am Po (Forcello, Bagnolo S. Vito) nach Norden verteilt wurde. Teil dieses Distributionsstroms sind im Gebiet des Gardasees und im Etschtal neben verschiedenen etruskischen Importen auch Funde attisch rotfiguriger Keramik. Aus dem Raum der Fritzens-Sanzeno-Kultur durch das Etschtal setzt sich dieser Weg nach Norden entlang Salzach und Inn fort und reicht über die Donau bis nach Südböhmen. In Richtung Mittelböhmen wird der Verlauf dann durch bedeutende hallstatt- und frühlatènezeitliche Fundorte entlang der Flüsse Otava, Litavka, Berounka und Moldau markiert.
Dass Importe attisch rotfiguriger Keramik auch die heimische Keramikproduktion beeinflussten, ist vor allem durch einige Imitationen rotfiguriger Kylikes, z. B. aus Pilsen-Roudná oder Chrzín erwiesen. Neben diesen Funden erscheinen im böhmischen hallstatt- und frühlatènezeitlichen Milieu auch weitere Keramikfunde, wie z. B. eine mit einem Hasen verzierte Schale aus Libkovice, ein Schwan auf einem Gefäß aus Radovesice oder das Fragment eines scheibengedrehten Gefäßes aus dem Hallstattburgwall in Minice. Diese Funde, bei denen wir eine südliche, südöstliche oder südwestliche Herkunft bzw. zumindest eine formale bzw. künstlerische Inspiration aus diesen Gebieten voraussetzen, belegen gleichfalls die Funktion der Fernhandelswege, durch deren Vermittlung entweder die Artefakte selbst oder die Kenntnis einzelner Verzierungselemente bzw. Produktionstechnologien hierher gelangten. In diesem Sinne können die Fernhandelswege neben zahlreichen anderen Aspekten auch als Grundlage eines gegenseitigen Austauschs exogener Artefakte verstanden werden, genauso wie als Verbindungsweg, durch den es zum Transfer von Elementen kam, die in der materiellen Kultur weit entfernter Gebiete zur Geltung kamen.

Die vorgeschichtlichen befestigten Höhensiedlungen in der unteren Normandie vom Ende der Bronzezeit bis zur römischen Okkupation.

von Fabien Delrieu und Pierre Giraud

Wie im gesamten nichtmediterranen Gallien lässt sich die Besiedlung der befestigten vorgeschichtlichen Höhensiedlungen der unteren Normandie in drei gut zu trennende Zeitstufen einteilen. Alle derzeit bekannten vorgeschichtlichen Siedlungen dieses Typs datieren in die mittlere und jüngere Spätbronzezeit, die Späthallstattzeit (Hallstatt D) oder die Spätlatènezeit.
Innerhalb der ersten beiden genannten Zeitstufen spielt sich diese Besiedlung in zwei, durch einen deutlichen Hiatus getrennten Etappen ab. Die Siedlungsplätze wurden entweder während der Spätbronzezeit in den Stufen 2b/3a und im Verlauf der Stufe 3b besiedelt oder aber von der Späthallstatt- bis zur beginnenden Frülatènezeit (Ha D bis Lt A1). Darüber hinaus scheinen mit Ausnahme der Siedlung von Merri-"Le Camp de Bierre" diejenigen Orte, die in der ersten Phase besiedelt wurden, nicht in der zweiten besiedelt zu werden und umgekehrt. Dieser Hiatus von rund eineinhalb Jahrhunderten vom Ende des 8. Jahrhunderts über fast das gesamte 7. Jahrhundert hinweg während der Stufe Ha C trifft offenbar auf die meisten der befestigten Höhensiedlungen in Nord- und Mittelfrankreich zu. Tatsächlich sind die Höhensiedlungen der mittleren und jüngeren Spätbronzezeit relativ zahlreich und im Norden (Catenoy in der Picardie) und im Nordosten Frankreichs (beispielsweise der "Hohlandsberg" für die Spätbronzezeit 2b/3a und der "Hexenberg" für die Spätbronzezeit 3b im Elsass oder "Le Châtelet d'Etaules" in Burgund) nachgewiesen. Auf den Nordwesten von Frankreich scheint dieses Phänomen ebenso zuzutreffen. Dies gilt auch für das Ende der Späthallstattzeit, wo die Befestigung bzw. Wiederbefestigung der Höhensiedlungen innerhalb des Westhallstattkreises mit dem Beginn der sogenannten keltischen Fürstensitze einhergeht. Der Hiatus innerhalb der Frühallstattzeit lässt sich für das ganze nichtmediterrane Gallien feststellen.
Für die Spätlatènezeit können lediglich fünf befestigte Höhensiedlungen als Oppidum angesprochen werden. Die offenen Siedlungen dieser Zeitstufe fehlen bislang in der unteren Normandie, allerdings könnte dies dem derzeitigen schlechten Forschungsstand geschuldet sein. Im nördlichen Gallien ist diese Siedlungsform gut nachgewiesen (zum Beispiel die Siedlungen von Villeneuve-Saint-Germain oder Acy-Romance), ebenso wie im Westen Galliens (Quimper in der Bretagne als aktuelles Beispiel). Die oben erwähnte regionale Forschungslücke könnte mit der Wiederaufnahme der Forschungen in der Siedlung "Castellier" bei Saint-Désir-de-Lisieux geschlossen werden. Die aktuellen Grabungen im Wall dieses Oppidums greifen die Problematik der befestigten spätlatènezeitlichen Höhensiedlungen erneut auf, die seit den Ausgrabungen von Mortimer Wheeler auf dem "Petit Ceylan" vernachlässigt worden sind.
Die Funktion der vorgeschichtlichen befestigten Höhensiedlungen im Nordwesten Frankreichs zu deuten, bleibt schwierig. Dies liegt zum einen an den Schwächen der verfügbaren Dokumentation, aber auch an der Schwierigkeit, die Siedlungsorganisation innerhalb einer Landschaft zu verstehen, in der die offenen Siedlungen in den Ebenen bisher kaum archäologisch nachgewiesen sind. Die bekannten Daten, überwiegend alte Grabungsdokumentationen, konnten mit Hilfe eines 2005 ins Leben gerufenen Forschungsprogramms aufgearbeitet werden. Die chronologischen Phasen von Besiedlung und Auflassung der befestigten Höhensiedlungen wurden weitgehend geklärt und es ist nunmehr leichter möglich, die Dynamik, die zur Entstehung dieser Ansiedlungen entlang der Kanalküste geführt hat, zu verstehen.

Der frühkeltische "Fürstensitz" auf dem Ipf.

von Daniela Euler

Bereits seit dem Lesefund einer attischen schwarz gefirnisten Scherbe in den 1960er Jahren wurde für den Ipf bei Bopfingen am Westrand des Nördlinger Rieses die Zugehörigkeit zum Kreis der frühkeltischen Fürstensitze vermutet. In den Jahren 2004 bis 2008 wurden im Rahmen des Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft "Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse - Zur Genese und Entwicklung frühkeltischer Fürstensitze und ihres territorialen Umlandes" gezielte archäologische Ausgrabungen auf dem Plateau und der Unterburg des Ipfs sowie in seinem Umfeld vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführt. Im Vortrag werden die spannenden Funde und Befunde aus den Ausgrabungen vorgestellt, unter anderem mediterrane Importkeramik sowie ungewöhnliche Bebauungsstrukturen und imposante Befestigungsanlagen, um auf dieser Grundlage eine chronologische und funktionale Einordnung des Ipfs in das Siedlungsgefüge des Nördlinger Rieses während der Bronze- und Eisenzeit vorzunehmen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Genese und Entwicklung des Fürstensitzes im Zusammenhang mit möglichen Zentralisierungsprozessen.

Zum Verlauf hallstattzeitlicher Fernwege durch das bayerische Voralpengebiet nach Norditalien und dem Caput Adriae.

von Florian Hauser

L. Pauli hatte 1993 in seiner Monografie zum Fürstensitz Breisach mehrere Karten mit hallstattzeitlichen Fernwegen zwischen Fürstensitzkreis und Mittelmeerraum publiziert, die in der Vergangenheit wiederholt als Basis weiterer Interpretation aufgegriffen wurden (Parzinger, Goldberg; Parzinger et al., Bycí Skála-Höhle) und zum Teil durch weitere Fernwege ergänzt wurden (Stöllner, Inn-Salzach-Raum).
Der Vortrag wird dieses Bild anhand neu entdeckter Funde und Fundstellen aus dem bayerischen Voralpenland neu beleuchten. Den Ausgangspunkt dazu bildet der eisenzeitliche Fundplatz Nußdorf im Chiemgau, für den sich durch die herausragenden Funde einer massaliotischen Silbermünze und eines silbernen Fingerrings mit Inschrift, sowie mehrerer alpiner und italischer Fibeln die Lage an einem Fernweg dieser Zeit erschließen lässt.

Tor, Wassergraben und Brücke: Der Weg in eine spätbronzezeitliche bis ältereisenzeitliche Großsiedlung bei Wennungen (Sachsen-Anhalt).

von Andreas Hüser

Aktuelle Ausgrabungen im Zuge der ICE-Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig haben bei Wennungen im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt eine ausgedehnte Siedlung auf einem in das Unstruttal reichenden Geländesporn belegt. Dieses seit dem Spätneolithikum besiedelte Gelände war zur Unstrut hin mit drei Doppelgrabensystemen abgeriegelt, die wie auch das Fundmaterial in den Übergang von der Spätbronzezeit bis weit in die ältere Eisenzeit (Ha D) datieren. Zahlreiche Spuren - etwa Tierhaltung, Textilproduktion, Salzsiederei oder Bronze-, Holz- und Geweihverarbeitung - zeigen ein umfangreiches und facettenreiches Tätigkeitsfeld innerhalb der Siedlung, das ohne Handelskontakte sowohl zum näheren Umfeld als auch zu weiter entfernten Handelspartnern in dieser Form nicht zu erwarten ist.
Ein bemerkenswerter Befund wird Hauptbestandteil des Vortrages sein: Das wohl als Hauptzugang zur Siedlung anzusprechende Tor im zweiten Doppelgrabensystem weist im inneren Graben einen Durchlass auf, der vorgelagerte äußere Graben hingegen lässt Spuren einer Brückenkonstruktion erkennen. Pfostenspuren deuten möglicherweise auf ein Torhaus hin. Der Graben selbst hat unmittelbar im Torbereich zudem als Wassergraben fungiert, wie deutliche Ablagerungen zeigen.
Vor dem Hintergrund des Themas "Wege" der Tagung soll dieser bedeutsame Befund als Teil der Wegeplanung im Zusammenhang mit der Siedlung diskutiert werden. Aber auch zum Unstruttal ist ein deutlicher Bezug vorhanden. Das aus topographischen und naturräumlichen Gründen als Verkehrs- und Handelsweg begünstigte Tal wurde bereits seit Jahrtausenden entsprechend genutzt.

Von der Ostsee über die Kaschubische Seenplatte zum Weichselknie - Handelswege in der Eisenzeit?

von Jutta Kneisel

Am Beispiel der Pommerschen Kultur in Nordpolen werden Nah- und Fernhandelskontakte zwischen Ostsee und Hallstattraum aufgezeigt.
Nahkontakte zeigen sich bei der Analyse tönerner Deckel anthropomorpher Urnen aus der Pommerschen Kultur. Die Deckel treten häufig zusammen mit Gesichtsurnen auf und sind mit komplexen Mustern verziert. Diese Ornamente ermöglichen eine sehr feine Differenzierung nach Verzierungsarten, Stil und Form. GIS-Analysen erbrachten, im Gegensatz zu den erwarteten lockeren Fundakkumulationen, gerichtete Austauschwege, die von der Ostseeküste bis nach Süden an die Flüsse Warthe und Netze reichen. Dieser Befund ist umso erstaunlicher, als sich neben diesen linearen Kommunikationswegen zahlreiche Gräberfelder finden, deren Verzierung der Deckel jedoch eine andere ist.
Im Gegensatz zu den sehr regionalen Ornamenten der Deckel, dient der Rohstoff Bernstein als Beispiel für Fernkontakte. Bernstein findet sich zwar innerhalb der Pommerschen Kultur selten, jedoch deutet die weiter südlich gelegene, befestigte Siedlung von Komorowo auf ein Zentrum der Bernsteinverarbeitung hin. Große Mengen an Rohbernstein und einige Halbfertigprodukte belegen dies. Das dazugehörige Gräberfeld von Gorzcewice, mit dem nördlichsten Hallstattimport Polens, weist auf Verbindungen zum Hallstattkreis hin. Es ist davon auszugehen, dass von dieser Siedlung die Verhandlung des Bernsteins nach Süden - vermutlich bis nach Italien - erfolgte.

Neue Forschungen im Umland des Magdalenenbergs.

von Thomas Knopf

Der sogenannte Magdalenenberg am Schwarzwaldrand bei Villingen ist einer der größten hallstattzeitlichen Grabhügel Mitteleuropas. Der Hügel wurde in den frühen 70er Jahren vollständig ausgegraben und insbesondere die weit über 100 Nachbestattungen sind seitdem Gegenstand zahlreicher Analysen. Aus dem Umland sind eine Reihe weiterer kleinerer Grabhügel bzw. Hügelgruppen, jedoch praktisch keine Siedlungsplätze bekannt. Einzige Ausnahme ist die rund vier Kilometer entfernte, bereits im Schwarzwald liegende Höhensiedlung "Kapf", die 1959 durch Sondagegrabungen untersucht wurde. Nicht zuletzt mangels weiterer Siedlungen wurde der Kapf als die zum Magdalenenberg gehörige Siedlung betrachtet. Ein neues Projekt (ab 2010), das hier vorgestellt werden soll, wird nun die bisher völlig unbekannte Siedlungslandschaft im Umland des Großgrabhügels erforschen. Ziel ist es, die Siedlungsdynamik und ihre sozioökonomischen Grundlagen in dieser naturräumlich eher suboptimalen Landschaft der westlichen Baar zu erschließen. Dazu sollen auch bodenkundliche und pollenanalytische Untersuchungen zur Landschaftsgeschichte bzw. zu Ausgriffen in den Schwarzwald erfolgen. Es existieren bereits erste Anzeichen für eine eisenzeitliche Landnutzung im Schwarzwald. Zu untersuchen ist auch die im Fundgut praktisch nicht belegte These des Eisenerzabbaus, die zur Fiktion eines "Eisenherrn" im Zentralgrab des Magdalenenbergs geführt hat.

Entzheim-Geispolsheim (Bas-Rhin, Frankreich). Die Entwicklung einer Siedlungslandschaft in der frühen Eisenzeit.

von Michael Landolt und Felix Fleischer

Der Fundplatz Entzheim-Geispolsheim liegt rund 10 km südlich von Straßburg im Tal der Bruche. Im Vorfeld der Bauarbeiten für ein neues Gewerbegebiet zwischen den Dörfern Entzheim und Geispolsheim wurden zwischen 2006 und 2009 in mehreren Prospektions- und Ausgrabungskampagnen rund 23 ha Fläche archäologisch untersucht und 7 ha ausgegraben.
Der siedlungsgünstige Platz am alten Ufer der Bruche wird seit dem Neolithikum genutzt. Über 280 Siedlungsbefunde und Gräber decken chronologisch das Früh- (Bandkeramik), Mittel- (Großgartach, Bischheim) und Jungneolithikum (Michelsberg, Munzingen) ab. Aus der Spätbronzezeit sind rund 50 Befunde nachgewiesen. Nach einer intensiven Besiedlung in der frühen Eisenzeit wird erst wieder in gallo-römischer Zeit eine kleine Ansiedlung angelegt, später ein merowingerzeitlicher Weiler mit kleinem angegliedertem Friedhof. Einzelne Befunde belegen eine sporadische Nutzung im Hochmittelalter. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges gerät der ehemalige Siedlungsplatz buchstäblich in die Frontlinie, von der umfangreiche Bunkeranlagen erhalten sind.
Der Schwerpunkt der vorgeschichtlichen Besiedlung von Entzheim-Geispolsheim liegt in der Hallstatt- und Frühlatènezeit (Ha C bis Lt B). Aus der Hallstattzeit und dem Übergang nach Latène A stammen rund 220 Befunde, darunter mehrheitlich Siedungsgruben. Den größten Anteil unter den eisenzeitlichen Strukturen nehmen die Siedlungsreste aus der Frühlatènezeit ein. Die über 250 Befunde, darunter Abfall- und Vorratsgruben sowie sechs Grubenhäuser, erstreckten sich über mehrere Hektar. Die frühlatènezeitliche Siedlung ist aktuell der größte gegrabene Fundplatz aus dieser Zeit im Elsass. Mit Hilfe des reichen Fundmaterials, darunter große Keramikensembles mit Fibelbeifunden, können nunmehr einige typo-chronologische Lücken in der späthallstatt- und frühlatènezeitlichen regionalen Keramikforschung geschlossen und neue Erkenntnisse zur Chronologie insgesamt gewonnen werden. Dies betrifft insbesondere die aktuellen Forschungen zum Erscheinen der Drehscheibenkeramik am Ende der Hallstattzeit und ihrer Verbreitung in der Frühlatènezeit. Innerhalb des gesamten Fundplatzes lassen sich deutliche Siedlungsverlagerungen sowohl im Verlauf der unterschiedlichen Zeitepochen als auch innerhalb einzelner Siedlungsperioden nachweisen. Die während der Ausgrabungen systematisch entnommenen botanischen, zoologischen und geologischen Proben erlauben die Verknüpfung von archäologischen und naturwissenschaftlichen Daten und geben Hinweise auf die Lebensumstände der damaligen Zeit. Herausragende Quellen hierzu sind die zahlreichen Vorratsgruben (Silos), die häufig nochmals sekundär für Menschen- und Tierbestattungen genutzt wurden.
Die eisenzeitlichen Befunde und Funde zwischen den heutigen Dörfern Entzheim und Geispolsheim zeigen den herausragenden Charakter der vorgeschichtlichen Siedlungslandschaft am ehemaligen Ufer der Bruche und geben Hinweise auf die dynamischen Prozesse während ihrer Besiedlung. Dem Fundplatz kommt in Hinblick auf die aktuellen Forschungen zur Chronologie und Siedlungskeramik überregionale Bedeutung zu.

Literatur:
M. Landolt, Entzheim. In der Klamm. Un habitat du Ve siècle avant J.-C. In: B. Schnitzler (Hrsg.), 10 000 ans d'histoire! Dix ans de fouilles archéologiques en Alsace, Ausstellungskatalog Musées de Strasbourg, Strasbourg (Strasbourg 2009) 72-75.
M. Landolt/D. Bouquin/M. van Es/O. Putelat/C. Schaal/N. Schneider, Les occupations hallstattiennes et de la Tène ancienne d'Entzheim "In der Klamm" et de Geispolsheim "Schwobenfeld" (Bas-Rhin). Bull. Assoc. Française de l'Étude de l'âge du Fer 23, 2008, 33-36.
M. Landolt/M. van Es/O. Putelat/D. Bouquin/C. Schaal/E. Boes, unter Mitarbeit von E. Bacchharetti/D. Bevilacqua/I. Dechanez-Clerc, Entzheim-Geispolsheim (Alsace, Bas-Rhin), Aéroparc (Lidl-CUS), volume 3: Les occupations protohistoriques. Rapport Final d'Opération de fouille, dactylographié, PAIR, SRA Alsace (Sélestat-Strasbourg 2007).

Rotary Querns from the Territory of the Scordisci and Potential Routes of Food Technology Transfer.

von Marija Ljustina

Being not very exciting to look at, rotary querns (mola versatilis) have not attracted much attention of La Tène researchers of the Serbo-Croat part of the Danube basin. The territory was, roughly speaking, occupied by the Scordisci - the mixed Celtic tribes, who according to Strabo "were mingled with the Thracians and Illyrians". The new type of quern, in which the food was processed by means of rotational movement, had not been introduced to the central Balkanic autochtonous populations until the Celtic arrival. The regions which had direct contact with Greek colonies were the only exception.
The main aim of the study is to trace material confirmation of the rotary quern technology on archaeological sites belonging to the Scordisci. According to formal analogies with querns from the original Celtic lands, it is likely that the innovation in food technology was brought to south Pannonia and the northern part of the central Balkans along with many other innovations in material culture and everyday practice. In the case of stone mills, at that time certainly a progressive element of household effects, one may expect transfer of the idea, final products being quite inconvenient for transport. On the other hand, location of quarries from which the rough material was taken down can suggest other routes, not necessarily the same as the ones linked to the introduction of the innovation in food technology.
It can be expected that the Scordisci kept a bigger part of the ancient Celtic nutrition habits, since the archeological material bears witness to a common development of material culture during the La Tène period over the entire area occupied by the Celts. Since we lack thorough archaeobotanical analysis of plant remains from the sites of the Scordisci, conclusions about what types of grains and other sorts of food could have been processed in the rotary querns, must be taken reservedly.

A tool for studying the Iron Age countryside: a national data banc.

von Thierry Lorho, François Malrain und Geertrui Blancquaert

As one of the missions of the French national institute of preventive archaeological research (INRAP) focuses on collective and inter institutional research projects, the authors of this paper would like to present the one dealing with Second Iron Age rural settlements, their organization and evolution.
Known from aerial photography, but explored by hundreds of excavations occasioned by preventive archaeology, it became evident that the amount of information needed to be collected homogeneously and on a national level to assure that the study of the data proffers new thematic and scientific perspectives. From that point of view, a filemaker data banc has been created concentrating on both general topics and details concerning spatial organization of the open and enclosed settlements, a wide range of archaeological material, as well as the palaeo-environmental analysis undertaken and the administrative constituents. These major themes are brought together in two files and linked to GIS.
The data banc has been compiled during three years (2006-2008). The recorded information has been selected following some major criteria such as excavations undertaken the last 30 years and results provided by intensified trial trenching. The chronological bracket is from 550 to 10 B. C. Almost 600 sites and about 1000 "phases" are recorded.
The data banc allows a lot of application possibilities covering a whole range of scientific subject matters such as: settlement functions, ranking, rhythm of creation and abandonment, territorial organization... But the heterogeneous information registered in a standardized way also allows a critical analysis by today's detection and excavation methods.

Handelsrouten und Fernkontakte in Ostgermanien am Ende der Latènezeit.

von Piotr Luczkiewicz

In der jüngeren vorrömischen Eisenzeit registriert man in ostgermanischen Fundlandschaften, d.h. im Bereich der Przeworsk- und Oksywie-Kultur, einen starken Zufluss fremder Erzeugnisse. Höchstinteressant stellt sich in diesem Zusammenhang das Problem der Verbreitungsmechanismen dar, die hinter dem Zustrom fremder Güter standen.
Im Austausch mit der Kéltike war sicherlich der Fernhandel und die sog. Bernsteinstraße von großer Bedeutung. Sie verbindet das Caput Adriae mit der südlichen Ostseeküste: mit der Weichselmündung in der Danziger Bucht und mit dem Samland. Bezeichnenderweise gruppieren sich zahlreiche Importe in Polen entlang dieser Route: Niederschlesien - entlang der Warta und Prosna - Kujawien - Unterweichselgebiet. In der ausgehenden vorrömischen Eisenzeit gewann der sog. östliche Abzweig des Bernsteinweges stark an Bedeutung, der über die slowakische Púchov-Kultur und die Tyniec-Gruppe in Südpolen führt, wo dakische und donauländische Einflüsse zusammentreffen, und danach weiter über die östlichen Gebiete der Przeworsk-Kultur.
Die Tyniec-Gruppe, die ein Konglomerat von keltischer und germanischer Bevölkerung darstellt, galt als Vermittler- und Distributionszentrum für zahlreiche fremde Güter und Einflüsse. Einige ihrer Siedlungen könnte man sogar - ein wenig übertrieben - als port of trade bezeichnen.
Wie sah aber dieser Handel aus? War es wirklich ein Fernhandel (wie etwa in Gallien), der von professionellen Kaufleuten betrieben wurde? Waren dabei keltische oder sogar auch germanische Händler beteiligt? Oder handelte es sich vielleicht eher um Zwischenhandel von einem Distributionszentrum zum anderen, wo die Güter mit politischer Absicht und sozialer Macht weiter verteilt wurden?
Die Austauschprozesse in der vorrömischen Eisenzeit waren jedoch sicherlich nicht nur auf den Handel und Tauschbeziehungen beschränkt; viel plausibel scheint die Möglichkeit, dass es sich hier um personengebundene Prozesse gehandelt hat: Mobilität von Personen (einzelne Krieger; kleinere oder größere Kriegsverbände; Eliten; Handwerker), Beute aus militärischen, keltisch-gemanischen bzw. innergermanischen Auseinandersetzungen, Kontaktpflege des keltischen Adels und germanischer Anführer und diplomatische Geschenke.

Mondidole und Feuerböcke als Kennzeichen von Identitätsgruppen in der frühen Eisenzeit Mitteleuropas

von Simon Matzerath

Bei den "Feuerböcken" und "Mondidolen" handelt es sich um eine Fundgattung, die zu Tausenden Exemplaren aus Siedlungen der späten Bronze- und vereinzelt auch der frühen Eisenzeit bekannt sind. Deutlich geringer ist die Zahl derartiger Stücke als Grabbeigaben. Es zeigte sich, dass diese Beigabensitte sich nur in bestimmten archäologischen Kulturen wiederfindet und dabei stets an feste Regeln gebunden ist.
Der Vortrag stellt die "Feuerböcke" und "Mondidole" aus Gräbern als eigene Materialgruppe vor und widmet sich den Besonderheiten ihrer Verbreitung und ihres archäologischen Umfeldes. Im Mittelpunkt stehen dabei die Funde aus Mittel- und Ostböhmen, der Kalenderbergkultur und der Hallstattkultur. Es werden verschiedene Marker für Identitätsgruppen in unterschiedlichen archäologischen Kulturen herausgestellt und diese vergleichend bewertet. In der mittelböhmischen Bylaner Kultur hat die Objektgruppe einen festen Platz in den besonders reich ausgestatteten Männergräbern. Zeitgleich treten sie in der Kalenderbergkultur ausschließlich in herausragenden Frauenbestattungen auf. Die sogenannten "Feuerböcke" und "Mondidole" haben keine alltägliche Funktion, sondern treten als religiöses Symbol einer bestimmten Gruppe in der Gesellschaft auf. Schließlich lassen sich drei Bestattungen in Süddeutschland sehr konkret als Gräber von Personen ostmitteleuropäischer Herkunft bestimmen.
Der Vortrag stellt den Versuch dar, eine altbekannte und doch weitgehend fremde Materialgruppe vorzustellen und ihre Bedeutung als Grabbeigabe zu diskutieren.

Auf trockenem Fuß durch die Flussniederung. Ein Brückenbefund der Latènezeit aus Kirchhain-Niederwald, Hessen.

von Christa Meiborg

Im September 2008 fielen dem Geologen Dr. Ralf Urz bei der Beobachtung eines Abbauprofils im Bereich der Kiesgrube Kirchhain-Niederwald, Kr. Marburg-Biedenkopf neben vorgeschichtlichen Keramikscherben auch in situ stehende Holzpfosten und einige liegende Hölzer auf. Bei einer sofort eingeleiteten Notbergung traten zahlreiche Holzpfähle zu Tage, die deutliche Bearbeitungsspuren aufwiesen. Eine von April bis August 2009 durchgeführte Ausgrabung durch die Archäologische Denkmalpflege, Außenstelle Marburg, konnte die Substruktion einer hölzernen Brücke über eine Länge von rund 22 Metern freilegen. Diese besteht aus Eichenstämmen, die mit langen, sorgfältig zugerichteten Spitzen in den Boden gerammt worden sind. Auch mehrere aus gespaltenen Halbstämmen und Spaltbohlen gearbeitete Konstruktionshölzer wurden geborgen. Eine erste Datierung zweier Pfosten (Fällzeit zwischen 269-244 v. Chr.) spricht für eine Erbauung bzw. Erneuerung der Brücke in der Mittellatènezeit. Die damaligen Bewohner des Ohmtals konnten auf dem hölzernen Steg trockenen Fußes eine der holozänen Flussrinnen, wahrscheinlich der heutigen Wohra, überqueren. Überdeckt von gut 2 Metern Auelehm haben sich im Feuchtboden viele organische Reste hervorragend erhalten. Neben bearbeiteten Hölzern und ihren Zurichtungsabfällen fanden sich in den Flussbettablagerungen auch kleinere Holzobjekte, ebenso wie z. T. bearbeitete Tierknochen und Zähne von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen. Auch pflanzliche Reste wie Früchte, Samen, Blattreste und zahllose Pflanzenstängel haben sich in hoher Artenvielzahl und in überwiegend unverkohltem Zustand erhalten.

Wagons and Chariots in Iron-Age Cultures of the Iberian Peninsula.

von Dirk Paul Mielke, Mariano Torres Ortiz und Ester López Rosendo

Not only in Iron Age Europe, but also in the contemporary cultures of the Iberian Peninsula an intensive use of wagons and chariots as transport, war, and prestige vehicles can be observed.
In contrast to most European regions, on the Iberian Peninsula direct evidence of wagons and chariots is rare. Instead, a rich figurative tradition informs us about the specific use and significance of the vehicles. In the contribution an overview of the sources and the state of research as well as an interpretation will be given.

Verkehrswege und Kommunikationsachsen der älteren Eisenzeit in Südwestdeutschland.

von Oliver Nakoinz

Wegesysteme lassen sich auf unterschiedlichen Skalenniveaus betrachten. Hoch auflösende Analysen modellieren Wegeverläufe auf der Basis des Reliefs. Im mittleren Skalenniveau erlaubt die Fundstellenverteilung eine Rekonstruktion der Wegeverbindungen. In großflächigen Analysen können Kommunikationsachsen auf der Basis von Interaktionsmodellen ermittelt werden.
Für die möglichst vollständige Rekonstruktion eines Verkehrsnetzes sollten diese drei Ansätze kombiniert werden. Die technischen Werkzeuge sind hierbei die Graphentheorie, die kulturelle Metrik und verschiedene GIS-Techniken. Zunächst wird das Wegesystem auf der Basis der bekannten Fundstellen modelliert. Anschließend wird für die einzelnen Segmente der in Abhängigkeit vom Relief günstigste exakte Wegeverlauf ermittelt. Schließlich erfolgt eine Gewichtung auf der Basis von Interaktionsmodellen.
In Ermangelung einer hinreichenden Anzahl von archäologischen Daten die direkt zwei Fundstellen verbinden, werden die Interaktionsmodelle mit Hilfe einer kulturellen Metrik erarbeitet. Letztere erlaubt es, die Räume eines erhöhten Interaktionsniveaus inklusive ihrer Kommunikationskorridore zu ermitteln.
Das Ergebnis derartiger Analysen ist ein Modell des Verkehrssystems der älteren Eisenzeit. Die Erarbeitung eines solchen Modells und das Ergebnis werden anhand regionaler Beispiele dargestellt.

Die Siedlungsgrabungen auf dem Martberg an der Mosel 2008 und 2009.

von Claudia Nickel

Das DFG-Langfristvorhaben hat sich nach den abgeschlossenen Untersuchungen des Heiligtums in den letzten Jahren der Erforschung einzelner Siedlungsbereiche zugewendet. Feldfunde und geomagnetische Prospektion im Vorfeld wurden zur Auswahl der Flächen herangezogen, die in verschiedener Entfernung zum zentralen Tempelareal liegen. 2008 und 2009 wurden mehrere Bereiche auf dem sogenannten Männleinfeld (nach den zahlreichen Münzfunden auf den dortigen Äckern) untersucht. Es konnten unterschiedlich dicht bebaute Bereiche festgestellt werden, mit und ohne Überlagerung verschiedener Phasen. Das reichhaltige Fundmaterial lässt Rückschlüsse auf Handwerk zu, es gibt ebenfalls Hinweise auf Handelsbeziehungen. Die Datierung reicht von der Blütezeit des Oppidums bis an den Anfang der römischen Zeit; danach endete die "normale" Besiedlung auf dem Martberg bzw. verlagerte sich ins Tal (vicus Cardena), während die Tempelanlage noch mehrere Jahrhunderte lang aufgesucht wurde.

Kaptol - a centre on the periphery of the Hallstatt world.

von Hrvoje Potrebica

Kaptol became famous in the 1970s after the discovery of two princely graves with the northernmost finds of Greek helmets in Europe and consequently gave name to the southernmost cultural group of the Eastern Hallstatt Circle. Thirty years after, another research project aiming at the same area resulted in the discovery of a second tumuli necropolis in the immediate vicinity of the large hillfort settlement. Almost ten years of excavations in that area brought to light many important contexts such as a double princely grave and monumental burial chambers sometimes with large dromos. Finds from those graves, especially prestigious goods, established Kaptol as the most important centre providing a link between the Balkans and the Aegean in the south, and the Hallstatt world in Central Europe. It also lies on a very important ancient route linking the Alpine and the Danubian areas. Kaptol is furthermost a point of distribution for many specific types of weapons, pottery and other objects, but it is probably even more important as the place of cultural transfer between major cultural zones in the Early Iron Age of Europe.

Die Neuauswertung der Fundstelle La Tène: ein Projekt des Schweizerischen Nationalfonds.

von Gianna Reginelli Servais und Gilbert Kaenel

Der Schweizerische Nationalfonds (FNS) finanziert seit 2007 ein Forschungsprojekt mit dem Titel: "Die Fundstelle La Tène (Marin-Épagnier NE) im Zusammenhang mit der Forschung der jüngeren Eisenzeit in Europa. Neubewertung des Dokumentationbestandes und räumlich-stratigraphische Analyse". Ziel des Projektes ist es, den namengebenden Fundort der jüngeren Eisenzeit neu auszuwerten. Die Neubewertung des Referenzkorpus, der zahlreiche Funde und Dokumente von großer Qualität umfasst, war seit langem ein Wunsch der Forschungsgemeinschaft, da seit der Studie von J.-M. de Navarro (1972) über die Schwerter und Schwertscheiden keine größere Untersuchung über La Tène mehr erschienen ist.
Der Vortrag wird die Entstehung des Projektes erklären, das durch die neuen Ausgrabungen im Jahr 2003 und die Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Entdeckung des Fundortes (2007) neue Anstöße erhielt. Die Vorgehensweise besteht aus einer Neuauswertung der Funde, wobei nicht nur ihr topographischer und sedimentärer Kontext berücksichtigt wird, sondern auch die gegenwärtigen Kenntnisse über die Eisenzeit, die dank neuen dendrochronologischen und stratigraphischen Datierungen heute feiner abgestuft ist.
Mehrere Doktoranden und Forscher haben an der ersten Projektphase (2007-2009) mitgearbeitet. Als erstes wurde eine weltweite Umfrage eingeleitet, um eine Bestandsaufnahme der in La Tène entdeckten und heute in der ganzen Welt verstreuten Objekte zu machen. Die Daten - Gegenstände, Archivdokumente und Bibliographien - werden zurzeit in einer Datenbank gesammelt, die am Ende des Projektes der Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden wird. Zudem werden dank der internationalen Zusammenarbeit zwischen mehreren Museen die wichtigsten Sammlungen neu untersucht und veröffentlicht.
Die ersten Ergebnisse des Projektes zeigen die Rolle des Fundortes La Tène für die Geschichte der Disziplin auf. Die Analyse der Verstreuung der Funde veranschaulicht das Gelehrtennetzwerk, in welchem diese am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts ausgetauscht wurden. Es konnten verschiedene Arten von Austauschmodalitäten nachgewiesen werden, die auf beispielhafte Weise zeigen, wie die Wissenschaft der Vorgeschichte anfangs funktionierte. Die Fundstelle La Tène spielte dabei eine zentrale Rolle für die Konstruktion der Chronologien. Aber welchen Stellenwert nimmt die Fundstelle La Tène heute ein, und welche morgen?

Zur Geschwindigkeit auf eisenzeitlichen Wegen.

von Vladimír Salac

Die Wege stellten in der Eisenzeit einen festen und wichtigen Bestandteil der wirtschaftlichen Grundlage der Gesellschaft dar. Sie spielten ja auch eine wichtige Rolle unter dem Gesichtspunkt der Kontakte zwischen einzelnen Regionen, Stämmen usw. Die Wege erfüllten sicher eine wichtige Rolle bei der Organisation der Besiedlung und Gesellschaft, z. B. bei der Bildung des Verteidigungs- oder Kommunikationssystems. Aus diesen Gründen ist in der letzten Zeit den Wegen die entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet worden. Einige Aspekte des Wegeverkehrs blieben jedoch unbeachtet. Einer davon ist die Geschwindigkeit, mit der Menschen aber auch Waren auf den Land- und Wasserwegen damals vorwärts kommen konnten. Von diesem Faktor sind dabei viele interessante und wichtige Bedingungen abhängig, die das Leben auf den Wegen und demzufolge auch in der ganzen Gesellschaft beeinflussten. Der Schlüssel zu einigen archäologisch klärbaren Erscheinungen (z. B. Entfernung und Lokalisierung von Siedlungen längs der Wege, Verteilung von Zentralsiedlungen in der Landschaft) liegt wahrscheinlich gerade in der Geschwindigkeit, die damals erreicht wurde.

Holzbrücke und Steinstraße - Archäologische Befunde zum späthallstatt-/ frühlatènezeitlichen Wegebau auf der Südlichen Frankenalb.

von Markus Schußmann

Als natürliche Barriere liegt die Südliche Frankenalb zwischen dem Altsiedelland an der Donau und den verschiedenen Siedlungslandschaften Frankens. Ihre tief eingeschnittenen Täler boten jedoch schon dem prähistorischen Menschen ein vorgezeichnetes Routennetz an, um dieses Hindernis auf vergleichsweise einfache Art zu überwinden und eine Anbindung an die Donau-Verkehrsachse zu finden.
Spätestens seit der späten Urnenfelderzeit wurden die Täler nachweislich auch mit Wagen befahren und in der späten Hallstattzeit zumindest einige Abschnitte auch künstlich befestigt. In den vernässten Auen des Schwarzach- und Anlautertales entstand ein künstlich mit Steinen befestigter Weg, der auch mehrere Abzweigungen auf die Albhochfläche besaß.
Schon zuvor hatte sich an verschiedenen neuralgischen Punkten in den Talknoten eine Elite niedergelassen, die sich durch Palisadengehöfte oder Rechteckhöfe von der übrigen Bevölkerung architektonisch absetzte. Obwohl diese Anlagen noch vor dem Ende der Hallstattzeit aufgegeben worden sind, sprechen einige Indizien für die weitere Nutzung der "Steintrasse" bis in die Frühlatènezeit hinein.
Im Wellheimer Trockental, einer neben dem Schwarzachtal weiteren wichtigen Nord-Süd-Verbindung, wurde hingegen ein sehr stark versumpfter Talgrund durch eine technisch ausgeklügelte, hölzerne Brücke überquerbar gemacht. Dieses Bauwerk wurde sicher bis in die frühe Latènezeit hinein genutzt bzw. erneuert und auch hier wurde diese verkehrstrategisch wichtige Position durch eine kleine Höhenbefestigung gesichert.

Fremde Sitten - fremde Frauen? Neue Überlegungen zur Sitte der Münzbeigabe in latènezeitlichen Gräbern Mitteleuropas.

von Julian Spohn

Von den oftmals recht uniform ausgestatteten Bestattungen der Mittel- und Spätlatènezeit im Raum nördlich der Alpen weichen einige Gräber ab, die aufgrund ihrer Architektur oder Beigaben als "Sonderbestattungen" angesprochen werden. Zu den ungewöhnlichsten Vertretern dieser Gruppe zählen mehrere Bestattungen meist erwachsener Frauen, denen - neben teilweise umfangreicheren Objektensembles - Münzen beigegeben wurden. Auffällige Konzentrationen dieser so herausgehobenen Gräber finden sich in Südwestdeutschland mit dem nördlich angrenzenden Mittelgebirgsraum und in der Schweiz. Bis heute werden in den beigegebenen Münzen - analog zu mediterranem Totenbrauchtum - häufig pauschal Totenobole und somit die Übernahme eines fremden Ritus im Zuge einer "Mediterranisierung" gesehen. Als Träger dieser Beigabensitte wird meist eine sozial gehobene Gruppe vermutet, aber teilweise auch eine fremde Herkunft der Bestatteten erwogen.
Seit der grundlegenden Arbeit von H. Polenz, der sich 1982 erstmals umfassend mit "Münzen in latènezeitlichen Gräbern Mitteuropas zwischen 300 und 50 vor Christi Geburt" auseinandersetzte (H. Polenz, Münzen in latènezeitlichen Gräbern Mitteleuropas aus der Zeit zwischen 300 und 50 v. Chr. Geburt. Bayer. Vorgeschbl. 47, 1982, 27-222), hat sich die Zahl münzführender Gräber mehr als verdoppelt, wenngleich diese Beigabe im archäologischen Befund weiterhin äußerst selten bleibt. Die verbesserte Quellenlage bietet Anlass, die Münzbeigabe in latènezeitlichen Bestattungen einer erneuten kritischen Analyse zu unterziehen. Dabei zeichnet sich ab, dass aufgrund der zu konstatierenden Variabilität der Qualität und der Quantität der hierfür verwendeten Münzen sowie der Beigabeweise und der Bindung an ein bestimmtes Geschlecht eine generalisierende monofunktionale Interpretation zu kurz greift. Daher sind weitere Deutungsmöglichkeiten der hinter der Münzbeigabe stehenden rituellen Inszenierung zu suchen. Unter Einbindung des generellen Fundkontextes und besonders der jeweiligen Fundvergesellschaftung ergeben sich hieraus auch neue Erkenntnisse zur sozial- und kulturgeschichtlichen Bewertung der münzführenden Gräber. Darauf basierend ist zu hinterfragen, ob und in welchem Maße die Sitte der Münzbeigabe nördlich der Alpen einen Ideentransfer aus dem mediterranen Raum erkennen lässt, auf welchen Wegen dieser verlief und auf welche Zielgruppe er gerichtet war.

Die Heuneburg-Vorburg im Spiegel früheisenzeitlicher Zentralisierungsprozesse. Ein Beitrag aus dem Schwerpunktprogramm 1171 der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

von Gerd Stegmaier

Der frühkeltische "Fürstensitz" Heuneburg und sein von archäologischen Denkmälern geprägtes Umland nehmen bereits seit langer Zeit eine wichtige Stellung bei der Erforschung hallstattzeitlicher Siedlungslandschaften ein. Dementsprechend wurden auch im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 1171 "Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse" zwei Projekte im unmittelbaren Umfeld der Heuneburg bei Hundersingen (Kr. Sigmaringen) gefördert.
Eines dieser Projekte beschäftigt sich mit der sogenannten "Heuneburg-Vorburg", einer Befestigungsanlage im Vorfeld der eigentlichen Höhensiedlung. Vor allem die Grabungen der Jahre 2000-2003 erbrachten hier wichtige Ergebnisse zur Frage der Entstehung und Datierung dieses bis dahin weitgehend unbeachteten Siedlungsareals.
Mit der chronologischen Einordnung der im Gelände noch sichtbaren Wallanlage in die frühe Eisenzeit ergab sich fortan ein neuer Blick auf das Erscheinungsbild und die Struktur des späthallstattzeitlichen "Fürstensitzes". Im Zusammenspiel mit den in den vergangenen Jahren durchgeführten Untersuchungen zeigt sich das Vorburgareal heute als Siedlungsplatz einer wohl privilegierten Bevölkerungsgruppe, die sich hier zur Zeit der Lehmziegelmauer niedergelassen und architektonisch verwirklicht hat. Hierfür spricht nicht nur der Nachweis eines exzeptionellen Kammertores mit Steinfundament, sondern auch der bis zu 5 m hohe Wall und der rund 7 m tiefe Befestigungsgraben. Die architektonischen Hinterlassenschaften der Heuneburg-Vorburg zeugen dabei von einem klaren Anspruch auf Macht und Prestige im Kontext eines sich rasch entwickelnden Zentralortes der frühen Eisenzeit.

Ein latènezeitlicher Durchgangsbau als architektonischer Fernimport in Michelstetten (Niederösterreich).

von Peter Trebsche

Das Niederösterreichische Landesmuseum für Urgeschichte führte in den Jahren 1994 bis 1999 archäologische Rettungsgrabungen in der Katastralgemeinde Michelstetten, Verwaltungsbezirk Mistelbach, Niederösterreich durch. Den bemerkenswertesten Baubefund der Latènezeit stellt ein Wandgräbchenbau mit zentraler Vierpfostenstellung und Doppelpfostenstellungen an der nördlichen und südlichen Wand dar. Dabei handelt es sich um den östlichsten Vertreter eines Bautypus, der bislang vor allem aus Süddeutschland und Ostfrankreich bekannt ist. Da die zentrale Vierpfostenstellung keine eigenen Wände besaß, ist die Bezeichnung "Umgangsbau" m. E. nicht zutreffend; vielmehr sollte von einem "Durchgangsbau" gesprochen werden, wodurch die Charakteristik des Gebäudes mit zwei gegenüberliegenden Eingängen zum Ausdruck gebracht wird. Hinsichtlich der Funktion deutete zuletzt P. Donat die Wandgräbchenbauten mit zentraler Vierpfostenstellung als Kultbauten, wofür im Fall von Michelstetten auch die zentrale Lage an der Siedlungsachse spricht.
Hinsichtlich der Siedlungsstruktur zeigt die Analyse der Gebäudeorientierungen, der Abstände sowie der Bautypen, dass die latènezeitliche Siedlung von Michelstetten nach bestimmten Regeln planmäßig angelegt wurde. In erster Linie folgte die Binnengliederung einer zentralen Ost-West-Achse, an welcher der bereits erwähnte "Durchgangsbau" lag.
Obwohl es sich um eine relativ kleine Siedlung handelt (die ergrabene Siedlungsfläche macht nur etwa 0,4 ha aus), die auch keinerlei Befestigungsanlagen aufwies, sticht Michelstetten durch eine große Menge qualitätvollen Fundgutes (Fibeln, Glas, Importkeramik) sowie zahlreiche Belege für Metallhandwerk, darunter auch für Münzherstellung, hervor. Zusätzlich erstaunen die planmäßige Siedlungsanlage und der architektonische "Fernimport" in Form des Wandgräbchenbaues mit zentraler Vierpfostenstellung.