von Melanie Augstein
Der Dietfurter Talkessel kann mittlerweile als eine der am besten erforschten Siedlungskammern
Süddeutschlands betrachtet werden. Zahlreiche Fundstellen nahezu aller vorgeschichtlichen Perioden
bezeugen die kontinuierliche Besiedlung dieses Raums; insbesondere während der Hallstattzeit ist von
einer hohen Siedlungsdichte auszugehen. Hierfür ist sicherlich auch die verkehrsgünstige Lage mit dem
Zusammenschluss mehrerer Täler verantwortlich, die wiederum den Kleinraum in eine viel größere
Siedellandschaft einbanden.
Bereits seit den 1960er bzw. 1980er Jahren sind aus Dietfurt ein großes Gräberfeld der Hallstattzeit
und eine ausgedehnte Siedlung vor allem der Urnenfelder- sowie der Hallstatt- und Frühlatènezeit
bekannt. Schließlich wurden in den Jahren 2002 und 2003 ein weiteres hallstatt- und frühlatènezeitliches
Gräberfeld sowie unmittelbar daran anschließende Siedlungsspuren ausgegraben. Die räumliche Nähe von
Siedlung und Gräberfeld - gewissermaßen dem Ort der Lebenden und der Toten - ist bislang nur in
seltenen Fällen belegt. In Dietfurt liegen also innerhalb einer kleinräumigen geographischen Einheit
mehrere als zeitgleich zu betrachtende Besiedlungselemente - neben den genannten ist ein
hallstattzeitlicher Herrenhof zu erwähnen - vor.
Ziel des Vortrags ist es, das bislang unpublizierte Gräberfeld und die Siedlung kursorisch vorzustellen
und im Kontext der Mikroregion und ihrer ›Bausteine‹ zu verorten. Dabei spielen einerseits Fragen nach
der Rekonstruktion von Sozialstrukturen - sowohl auf der vertikalen als auch auf der horizontalen Ebene
- anhand der Grab- wie auch der Siedlungsbefunde eine Rolle. Andererseits verspricht der vergleichsweise
gute Forschungsstand des Dietfurter Talkessels mit seinen diversen Besiedlungselementen neue
Perspektiven auf die archäologisch zu erschließende räumliche Struktur einer Mikroregion.
von Anna Bauer
Durch Grabfunde und bildliche Darstellungen ist bekannt, dass bei der zweispännigen Anspannung von Pferden,
Pferdeähnlichen und Rindern von Kelten und Römern das Doppeljoch verwendet wurde. Die Einzelanspannung für
römische Rinder kann durch den Brunnenfund aus Pforzheim nachgewiesen werden. Die Einzelanspannung für
keltische Pferde lassen die Funde zwischen dem Großen Moos und dem Neuenburger See vermuten. Darstellungen
von Pferden vermutlich mit Kummet stammen aus dem 1. und 2. Jh. n. Chr., allerdings fehlen bis jetzt alle
Funde welche die Darstellungen belegen.
Obwohl Pferde und Rinder unter dem Joch gingen, kann zwischen einem Pferde- und einem Rinderjoch
unterschieden werden. Ein Rinderdoppeljoch hat keine oder nur schwach ausgeprägte Bögen, da es im
Genickbereich des Rindes aufliegt, auf der Stirn oder vor dem Widerrist. Ein Pferdejoch hat hingegen
einen großen Bogen, um sich dem Brustkorb des Pferdes besser anzupassen.
Bei der Ausnutzung der tierischen Kraft lag das Rind weit vor den Pferdeähnlichen, da die Jochanspannung
der Rinderanatomie entgegenkam. Das Pferd ist dem Rind hinsichtlich der Zeit, die mit ihm gearbeitet werden kann,
überlegen. Das Maultier ist dem Pferd und dem Rind durch Zähigkeit und Kraft überlegen. Pferde und
Pferdeähnliche können im ebenen Gelände etwa das Doppelte ihres Eigengewichtes, bei schwerem Boden
oder großen Höhenunterschieden nur noch das Eigengewicht ziehen. Ochsen ziehen mehr als gleichschwere
Pferde, ihr Nachteil ist ihre Geschwindigkeit. Das Rind unterliegt dem Pferd ebenfalls hinsichtlich der Zeit, die
mit ihm gearbeitet werden kann. Im Vergleich zum Pferd, mit 2200- 2500 Arbeitsstunden, schafft ein
Ochse nur 1500 Arbeitsstunden im Jahr. Die geringere Arbeitsleistung der Rinder erklärt sich dadurch, dass
sie die Arbeit verweigern, wenn es zu heiß ist, ein Problem das sich vor allem während der Erntezeit im
Sommer stellt. Weiters gehören Rinder zu den Wiederkäuern, d. h. sie fressen öfter am Tag als Pferde,
bei gleichhäufiger Fütterung. Das Wiederkäuen erfordert Ruhezeiten wie das Fressen.
von Jan Bouzek
Der "normale" Bernsteinweg entlang der Ostalpen war für eine gewisse Zeit durch die skythischen Einfälle
unterbrochen, deshalb kam es zu einer Kulturblüte dieser Zeit in Böhmen. Die neu publizierten aus kleinen
Sammlungen stammenden Funde von griechischer Keramik aus Spina bieten als Ganzes eine sehr passende
Parallele zu dem, was in Böhmen bisher von dieser "durchschnittlichen" Gattung gefunden wurde
(Wiel-Mariu 2005, vgl. auch Bononi 2004). Die Gegend von Adria und Spina erhielt im 5. Jh. viel mehr
attische Keramik als das toskanische Etrurien, sowohl was die Qualität der Stücke betrifft, als auch
hinsichtlich der Quantität des Imports. Die durch die skythischen Einfälle entstandenen Schwierigkeiten am ostalpinen
Bernsteinweg scheinen also nicht die Beziehungen zum Caput Adriae zu unterbrechen, sondern nur die
Benutzung der sonst weniger günstigen, mehr westlich liegenden Wege über die Alpen zu begünstigen. Dadurch
stieg die Bedeutung der letzteren und schließlich auch der Gegend der Salzkammer und Böhmens. Auch der
alpine Diskus aus Perachora dürfte eher über diesen Weg Korinth erreicht haben als über die Toskana.
Glas kam seit der Urnenfelderzeit aus der Levante, wie dies neue Analysen mehrfach gezeigt
haben. Der Fund eines Aryballos aus Strakonice kam aller Wahrscheinlichkeit nach aus einer phönizischen
Werkstatt im östlichen Mittelmeer. Die meisten Perlen waren wohl Produkte sekundärer Zentren, die
aber von den Phöniziern inspiriert wurden. Diese sekundären Zentren von Glashüttenanlagen befanden sich, wie schon
länger bekannt, im nördlichen Schwarzmeer, im Norden des Adriaraumes, in Etrurien und im
heutigen Spanien. Die Menge der Glasperlen, die neuerdings auch in Slowenien ausgegraben wurden, zeigt
uns noch mehr als früher die Bedeutung dieser Gegend für die Weiterverbreitung hallstatt- und
frühlatènezeitlicher Glasperlen nach Mitteleuropa. Auch die Möglichkeit der Inspiration
frühlatènezeitlicher Maskenfibeln durch phönizische Maskenperlen darf nicht übersehen werden.
Die Neufunde aus Böhmen scheinen zu beweisen, dass die Südimporte in Böhmen nicht nur einem breiteren
Kreis der damaligen Gesellschaft zugutekamen, sondern auch dass Böhmen in dieser Zeit wesentlicher zu den
Anfängen des neuen Latènestils beigetragen hat als früher gedacht wurde.
von Miloslav Chytrácek - Martin Trefny
Attische Keramik ist auf dem Gebiet Böhmens gegenwärtig von sechs späthallstatt- bis frühlatènezeitlichen
Fundorten bekannt, wobei die neuesten Entdeckungen vor allem in der Umgebung Prags im Zuge großflächiger
Abdeckungen für Bauprojekte gemacht wurden. Aus Nordwestböhmen stammen der Fund eines Fragments einer späten
schwarzfigurigen Kylix aus der späthallstattzeitlichen Siedlung in Kadan-Jezerka und die Fragmente von
Keramik mit schwarzer Firnis vom keltischen Adelsgehöft in Drouzkovice aus demselben Zeithorizont, dem
ersten Viertel des 5. Jh. v. Chr. In Mittelböhmen ist diese Keramik durch drei Fragmente mit schwarzer
Firnis aus der späthallstatt- bis frühlatènezeitlichen Siedlung in Tuchomerice vertreten. Aus Prag-Jiviny,
Prag-Pitkovice und Dobrovíz stammen sodann Fragmente rotfiguriger Kylikes aus der Zeit um die Mitte
des 5. Jh. v. Chr.
Funde attischer Keramik aus Nordwest- und Mittelböhmen stellen einen sehr bedeutenden Beleg für den Transfer
von Gütern entlang von Fernhandelswegen oder Korridoren dar. Im Fall der nordwestböhmischen Funde wird eine
Variante der Übermittlung in der Südwestrichtung erwogen, entlang der Eger. Funde rotfiguriger Keramik
in der Umgebung Prags hängen auch mit den Transportwegen über die Alpen zusammen. Diese Annahme
stimmt auch mit der Kulmination von Importen attisch rotfiguriger Produktion in den bedeutenden
norditalienschen Zentren (Spina, Bologna) im zweiten Viertel des 5. Jh. v. Chr. überein, von wo diese
durch die Handelsstationen am Po (Forcello, Bagnolo S. Vito) nach Norden verteilt wurde. Teil dieses
Distributionsstroms sind im Gebiet des Gardasees und im Etschtal neben verschiedenen etruskischen Importen
auch Funde attisch rotfiguriger Keramik. Aus dem Raum der Fritzens-Sanzeno-Kultur durch das Etschtal
setzt sich dieser Weg nach Norden entlang Salzach und Inn fort und reicht über die Donau bis nach Südböhmen.
In Richtung Mittelböhmen wird der Verlauf dann durch bedeutende hallstatt- und frühlatènezeitliche Fundorte
entlang der Flüsse Otava, Litavka, Berounka und Moldau markiert.
Dass Importe attisch rotfiguriger Keramik auch die heimische Keramikproduktion beeinflussten, ist vor
allem durch einige Imitationen rotfiguriger Kylikes, z. B. aus Pilsen-Roudná oder Chrzín erwiesen. Neben
diesen Funden erscheinen im böhmischen hallstatt- und frühlatènezeitlichen Milieu auch weitere
Keramikfunde, wie z. B. eine mit einem Hasen verzierte Schale aus Libkovice, ein Schwan auf einem Gefäß
aus Radovesice oder das Fragment eines scheibengedrehten Gefäßes aus dem Hallstattburgwall in Minice.
Diese Funde, bei denen wir eine südliche, südöstliche oder südwestliche Herkunft bzw. zumindest eine
formale bzw. künstlerische Inspiration aus diesen Gebieten voraussetzen, belegen gleichfalls die Funktion
der Fernhandelswege, durch deren Vermittlung entweder die Artefakte selbst oder die Kenntnis
einzelner Verzierungselemente bzw. Produktionstechnologien hierher gelangten. In diesem Sinne können die
Fernhandelswege neben zahlreichen anderen Aspekten auch als Grundlage eines gegenseitigen Austauschs
exogener Artefakte verstanden werden, genauso wie als Verbindungsweg, durch den es zum Transfer von
Elementen kam, die in der materiellen Kultur weit entfernter Gebiete zur Geltung kamen.
von Fabien Delrieu und Pierre Giraud
Wie im gesamten nichtmediterranen Gallien lässt sich die Besiedlung der befestigten vorgeschichtlichen
Höhensiedlungen der unteren Normandie in drei gut zu trennende Zeitstufen einteilen. Alle derzeit
bekannten vorgeschichtlichen Siedlungen dieses Typs datieren in die mittlere und jüngere
Spätbronzezeit, die Späthallstattzeit (Hallstatt D) oder die Spätlatènezeit.
Innerhalb der ersten beiden genannten Zeitstufen spielt sich diese Besiedlung in zwei, durch
einen deutlichen Hiatus getrennten Etappen ab. Die Siedlungsplätze wurden entweder während der
Spätbronzezeit in den Stufen 2b/3a und im Verlauf der Stufe 3b besiedelt oder aber von der
Späthallstatt- bis zur beginnenden Frülatènezeit (Ha D bis Lt A1). Darüber hinaus scheinen mit
Ausnahme der Siedlung von Merri-"Le Camp de Bierre" diejenigen Orte, die in der ersten Phase
besiedelt wurden, nicht in der zweiten besiedelt zu werden und umgekehrt. Dieser Hiatus von rund
eineinhalb Jahrhunderten vom Ende des 8. Jahrhunderts über fast das gesamte 7. Jahrhundert hinweg
während der Stufe Ha C trifft offenbar auf die meisten der befestigten Höhensiedlungen in Nord-
und Mittelfrankreich zu. Tatsächlich sind die Höhensiedlungen der mittleren und jüngeren
Spätbronzezeit relativ zahlreich und im Norden (Catenoy in der Picardie) und im Nordosten
Frankreichs (beispielsweise der "Hohlandsberg" für die Spätbronzezeit 2b/3a und der "Hexenberg"
für die Spätbronzezeit 3b im Elsass oder "Le Châtelet d'Etaules" in Burgund) nachgewiesen.
Auf den Nordwesten von Frankreich scheint dieses Phänomen ebenso zuzutreffen. Dies gilt auch für
das Ende der Späthallstattzeit, wo die Befestigung bzw. Wiederbefestigung der Höhensiedlungen
innerhalb des Westhallstattkreises mit dem Beginn der sogenannten keltischen Fürstensitze einhergeht.
Der Hiatus innerhalb der Frühallstattzeit lässt sich für das ganze nichtmediterrane Gallien feststellen.
Für die Spätlatènezeit können lediglich fünf befestigte Höhensiedlungen als Oppidum angesprochen werden.
Die offenen Siedlungen dieser Zeitstufe fehlen bislang in der unteren Normandie, allerdings könnte dies
dem derzeitigen schlechten Forschungsstand geschuldet sein. Im nördlichen Gallien ist diese Siedlungsform
gut nachgewiesen (zum Beispiel die Siedlungen von Villeneuve-Saint-Germain oder Acy-Romance), ebenso wie
im Westen Galliens (Quimper in der Bretagne als aktuelles Beispiel). Die oben erwähnte regionale
Forschungslücke könnte mit der Wiederaufnahme der Forschungen in der Siedlung "Castellier" bei
Saint-Désir-de-Lisieux geschlossen werden. Die aktuellen Grabungen im Wall dieses Oppidums greifen die
Problematik der befestigten spätlatènezeitlichen Höhensiedlungen erneut auf, die seit den Ausgrabungen
von Mortimer Wheeler auf dem "Petit Ceylan" vernachlässigt worden sind.
Die Funktion der vorgeschichtlichen befestigten Höhensiedlungen im Nordwesten Frankreichs zu deuten,
bleibt schwierig. Dies liegt zum einen an den Schwächen der verfügbaren Dokumentation, aber auch an der
Schwierigkeit, die Siedlungsorganisation innerhalb einer Landschaft zu verstehen, in der die offenen
Siedlungen in den Ebenen bisher kaum archäologisch nachgewiesen sind. Die bekannten Daten, überwiegend
alte Grabungsdokumentationen, konnten mit Hilfe eines 2005 ins Leben gerufenen Forschungsprogramms
aufgearbeitet werden. Die chronologischen Phasen von Besiedlung und Auflassung der befestigten
Höhensiedlungen wurden weitgehend geklärt und es ist nunmehr leichter möglich, die Dynamik, die zur
Entstehung dieser Ansiedlungen entlang der Kanalküste geführt hat, zu verstehen.
von Daniela Euler
Bereits seit dem Lesefund einer attischen schwarz gefirnisten Scherbe in den 1960er Jahren wurde für den
Ipf bei Bopfingen am Westrand des Nördlinger Rieses die Zugehörigkeit zum Kreis der frühkeltischen
Fürstensitze vermutet. In den Jahren 2004 bis 2008 wurden im Rahmen des Schwerpunktprogramms der Deutschen
Forschungsgemeinschaft "Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse - Zur Genese und Entwicklung
frühkeltischer Fürstensitze und ihres territorialen Umlandes" gezielte archäologische Ausgrabungen auf dem
Plateau und der Unterburg des Ipfs sowie in seinem Umfeld vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg
und der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführt. Im Vortrag werden die spannenden Funde und Befunde aus
den Ausgrabungen vorgestellt, unter anderem mediterrane Importkeramik sowie ungewöhnliche
Bebauungsstrukturen und imposante Befestigungsanlagen, um auf dieser Grundlage eine chronologische und
funktionale Einordnung des Ipfs in das Siedlungsgefüge des Nördlinger Rieses während der Bronze- und
Eisenzeit vorzunehmen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Genese und Entwicklung des Fürstensitzes
im Zusammenhang mit möglichen Zentralisierungsprozessen.
von Florian Hauser
L. Pauli hatte 1993 in seiner Monografie zum Fürstensitz Breisach mehrere Karten mit hallstattzeitlichen
Fernwegen zwischen Fürstensitzkreis und Mittelmeerraum publiziert, die in der Vergangenheit wiederholt als
Basis weiterer Interpretation aufgegriffen wurden (Parzinger, Goldberg; Parzinger et al., Bycí Skála-Höhle)
und zum Teil durch weitere Fernwege ergänzt wurden (Stöllner, Inn-Salzach-Raum).
Der Vortrag wird dieses Bild anhand neu entdeckter Funde und Fundstellen aus dem bayerischen Voralpenland
neu beleuchten. Den Ausgangspunkt dazu bildet der eisenzeitliche Fundplatz Nußdorf im Chiemgau, für den sich
durch die herausragenden Funde einer massaliotischen Silbermünze und eines silbernen Fingerrings mit
Inschrift, sowie mehrerer alpiner und italischer Fibeln die Lage an einem Fernweg dieser Zeit erschließen
lässt.
von Andreas Hüser
Aktuelle Ausgrabungen im Zuge der ICE-Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig haben bei Wennungen im
Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt eine ausgedehnte Siedlung auf einem in das Unstruttal reichenden
Geländesporn belegt. Dieses seit dem Spätneolithikum besiedelte Gelände war zur Unstrut hin mit drei
Doppelgrabensystemen abgeriegelt, die wie auch das Fundmaterial in den Übergang von der Spätbronzezeit
bis weit in die ältere Eisenzeit (Ha D) datieren. Zahlreiche Spuren - etwa Tierhaltung, Textilproduktion,
Salzsiederei oder Bronze-, Holz- und Geweihverarbeitung - zeigen ein umfangreiches und facettenreiches
Tätigkeitsfeld innerhalb der Siedlung, das ohne Handelskontakte sowohl zum näheren Umfeld als auch zu
weiter entfernten Handelspartnern in dieser Form nicht zu erwarten ist.
Ein bemerkenswerter Befund wird Hauptbestandteil des Vortrages sein: Das wohl als Hauptzugang zur
Siedlung anzusprechende Tor im zweiten Doppelgrabensystem weist im inneren Graben einen Durchlass auf,
der vorgelagerte äußere Graben hingegen lässt Spuren einer Brückenkonstruktion erkennen. Pfostenspuren
deuten möglicherweise auf ein Torhaus hin. Der Graben selbst hat unmittelbar im Torbereich zudem als
Wassergraben fungiert, wie deutliche Ablagerungen zeigen.
Vor dem Hintergrund des Themas "Wege" der Tagung soll dieser bedeutsame Befund als Teil der Wegeplanung
im Zusammenhang mit der Siedlung diskutiert werden. Aber auch zum Unstruttal ist ein deutlicher Bezug
vorhanden. Das aus topographischen und naturräumlichen Gründen als Verkehrs- und Handelsweg begünstigte
Tal wurde bereits seit Jahrtausenden entsprechend genutzt.
von Jutta Kneisel
Am Beispiel der Pommerschen Kultur in Nordpolen werden Nah- und Fernhandelskontakte zwischen Ostsee und
Hallstattraum aufgezeigt.
Nahkontakte zeigen sich bei der Analyse tönerner Deckel anthropomorpher Urnen aus der Pommerschen Kultur.
Die Deckel treten häufig zusammen mit Gesichtsurnen auf und sind mit komplexen Mustern verziert. Diese
Ornamente ermöglichen eine sehr feine Differenzierung nach Verzierungsarten, Stil und Form. GIS-Analysen
erbrachten, im Gegensatz zu den erwarteten lockeren Fundakkumulationen, gerichtete Austauschwege, die von
der Ostseeküste bis nach Süden an die Flüsse Warthe und Netze reichen. Dieser Befund ist umso erstaunlicher,
als sich neben diesen linearen Kommunikationswegen zahlreiche Gräberfelder finden, deren Verzierung
der Deckel jedoch eine andere ist.
Im Gegensatz zu den sehr regionalen Ornamenten der Deckel, dient der Rohstoff Bernstein als Beispiel für
Fernkontakte. Bernstein findet sich zwar innerhalb der Pommerschen Kultur selten, jedoch deutet die
weiter südlich gelegene, befestigte Siedlung von Komorowo auf ein Zentrum der Bernsteinverarbeitung
hin. Große Mengen an Rohbernstein und einige Halbfertigprodukte belegen dies. Das dazugehörige
Gräberfeld von Gorzcewice, mit dem nördlichsten Hallstattimport Polens, weist auf Verbindungen zum
Hallstattkreis hin. Es ist davon auszugehen, dass von dieser Siedlung die Verhandlung des Bernsteins
nach Süden - vermutlich bis nach Italien - erfolgte.
von Thomas Knopf
Der sogenannte Magdalenenberg am Schwarzwaldrand bei Villingen ist einer der größten hallstattzeitlichen
Grabhügel Mitteleuropas. Der Hügel wurde in den frühen 70er Jahren vollständig ausgegraben und
insbesondere die weit über 100 Nachbestattungen sind seitdem Gegenstand zahlreicher Analysen.
Aus dem Umland sind eine Reihe weiterer kleinerer Grabhügel bzw. Hügelgruppen, jedoch praktisch
keine Siedlungsplätze bekannt. Einzige Ausnahme ist die rund vier Kilometer entfernte, bereits
im Schwarzwald liegende Höhensiedlung "Kapf", die 1959 durch Sondagegrabungen untersucht wurde.
Nicht zuletzt mangels weiterer Siedlungen wurde der Kapf als die zum Magdalenenberg gehörige
Siedlung betrachtet. Ein neues Projekt (ab 2010), das hier vorgestellt werden soll, wird nun die
bisher völlig unbekannte Siedlungslandschaft im Umland des Großgrabhügels erforschen. Ziel ist
es, die Siedlungsdynamik und ihre sozioökonomischen Grundlagen in dieser naturräumlich eher
suboptimalen Landschaft der westlichen Baar zu erschließen. Dazu sollen auch bodenkundliche und
pollenanalytische Untersuchungen zur Landschaftsgeschichte bzw. zu Ausgriffen in den Schwarzwald
erfolgen. Es existieren bereits erste Anzeichen für eine eisenzeitliche Landnutzung im Schwarzwald.
Zu untersuchen ist auch die im Fundgut praktisch nicht belegte These des Eisenerzabbaus, die zur
Fiktion eines "Eisenherrn" im Zentralgrab des Magdalenenbergs geführt hat.
von Michael Landolt und Felix Fleischer
Der Fundplatz Entzheim-Geispolsheim liegt rund 10 km südlich von Straßburg im Tal der Bruche. Im Vorfeld der
Bauarbeiten für ein neues Gewerbegebiet zwischen den Dörfern Entzheim und Geispolsheim wurden zwischen 2006
und 2009 in mehreren Prospektions- und Ausgrabungskampagnen rund 23 ha Fläche archäologisch untersucht und
7 ha ausgegraben.
Der siedlungsgünstige Platz am alten Ufer der Bruche wird seit dem Neolithikum genutzt. Über 280
Siedlungsbefunde und Gräber decken chronologisch das Früh- (Bandkeramik), Mittel- (Großgartach,
Bischheim) und Jungneolithikum (Michelsberg, Munzingen) ab. Aus der Spätbronzezeit sind rund 50 Befunde
nachgewiesen. Nach einer intensiven Besiedlung in der frühen Eisenzeit wird erst wieder in
gallo-römischer Zeit eine kleine Ansiedlung angelegt, später ein merowingerzeitlicher Weiler mit kleinem
angegliedertem Friedhof. Einzelne Befunde belegen eine sporadische Nutzung im Hochmittelalter. Im
Verlauf des Ersten Weltkrieges gerät der ehemalige Siedlungsplatz buchstäblich in die Frontlinie, von
der umfangreiche Bunkeranlagen erhalten sind.
Der Schwerpunkt der vorgeschichtlichen Besiedlung von Entzheim-Geispolsheim liegt in der Hallstatt-
und Frühlatènezeit (Ha C bis Lt B). Aus der Hallstattzeit und dem Übergang nach Latène A stammen
rund 220 Befunde, darunter mehrheitlich Siedungsgruben. Den größten Anteil unter den eisenzeitlichen
Strukturen nehmen die Siedlungsreste aus der Frühlatènezeit ein. Die über 250 Befunde, darunter
Abfall- und Vorratsgruben sowie sechs Grubenhäuser, erstreckten sich über mehrere Hektar. Die
frühlatènezeitliche Siedlung ist aktuell der größte gegrabene Fundplatz aus dieser Zeit im Elsass.
Mit Hilfe des reichen Fundmaterials, darunter große Keramikensembles mit Fibelbeifunden, können nunmehr
einige typo-chronologische Lücken in der späthallstatt- und frühlatènezeitlichen regionalen Keramikforschung
geschlossen und neue Erkenntnisse zur Chronologie insgesamt gewonnen werden. Dies betrifft insbesondere
die aktuellen Forschungen zum Erscheinen der Drehscheibenkeramik am Ende der Hallstattzeit und ihrer
Verbreitung in der Frühlatènezeit. Innerhalb des gesamten Fundplatzes lassen sich deutliche
Siedlungsverlagerungen sowohl im Verlauf der unterschiedlichen Zeitepochen als auch innerhalb einzelner
Siedlungsperioden nachweisen. Die während der Ausgrabungen systematisch entnommenen botanischen,
zoologischen und geologischen Proben erlauben die Verknüpfung von archäologischen und naturwissenschaftlichen
Daten und geben Hinweise auf die Lebensumstände der damaligen Zeit. Herausragende Quellen hierzu sind
die zahlreichen Vorratsgruben (Silos), die häufig nochmals sekundär für Menschen- und Tierbestattungen
genutzt wurden.
Die eisenzeitlichen Befunde und Funde zwischen den heutigen Dörfern Entzheim und Geispolsheim zeigen
den herausragenden Charakter der vorgeschichtlichen Siedlungslandschaft am ehemaligen Ufer der Bruche
und geben Hinweise auf die dynamischen Prozesse während ihrer Besiedlung. Dem Fundplatz kommt in
Hinblick auf die aktuellen Forschungen zur Chronologie und Siedlungskeramik überregionale Bedeutung zu.
Literatur:
M. Landolt, Entzheim. In der Klamm. Un habitat du Ve siècle avant J.-C. In: B. Schnitzler (Hrsg.),
10 000 ans d'histoire! Dix ans de fouilles archéologiques en Alsace, Ausstellungskatalog Musées de
Strasbourg, Strasbourg (Strasbourg 2009) 72-75.
M. Landolt/D. Bouquin/M. van Es/O. Putelat/C. Schaal/N. Schneider, Les occupations
hallstattiennes et de la Tène ancienne d'Entzheim "In der Klamm" et de Geispolsheim "Schwobenfeld"
(Bas-Rhin). Bull. Assoc. Française de l'Étude de l'âge du Fer 23, 2008, 33-36.
M. Landolt/M. van Es/O. Putelat/D. Bouquin/C. Schaal/E. Boes, unter Mitarbeit von E.
Bacchharetti/D. Bevilacqua/I. Dechanez-Clerc, Entzheim-Geispolsheim (Alsace, Bas-Rhin),
Aéroparc (Lidl-CUS), volume 3: Les occupations protohistoriques. Rapport Final d'Opération de
fouille, dactylographié, PAIR, SRA Alsace (Sélestat-Strasbourg 2007).
von Marija Ljustina
Being not very exciting to look at, rotary querns (mola versatilis) have not attracted much attention
of La Tène researchers of the Serbo-Croat part of the Danube basin. The territory was, roughly
speaking, occupied by the Scordisci - the mixed Celtic tribes, who according to Strabo "were mingled
with the Thracians and Illyrians". The new type of quern, in which the food was processed by means of
rotational movement, had not been introduced to the central Balkanic autochtonous populations until
the Celtic arrival. The regions which had direct contact with Greek colonies were the only exception.
The main aim of the study is to trace material confirmation of the rotary quern technology on
archaeological sites belonging to the Scordisci. According to formal analogies with querns
from the original Celtic lands, it is likely that the innovation in food technology was brought to
south Pannonia and the northern part of the central Balkans along with many other innovations in
material culture and everyday practice. In the case of stone mills, at that time certainly a progressive
element of household effects, one may expect transfer of the idea, final products being quite inconvenient
for transport. On the other hand, location of quarries from which the rough material was taken down can
suggest other routes, not necessarily the same as the ones linked to the introduction of the innovation
in food technology.
It can be expected that the Scordisci kept a bigger part of the ancient Celtic nutrition habits, since the
archeological material bears witness to a common development of material culture during the La Tène
period over the entire area occupied by the Celts. Since we lack thorough archaeobotanical analysis
of plant remains from the sites of the Scordisci, conclusions about what types of grains and
other sorts of food could have been processed in the rotary querns, must be taken reservedly.
von Thierry Lorho, François Malrain und Geertrui Blancquaert
As one of the missions of the French national institute of preventive archaeological research (INRAP)
focuses on collective and inter institutional research projects, the authors of this paper would like to
present the one dealing with Second Iron Age rural settlements, their organization and evolution.
Known from aerial photography, but explored by hundreds of excavations occasioned by preventive archaeology,
it became evident that the amount of information needed to be collected homogeneously and on a national
level to assure that the study of the data proffers new thematic and scientific perspectives. From that
point of view, a filemaker data banc has been created concentrating on both general topics and details
concerning spatial organization of the open and enclosed settlements, a wide range of archaeological
material, as well as the palaeo-environmental analysis undertaken and the administrative constituents.
These major themes are brought together in two files and linked to GIS.
The data banc has been compiled during three years (2006-2008). The recorded information has been selected
following some major criteria such as excavations undertaken the last 30 years and results provided by
intensified trial trenching. The chronological bracket is from 550 to 10 B. C. Almost 600 sites and about
1000 "phases" are recorded.
The data banc allows a lot of application possibilities covering a whole range of scientific subject
matters such as: settlement functions, ranking, rhythm of creation and abandonment, territorial
organization... But the heterogeneous information registered in a standardized way also allows a
critical analysis by today's detection and excavation methods.
von Piotr Luczkiewicz
In der jüngeren vorrömischen Eisenzeit registriert man in ostgermanischen Fundlandschaften, d.h. im
Bereich der Przeworsk- und Oksywie-Kultur, einen starken Zufluss fremder Erzeugnisse. Höchstinteressant
stellt sich in diesem Zusammenhang das Problem der Verbreitungsmechanismen dar, die hinter dem Zustrom
fremder Güter standen.
Im Austausch mit der Kéltike war sicherlich der Fernhandel und die sog. Bernsteinstraße von großer
Bedeutung. Sie verbindet das Caput Adriae mit der südlichen Ostseeküste: mit der Weichselmündung in
der Danziger Bucht und mit dem Samland. Bezeichnenderweise gruppieren sich zahlreiche Importe in
Polen entlang dieser Route: Niederschlesien - entlang der Warta und Prosna - Kujawien - Unterweichselgebiet.
In der ausgehenden vorrömischen Eisenzeit gewann der sog. östliche Abzweig des Bernsteinweges stark an
Bedeutung, der über die slowakische Púchov-Kultur und die Tyniec-Gruppe in Südpolen führt, wo
dakische und donauländische Einflüsse zusammentreffen, und danach weiter über die östlichen Gebiete der
Przeworsk-Kultur.
Die Tyniec-Gruppe, die ein Konglomerat von keltischer und germanischer Bevölkerung darstellt, galt als
Vermittler- und Distributionszentrum für zahlreiche fremde Güter und Einflüsse. Einige ihrer Siedlungen
könnte man sogar - ein wenig übertrieben - als port of trade bezeichnen.
Wie sah aber dieser Handel aus? War es wirklich ein Fernhandel (wie etwa in Gallien), der von
professionellen Kaufleuten betrieben wurde? Waren dabei keltische oder sogar auch germanische Händler
beteiligt? Oder handelte es sich vielleicht eher um Zwischenhandel von einem Distributionszentrum zum
anderen, wo die Güter mit politischer Absicht und sozialer Macht weiter verteilt wurden?
Die Austauschprozesse in der vorrömischen Eisenzeit waren jedoch sicherlich nicht nur auf den Handel
und Tauschbeziehungen beschränkt; viel plausibel scheint die Möglichkeit, dass es sich hier um
personengebundene Prozesse gehandelt hat: Mobilität von Personen (einzelne Krieger; kleinere oder
größere Kriegsverbände; Eliten; Handwerker), Beute aus militärischen, keltisch-gemanischen bzw.
innergermanischen Auseinandersetzungen, Kontaktpflege des keltischen Adels und germanischer Anführer
und diplomatische Geschenke.
von Simon Matzerath
Bei den "Feuerböcken" und "Mondidolen" handelt es sich um eine Fundgattung, die zu Tausenden Exemplaren
aus Siedlungen der späten Bronze- und vereinzelt auch der frühen Eisenzeit bekannt sind. Deutlich
geringer ist die Zahl derartiger Stücke als Grabbeigaben. Es zeigte sich, dass diese Beigabensitte sich
nur in bestimmten archäologischen Kulturen wiederfindet und dabei stets an feste Regeln gebunden ist.
Der Vortrag stellt die "Feuerböcke" und "Mondidole" aus Gräbern als eigene Materialgruppe vor und widmet
sich den Besonderheiten ihrer Verbreitung und ihres archäologischen Umfeldes. Im Mittelpunkt stehen dabei
die Funde aus Mittel- und Ostböhmen, der Kalenderbergkultur und der Hallstattkultur. Es werden
verschiedene Marker für Identitätsgruppen in unterschiedlichen archäologischen Kulturen herausgestellt
und diese vergleichend bewertet. In der mittelböhmischen Bylaner Kultur hat die Objektgruppe einen festen
Platz in den besonders reich ausgestatteten Männergräbern. Zeitgleich treten sie in der Kalenderbergkultur
ausschließlich in herausragenden Frauenbestattungen auf. Die sogenannten "Feuerböcke" und "Mondidole"
haben keine alltägliche Funktion, sondern treten als religiöses Symbol einer bestimmten Gruppe in der
Gesellschaft auf. Schließlich lassen sich drei Bestattungen in Süddeutschland sehr konkret als Gräber von
Personen ostmitteleuropäischer Herkunft bestimmen.
Der Vortrag stellt den Versuch dar, eine altbekannte und doch weitgehend fremde Materialgruppe
vorzustellen und ihre Bedeutung als Grabbeigabe zu diskutieren.
von Christa Meiborg
Im September 2008 fielen dem Geologen Dr. Ralf Urz bei der Beobachtung eines Abbauprofils im Bereich
der Kiesgrube Kirchhain-Niederwald, Kr. Marburg-Biedenkopf neben vorgeschichtlichen Keramikscherben auch
in situ stehende Holzpfosten und einige liegende Hölzer auf. Bei einer sofort eingeleiteten Notbergung
traten zahlreiche Holzpfähle zu Tage, die deutliche Bearbeitungsspuren aufwiesen. Eine von April bis
August 2009 durchgeführte Ausgrabung durch die Archäologische Denkmalpflege, Außenstelle Marburg,
konnte die Substruktion einer hölzernen Brücke über eine Länge von rund 22 Metern freilegen. Diese
besteht aus Eichenstämmen, die mit langen, sorgfältig zugerichteten Spitzen in den Boden gerammt
worden sind. Auch mehrere aus gespaltenen Halbstämmen und Spaltbohlen gearbeitete Konstruktionshölzer
wurden geborgen. Eine erste Datierung zweier Pfosten (Fällzeit zwischen 269-244 v. Chr.) spricht für
eine Erbauung bzw. Erneuerung der Brücke in der Mittellatènezeit. Die damaligen Bewohner des Ohmtals
konnten auf dem hölzernen Steg trockenen Fußes eine der holozänen Flussrinnen, wahrscheinlich der
heutigen Wohra, überqueren. Überdeckt von gut 2 Metern Auelehm haben sich im Feuchtboden viele
organische Reste hervorragend erhalten. Neben bearbeiteten Hölzern und ihren Zurichtungsabfällen
fanden sich in den Flussbettablagerungen auch kleinere Holzobjekte, ebenso wie z. T. bearbeitete
Tierknochen und Zähne von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen. Auch pflanzliche Reste wie Früchte,
Samen, Blattreste und zahllose Pflanzenstängel haben sich in hoher Artenvielzahl und in überwiegend
unverkohltem Zustand erhalten.
von Dirk Paul Mielke, Mariano Torres Ortiz und Ester López Rosendo
Not only in Iron Age Europe, but also in the contemporary cultures of the Iberian Peninsula an intensive
use of wagons and chariots as transport, war, and prestige vehicles can be observed.
In contrast to most European regions, on the Iberian Peninsula direct evidence of wagons and chariots
is rare. Instead, a rich figurative tradition informs us about the specific use and significance of
the vehicles. In the contribution an overview of the sources and the state of research as well as an
interpretation will be given.
von Oliver Nakoinz
Wegesysteme lassen sich auf unterschiedlichen Skalenniveaus betrachten. Hoch auflösende Analysen
modellieren Wegeverläufe auf der Basis des Reliefs. Im mittleren Skalenniveau erlaubt die
Fundstellenverteilung eine Rekonstruktion der Wegeverbindungen. In großflächigen Analysen können
Kommunikationsachsen auf der Basis von Interaktionsmodellen ermittelt werden.
Für die möglichst vollständige Rekonstruktion eines Verkehrsnetzes sollten diese drei Ansätze kombiniert
werden. Die technischen Werkzeuge sind hierbei die Graphentheorie, die kulturelle Metrik und verschiedene
GIS-Techniken. Zunächst wird das Wegesystem auf der Basis der bekannten Fundstellen modelliert.
Anschließend wird für die einzelnen Segmente der in Abhängigkeit vom Relief günstigste exakte Wegeverlauf
ermittelt. Schließlich erfolgt eine Gewichtung auf der Basis von Interaktionsmodellen.
In Ermangelung einer hinreichenden Anzahl von archäologischen Daten die direkt zwei Fundstellen
verbinden, werden die Interaktionsmodelle mit Hilfe einer kulturellen Metrik erarbeitet. Letztere
erlaubt es, die Räume eines erhöhten Interaktionsniveaus inklusive ihrer Kommunikationskorridore zu
ermitteln.
Das Ergebnis derartiger Analysen ist ein Modell des Verkehrssystems der älteren Eisenzeit. Die
Erarbeitung eines solchen Modells und das Ergebnis werden anhand regionaler Beispiele dargestellt.
von Claudia Nickel
Das DFG-Langfristvorhaben hat sich nach den abgeschlossenen Untersuchungen des Heiligtums in den letzten
Jahren der Erforschung einzelner Siedlungsbereiche zugewendet. Feldfunde und geomagnetische Prospektion
im Vorfeld wurden zur Auswahl der Flächen herangezogen, die in verschiedener Entfernung zum zentralen
Tempelareal liegen. 2008 und 2009 wurden mehrere Bereiche auf dem sogenannten Männleinfeld (nach den
zahlreichen Münzfunden auf den dortigen Äckern) untersucht. Es konnten unterschiedlich dicht bebaute
Bereiche festgestellt werden, mit und ohne Überlagerung verschiedener Phasen. Das reichhaltige
Fundmaterial lässt Rückschlüsse auf Handwerk zu, es gibt ebenfalls Hinweise auf Handelsbeziehungen.
Die Datierung reicht von der Blütezeit des Oppidums bis an den Anfang der römischen Zeit; danach
endete die "normale" Besiedlung auf dem Martberg bzw. verlagerte sich ins Tal (vicus Cardena), während
die Tempelanlage noch mehrere Jahrhunderte lang aufgesucht wurde.
von Hrvoje Potrebica
Kaptol became famous in the 1970s after the discovery of two princely graves with the northernmost finds
of Greek helmets in Europe and consequently gave name to the southernmost cultural group of the
Eastern Hallstatt Circle. Thirty years after, another research project aiming at the same area
resulted in the discovery of a second tumuli necropolis in the immediate vicinity of the large hillfort
settlement. Almost ten years of excavations in that area brought to light many important contexts
such as a double princely grave and monumental burial chambers sometimes with large dromos. Finds
from those graves, especially prestigious goods, established Kaptol as the most important centre
providing a link between the Balkans and the Aegean in the south, and the Hallstatt world in Central Europe.
It also lies on a very important ancient route linking the Alpine and the Danubian areas. Kaptol is
furthermost a point of distribution for many specific types of weapons, pottery and other objects,
but it is probably even more important as the place of cultural transfer between major cultural
zones in the Early Iron Age of Europe.
von Gianna Reginelli Servais und Gilbert Kaenel
Der Schweizerische Nationalfonds (FNS) finanziert seit 2007 ein Forschungsprojekt mit dem Titel:
"Die Fundstelle La Tène (Marin-Épagnier NE) im Zusammenhang mit der Forschung der jüngeren Eisenzeit
in Europa. Neubewertung des Dokumentationbestandes und räumlich-stratigraphische Analyse". Ziel des
Projektes ist es, den namengebenden Fundort der jüngeren Eisenzeit neu auszuwerten. Die Neubewertung
des Referenzkorpus, der zahlreiche Funde und Dokumente von großer Qualität umfasst, war seit langem
ein Wunsch der Forschungsgemeinschaft, da seit der Studie von J.-M. de Navarro (1972) über die
Schwerter und Schwertscheiden keine größere Untersuchung über La Tène mehr erschienen ist.
Der Vortrag wird die Entstehung des Projektes erklären, das durch die neuen Ausgrabungen im Jahr
2003 und die Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Entdeckung des Fundortes (2007) neue Anstöße
erhielt. Die Vorgehensweise besteht aus einer Neuauswertung der Funde, wobei nicht nur ihr
topographischer und sedimentärer Kontext berücksichtigt wird, sondern auch die gegenwärtigen
Kenntnisse über die Eisenzeit, die dank neuen dendrochronologischen und stratigraphischen Datierungen
heute feiner abgestuft ist.
Mehrere Doktoranden und Forscher haben an der ersten Projektphase (2007-2009) mitgearbeitet. Als erstes
wurde eine weltweite Umfrage eingeleitet, um eine Bestandsaufnahme der in La Tène entdeckten und heute
in der ganzen Welt verstreuten Objekte zu machen. Die Daten - Gegenstände, Archivdokumente und
Bibliographien - werden zurzeit in einer Datenbank gesammelt, die am Ende des Projektes der
Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden wird. Zudem werden dank der internationalen
Zusammenarbeit zwischen mehreren Museen die wichtigsten Sammlungen neu untersucht und veröffentlicht.
Die ersten Ergebnisse des Projektes zeigen die Rolle des Fundortes La Tène für die Geschichte der
Disziplin auf. Die Analyse der Verstreuung der Funde veranschaulicht das Gelehrtennetzwerk, in
welchem diese am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts ausgetauscht wurden. Es konnten
verschiedene Arten von Austauschmodalitäten nachgewiesen werden, die auf beispielhafte Weise zeigen,
wie die Wissenschaft der Vorgeschichte anfangs funktionierte. Die Fundstelle La Tène spielte dabei
eine zentrale Rolle für die Konstruktion der Chronologien. Aber welchen Stellenwert nimmt die
Fundstelle La Tène heute ein, und welche morgen?
von Vladimír Salac
Die Wege stellten in der Eisenzeit einen festen und wichtigen Bestandteil der wirtschaftlichen
Grundlage der Gesellschaft dar. Sie spielten ja auch eine wichtige Rolle unter dem Gesichtspunkt der
Kontakte zwischen einzelnen Regionen, Stämmen usw. Die Wege erfüllten sicher eine wichtige Rolle
bei der Organisation der Besiedlung und Gesellschaft, z. B. bei der Bildung des Verteidigungs-
oder Kommunikationssystems. Aus diesen Gründen ist in der letzten Zeit den Wegen die entsprechende
Aufmerksamkeit gewidmet worden. Einige Aspekte des Wegeverkehrs blieben jedoch unbeachtet. Einer
davon ist die Geschwindigkeit, mit der Menschen aber auch Waren auf den Land- und Wasserwegen
damals vorwärts kommen konnten. Von diesem Faktor sind dabei viele interessante und wichtige
Bedingungen abhängig, die das Leben auf den Wegen und demzufolge auch in der ganzen Gesellschaft
beeinflussten. Der Schlüssel zu einigen archäologisch klärbaren Erscheinungen (z. B. Entfernung
und Lokalisierung von Siedlungen längs der Wege, Verteilung von Zentralsiedlungen in der
Landschaft) liegt wahrscheinlich gerade in der Geschwindigkeit, die damals erreicht wurde.
von Markus Schußmann
Als natürliche Barriere liegt die Südliche Frankenalb zwischen dem Altsiedelland an der Donau und
den verschiedenen Siedlungslandschaften Frankens. Ihre tief eingeschnittenen Täler boten jedoch
schon dem prähistorischen Menschen ein vorgezeichnetes Routennetz an, um dieses Hindernis auf
vergleichsweise einfache Art zu überwinden und eine Anbindung an die Donau-Verkehrsachse zu finden.
Spätestens seit der späten Urnenfelderzeit wurden die Täler nachweislich auch mit Wagen befahren
und in der späten Hallstattzeit zumindest einige Abschnitte auch künstlich befestigt. In den
vernässten Auen des Schwarzach- und Anlautertales entstand ein künstlich mit Steinen befestigter
Weg, der auch mehrere Abzweigungen auf die Albhochfläche besaß.
Schon zuvor hatte sich an verschiedenen neuralgischen Punkten in den Talknoten eine Elite
niedergelassen, die sich durch Palisadengehöfte oder Rechteckhöfe von der übrigen Bevölkerung
architektonisch absetzte. Obwohl diese Anlagen noch vor dem Ende der Hallstattzeit aufgegeben
worden sind, sprechen einige Indizien für die weitere Nutzung der "Steintrasse" bis in die
Frühlatènezeit hinein.
Im Wellheimer Trockental, einer neben dem Schwarzachtal weiteren wichtigen Nord-Süd-Verbindung,
wurde hingegen ein sehr stark versumpfter Talgrund durch eine technisch ausgeklügelte, hölzerne
Brücke überquerbar gemacht. Dieses Bauwerk wurde sicher bis in die frühe Latènezeit hinein
genutzt bzw. erneuert und auch hier wurde diese verkehrstrategisch wichtige Position durch eine
kleine Höhenbefestigung gesichert.
von Julian Spohn
Von den oftmals recht uniform ausgestatteten Bestattungen der Mittel- und Spätlatènezeit im
Raum nördlich der Alpen weichen einige Gräber ab, die aufgrund ihrer Architektur oder Beigaben
als "Sonderbestattungen" angesprochen werden. Zu den ungewöhnlichsten Vertretern dieser Gruppe
zählen mehrere Bestattungen meist erwachsener Frauen, denen - neben teilweise umfangreicheren
Objektensembles - Münzen beigegeben wurden. Auffällige Konzentrationen dieser so herausgehobenen
Gräber finden sich in Südwestdeutschland mit dem nördlich angrenzenden Mittelgebirgsraum und in
der Schweiz. Bis heute werden in den beigegebenen Münzen - analog zu mediterranem Totenbrauchtum
- häufig pauschal Totenobole und somit die Übernahme eines fremden Ritus im Zuge einer
"Mediterranisierung" gesehen. Als Träger dieser Beigabensitte wird meist eine sozial gehobene
Gruppe vermutet, aber teilweise auch eine fremde Herkunft der Bestatteten erwogen.
Seit der grundlegenden Arbeit von H. Polenz, der sich 1982 erstmals umfassend mit "Münzen in
latènezeitlichen Gräbern Mitteuropas zwischen 300 und 50 vor Christi Geburt" auseinandersetzte
(H. Polenz, Münzen in latènezeitlichen Gräbern Mitteleuropas aus der Zeit zwischen 300 und 50 v.
Chr. Geburt. Bayer. Vorgeschbl. 47, 1982, 27-222), hat sich die Zahl münzführender Gräber mehr
als verdoppelt, wenngleich diese Beigabe im archäologischen Befund weiterhin äußerst selten
bleibt. Die verbesserte Quellenlage bietet Anlass, die Münzbeigabe in latènezeitlichen
Bestattungen einer erneuten kritischen Analyse zu unterziehen. Dabei zeichnet sich ab, dass
aufgrund der zu konstatierenden Variabilität der Qualität und der Quantität der hierfür
verwendeten Münzen sowie der Beigabeweise und der Bindung an ein bestimmtes Geschlecht eine
generalisierende monofunktionale Interpretation zu kurz greift. Daher sind weitere
Deutungsmöglichkeiten der hinter der Münzbeigabe stehenden rituellen Inszenierung zu suchen.
Unter Einbindung des generellen Fundkontextes und besonders der jeweiligen Fundvergesellschaftung
ergeben sich hieraus auch neue Erkenntnisse zur sozial- und kulturgeschichtlichen Bewertung der
münzführenden Gräber. Darauf basierend ist zu hinterfragen, ob und in welchem Maße die Sitte der
Münzbeigabe nördlich der Alpen einen Ideentransfer aus dem mediterranen Raum erkennen lässt, auf
welchen Wegen dieser verlief und auf welche Zielgruppe er gerichtet war.
von Gerd Stegmaier
Der frühkeltische "Fürstensitz" Heuneburg und sein von archäologischen Denkmälern geprägtes Umland
nehmen bereits seit langer Zeit eine wichtige Stellung bei der Erforschung hallstattzeitlicher
Siedlungslandschaften ein. Dementsprechend wurden auch im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 1171
"Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse" zwei Projekte im unmittelbaren Umfeld der
Heuneburg bei Hundersingen (Kr. Sigmaringen) gefördert.
Eines dieser Projekte beschäftigt sich mit der sogenannten "Heuneburg-Vorburg", einer
Befestigungsanlage im Vorfeld der eigentlichen Höhensiedlung. Vor allem die Grabungen der Jahre
2000-2003 erbrachten hier wichtige Ergebnisse zur Frage der Entstehung und Datierung dieses bis
dahin weitgehend unbeachteten Siedlungsareals.
Mit der chronologischen Einordnung der im Gelände noch sichtbaren Wallanlage in die frühe Eisenzeit
ergab sich fortan ein neuer Blick auf das Erscheinungsbild und die Struktur des späthallstattzeitlichen
"Fürstensitzes". Im Zusammenspiel mit den in den vergangenen Jahren durchgeführten Untersuchungen
zeigt sich das Vorburgareal heute als Siedlungsplatz einer wohl privilegierten Bevölkerungsgruppe,
die sich hier zur Zeit der Lehmziegelmauer niedergelassen und architektonisch verwirklicht hat.
Hierfür spricht nicht nur der Nachweis eines exzeptionellen Kammertores mit Steinfundament, sondern
auch der bis zu 5 m hohe Wall und der rund 7 m tiefe Befestigungsgraben. Die architektonischen
Hinterlassenschaften der Heuneburg-Vorburg zeugen dabei von einem klaren Anspruch auf Macht und
Prestige im Kontext eines sich rasch entwickelnden Zentralortes der frühen Eisenzeit.
von Peter Trebsche
Das Niederösterreichische Landesmuseum für Urgeschichte führte in den Jahren 1994 bis 1999 archäologische
Rettungsgrabungen in der Katastralgemeinde Michelstetten, Verwaltungsbezirk Mistelbach, Niederösterreich
durch. Den bemerkenswertesten Baubefund der Latènezeit stellt ein Wandgräbchenbau mit zentraler
Vierpfostenstellung und Doppelpfostenstellungen an der nördlichen und südlichen Wand dar. Dabei
handelt es sich um den östlichsten Vertreter eines Bautypus, der bislang vor allem aus Süddeutschland
und Ostfrankreich bekannt ist. Da die zentrale Vierpfostenstellung keine eigenen Wände besaß, ist die
Bezeichnung "Umgangsbau" m. E. nicht zutreffend; vielmehr sollte von einem "Durchgangsbau" gesprochen
werden, wodurch die Charakteristik des Gebäudes mit zwei gegenüberliegenden Eingängen zum Ausdruck
gebracht wird. Hinsichtlich der Funktion deutete zuletzt P. Donat die Wandgräbchenbauten mit zentraler
Vierpfostenstellung als Kultbauten, wofür im Fall von Michelstetten auch die zentrale Lage an der
Siedlungsachse spricht.
Hinsichtlich der Siedlungsstruktur zeigt die Analyse der Gebäudeorientierungen, der Abstände sowie der
Bautypen, dass die latènezeitliche Siedlung von Michelstetten nach bestimmten Regeln planmäßig angelegt
wurde. In erster Linie folgte die Binnengliederung einer zentralen Ost-West-Achse, an welcher der
bereits erwähnte "Durchgangsbau" lag.
Obwohl es sich um eine relativ kleine Siedlung handelt (die ergrabene Siedlungsfläche macht nur etwa
0,4 ha aus), die auch keinerlei Befestigungsanlagen aufwies, sticht Michelstetten durch eine große
Menge qualitätvollen Fundgutes (Fibeln, Glas, Importkeramik) sowie zahlreiche Belege für Metallhandwerk,
darunter auch für Münzherstellung, hervor. Zusätzlich erstaunen die planmäßige Siedlungsanlage und
der architektonische "Fernimport" in Form des Wandgräbchenbaues mit zentraler Vierpfostenstellung.