von Kerstin P. Hofmann (Berlin) und Sabine Patzke (Rom)
Zur Beschreibung komplexer Entwicklungsprozesse ist eine differenzierte "Typologie des Wandels" (Meier 1973, 63) notwendig.
Dafür wird auf H. Bausingers "Algebra der Kontinuität" (1969), in der er zwischen verschiedenen zu berücksichtigenden
Faktoren - Sache, Raum, Aktoren und Funktion - unterschied, rekurriert. Technologietransfer und -entwicklung der
ceramica sovraddipinta, einer etruskischen Keramikgattung klassischer und hellenistischer Zeitstellung (vgl.
Beazley 1947; Pianu 1989), kann als Diffusionsprozess einer entlehnten Innovation beschrieben werden. Hierfür sollen
einige Modelle der Innovationsforschung vorgestellt werden und anschließend auf die Beschreibung der Adaption der
neuen Technik und ihrer Standardisierung angewandt werden.
Die Dekorationstechnik der ceramica sovraddipinta wurde in den Töpferwerkstätten Athens wohl im letzten Viertel des 6. Jh.
v. Chr. entwickelt. Sie konnte sich dort jedoch nicht gegen die in etwa zeitgleich entstandene rotfigurige Vasenmalerei
durchsetzen. Im 5. Jh. v. Chr. findet sie allerdings Eingang in das Repertoire der etruskischen Töpfer. Während die im
5. Jh. v. Chr. in dieser Technik produzierten Gefäße aufwändige Formen und häufig narrative Bilder aufwiesen (z.B. Vasen
der Praxias-Gruppe), wurden sie im Verlauf der ersten Hälfte des 4. Jh. v. Chr. immer schlichter und ab der 2. Hälfte
des 4. Jh. v. Chr. können die Vasen in sovraddipinta-Technik als standardisiert bezeichnet werden (Sokra-Gruppe,
Phantom-Gruppe). Nach einer Experimentierphase, die nur lokal zur endgültigen Übernahme der Dekortechnik führte, kommt
es zur standardisierten Massenproduktion. Hierbei handelt es sich um ein typisches Phänomen der Diffusionen von
Innovationen, die u.a. mit Hilfe der Diffusions-Modelle von Everett Rogers (2003), des Paradigmen-Modells von Giovanni
Dosi (1988) und des Feuerwerksmodell der Forschergruppe um Peter van de Ven (1999) erklärt werden können.
Literatur:
Bausinger 1969: H. Bausinger, Zur Algebra der Kontinuität. In: Ders., W. Brückner (Hrsg.), Kontinuität? Geschichtlichkeit
und Dauer als volkskundliches Problem (Berlin 1969) 9-30.
Beazley 1947: J.D. Beazley, Etruscan Vase-Painting (Oxford 1947).
Dosi 1988: G. Dosi, The Nature of Innovative Process. In: Ders./Chr. Freemann/R. Nelson/G. Silverberg/L. Soete (Hrsg.),
Technical Change and Economic Theory (London/New York 1988) 221-238.
Meier 1973: Ch. Meier, Kontinuität - Diskontinuität im Übergang von der Antike zum Mittelalter. In: H. Trümpy (Hrsg.),
Kontinuität - Diskontinuität in den Geisteswissenschaften (Darmstadt 1973) 53-94.
Pianu 1989: G. Pianu, La standardizzazione. In: Secondo congresso internazionale etrusco, Firenze 26 maggio - 2 giugno
1985 - Atti. (Roma 1989) 1095-1099
Rogers 2003: E. Rogers, Diffusion of Innovations5 (New York 2003).
van de Ven u. a. 1999: P/A. van de Ven/D. Polley/R. Garud/S. Venkataraman, The Innovation Journey (Oxford 1999).
von Diana Modarressi-Tehrani (Witten)
Handwerkliche Spezialisierung spielt über alle Epochen hinweg und in allen archäologischen Wissenschaften eine bedeutende
Rolle. Entsprechend wird sie auch in der Eisenzeitforschung thematisiert. In der Diskussion um die Auslöser und Motoren
der in der vorrömischen Eisenzeit Mitteleuropas stattfindenden Veränderungen, wird der Metallurgie im Allgemeinen ein
signifikanter Anteil zugesprochen. Bemerkenswerterweise ist festzustellen, dass dies eher forschungsgeschichtlich
bedingt, als durch empirisch erhobene Daten belegt ist. Insbesondere der Nachweis einer sozialen Elite und die seit
den 1960er Jahren stattfindende Fokussierung auf die so genannten frühkeltischen Fürstensitze boten vielfach Anlass
zu Spekulationen über die Interdependenz von Handwerksorganisation, technologischen Entwicklungen und sozialen
Eliten. Wenngleich die Begriffe Spezialisierung und (soziale) Abhängigkeit hierbei häufig auftauchen, erfolgt eine
stringente und inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen Begriffen und den dahinter stehenden Konstrukten nicht.
Anhand von vier ausgewählten Siedlungen bzw. Siedlungskomplexen wird diese Thematik erörtert werden, und Fragen nach
Spezialisierung, Technologieniveau und sozioökonomischer Bedeutung der Metallurgie sowie dem Umgang mit
archäometallurgischem Fundmaterial diskutiert. Dabei wird ein Modell vorgestellt, das eine objektivere Möglichkeit
bietet, Fundorte mit handwerklicher Produktion zu bewerten.
von Katharina Rebay-Salisbury (Leicester)
This paper will introduce new approaches to studying human representations north of the Alps and their relationship
to the Mediterranean. In the Early Iron Age, both regions share a number of motifs featuring humans; they are
encountered on a range of media, but most often on bronze and pottery. Famous scenes show people hunting, feasting,
competing in sports or chariot races, spinning and weaving or grieving for their dead. With new motifs comes on
understanding of identity and society, which is not merely 'imported' but integrated in a local context, transformed
and merged or 'creolized' with ideas from different backgrounds and traditions.
A detailed image analysis highlighting the aspect of copy-fidelity will help to understand how the motifs are
actually related and will thus help to get away from dependency and core-periphery models, and better appreciate the
network of complex relationships between temperate Europe and the Mediterranean.
An important part of the analysis will be the investigation of the transfer of technologies across wide geographical
areas as well as among crafts. The study of cross-craft interaction will be a useful framework in which to
investigate the technology of sheet bronze and pottery decoration, as human representations are carried out in a
variety of decoration techniques that overlap both materials. The idea of cross-craft interaction will challenge
our general assumptions about art and craft as fields of specialisation, and shed light on networks of social
relations with shared aspects of knowledge and beliefs.
von Dirk Paul Mielke und Mariano Torres Ortiz (Madrid)
Mit dem legendären Tartessos weist die Iberische Halbinsel schon zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. in der so
genannten präkolonialen Phase direkte Kontakte mit der orientalischen Levanteküste auf. Vereinzelt lassen sich
sogar noch frühere Kontakte nachweisen. Ab dem 9. Jh. v. Chr. werden diese dann durch permanente phönizische
Siedlungen in den südlichen Küstenregionen intensiviert und sind nun dauerhaft präsent. Diese Kulturkontakte
haben die technologische Entwicklung der einheimischen Kulturen in den verschiedensten Bereichen wie Metallurgie,
Töpferei, Kunsthandwerk und Architektur beeinflusst. Transfer und Entwicklung dieser technologischen Einflüsse
lassen sich archäologisch von den ersten nachweisbaren Objekten bis zur breiten Anwendung verfolgen. Die
Hintergründe und Rahmenbedingen sind dabei zum Teil recht unterschiedlich und bedürfen einer genauen Analyse,
denn gerne werden in der Forschung bestimmte archäologische Erscheinungen pauschal mit dem Topos ex oriente
versehen. Der Beitrag möchte aufzeigen, in welchen Bereichen sich durch die orientalisch-phönizischen Einflüsse
technologische Entwicklungen aufzeigen lassen und wie der Transfer dieser Technologien vonstatten ging.
von Manuel Fernández-Götz, Gonzalo Ruiz Zapatero und Jesús Álvarez-Sanchís (Madrid)
Die Einführung der Eisentechnologie auf der Iberischen Halbinsel ist ein komplexer Prozess, bei dem zwei
Hauptrouten eine entscheidende Rolle gespielt haben. Zum einen die Mittelmeerroute, die seit der "vorkolonialen
Periode" bestand und während der unmittelbar darauf folgenden Etappe der phönizischen Kolonisierung einen
wichtigen Aufschwung erfuhr. Und zum anderem die kontinentale Route, auf der diese neue Technologie von
Südfrankreich aus über die Pyrenäen-Pässe bis ins Innere Kataloniens während der Endbronzezeit/Frühe Eisenzeit
Einlass fand.
Aufbauend auf Snodgrass (1980) grundlegender Arbeit für den Mittelmeerraum ermöglicht die hier vorgelegte Analyse,
drei große Abschnitte in der Ausbreitung der Eisentechnologie auf der Iberischen Halbinsel zu unterscheiden.
Während in der Einführungsphase der Anteil an Eisengegenständen noch sehr gering ist und im Allgemeinen weniger
als 15 % beträgt, zeichnet sich die eigentliche Annahmephase durch Werte aus, die zwischen ca. 15 und 60 %
schwanken. Schließlich findet in der darauf folgenden Etappe die allgemeine Ausbreitung der Eisentechnologie
statt: Die Anzahl von Eisenobjekten stellt mehr als 60 % der gesamten Metallgegenstände dar und übertrifft so
endgültig die Bronzefunde.
Neben den rein technologischen Gesichtspunkten müssen aber auch soziale und ökonomische Aspekte berücksichtigt
werden. Hier lassen sich erneut drei große Phasen skizzieren. Wenn anfangs die Einführung der Eisenmetallurgie
noch sehr beschränkt ist und das neue Metall hauptsächlich als Schmuck- und/oder Prestigeelement vorkommt,
beobachtet man während der zweiten Etappe eine deutlich größere Vielfalt an Eisengeräten. Diese Entwicklung
setzt sich auch in der letzten Etappe fort, mit einem massiven Aufkommen von Werkzeug und Waffen, was wichtige
Auswirkungen auf Bereiche wie Ackerbau und Kriegsführung mit sich bringt.
von Vladimír Salac (Praha)
Oft wird in der Literatur die Ansicht vertreten, dass die den Germanen zugeschriebene Großromsteder Kultur
manche technologische Errungenschaften von der Latènekultur übernommen habe. Das so genannte keltische Erbe
sieht man bislang in der Eisenproduktion und -bearbeitung, in der Herstellung von kleinen Bronzegegenständen
(Fibeln, Gürtelhaken usw.) und in der Keramikproduktion. Das Zentrum dieser Übergabe von Technologiekenntnissen
sollte in Böhmen, genauer im so genannten Marbodsreich, gewesen sein. Hier sollten sich die keltische,
germanische und provinzial-römische materielle Kulturen vermischen und daraus sollte sich eine eigenständige
elbgermanische Kultur der römischen Kaiserzeit entwickelt haben. Auf diese Weise formulierte O. Almgren zu
Beginn des 20. Jahrhunderts seine Vorstellung über die Entstehung dieser Kultur. Dieser Deutung kann man bis
heute begegnen, obwohl es immer weniger Argumente dafür gibt.
von Daniel Sahlén (Glasgow)
Research on prehistoric pottery has in the last years looked at the technological process as a social mechanism,
exploring issues of individual choices and social practice. The study of metalworking ceramics can have extensive
use of methods and theories developed in pottery studies, but it is in this study recognised that the study of
metalworking ceramics and other technical ceramics needs to consider its specialised nature. The successful
production of moulds and crucibles requires that a craft specialist has expert skills in the preparation and
firing of clay as well as understanding of the process and design of metal casting. This makes metalworking
ceramics an important resource for investigating variation in individual skill, experience and social traditions.
I want in this presentation to look at the use of ceramic technology in the manufacture of non-ferrous metalworking
ceramics in Iron Age Scotland; I will compare this material with those from the Late Bronze Age and the Early Historic
period and discuss what the material evidence can tell us about social processes in the late prehistoric period of
Scotland. This work is based on my PhD research at University of Glasgow and National Museums Scotland, where I
combine the theoretical notion of technology with the use of material sciences in the study of late prehistoric
metalworking ceramics and pottery.
von Ines Balzer (Esslingen)
Seit der grundlegenden Arbeit von Amei Lang 1974 zur frühen Drehscheibenkeramik auf der Heuneburg, ihrer Datierung,
Herkunft und Verbreitung sind über drei Jahrzehnte vergangen. Inzwischen hat sich die Anzahl der
drehscheibenkeramikführenden späthallstattzeitlichen Fundorte nahezu verachtfacht. Einige wenige neue
Monographien und Aufsätze sind dazu erschienen, eine grundlegende übergreifende Analyse und Bewertung steht
jedoch immer noch aus.
Im Vortrag soll den alten Fragen nach Ursprung bzw. mediterranen Vorbildern, nach Objekt- bzw. Technologietransfer,
technologischer und formaler Entwicklung sowie der Ausbreitung der frühesten Ha D3-zeitlichen Drehscheibenkeramik
nachgegangen und neuen Lösungswegen gegenübergestellt werden. Bei der Neubewertung helfen neue makroskopische,
petrographische und technologische Beobachtungen, die an der frühen Drehscheibenware im Verbreitungsgebiet der so
genannten "Fürstensitze" gewonnen werden konnten.
von Claudia Tappert (Madrid)
Tongefäße, welche die Verwendung der Töpferscheibe erkennen lassen, finden sich in Bayern, Böhmen und Österreich ab
der ausgehenden Hallstattzeit. Die ältesten Stücke entsprechen formal exakt späthallstattzeitlichen riefenverzierten
Drehscheibengefäßen aus Südwestdeutschland. Auch zu herstellungstechnischen Besonderheiten der frühen östlichen
Drehscheibenware findet sich Entsprechendes im Westen. Die Vermittlung der Drehscheibentechnik aus dem westlichen
Hallstattkreis liegt deshalb nahe. Auffällig ist, dass im Osten nur bestimmte Gefäßformen aus dem reichhaltigen
westlichen Repertoire übernommen wurden. Schon früh führte die Anwendung der neuen Formtechnik zur Entwicklung
eigener Gefäßformen wie der charakteristischen Linsenflaschen.
Anhand ausgewählter Fundorte aus Bayern, Böhmen und Österreich soll die Adaption der Drehscheibentechnik sowie die
formale und technische Entwicklung der frühen Drehscheibenkeramik im Osten bis zum Ende der Stufe Lt A
detailliert nachgezeichnet werden. Darüber hinaus sollen mögliche Vermittlungswege ebenso wie die
sozioökonomischen Hintergründe des Technologietransfers diskutiert werden.
von Florian Schneider (Mannheim)
Der Anfang der frühen Latènezeit ist im Gebiet der Hunsrück-Eifel-Kultur unter anderem durch markante materielle
Veränderungen gekennzeichnet. Dieser Prozess lässt sich gut anhand der Keramikgefäße nachvollziehen, die nicht
nur einen formalen sondern aufgrund der Einführung der Drehscheibenware auch einen technologischen Wandel
durchlaufen. Wenngleich diese Entwicklung in groben Zügen bekannt ist, sind die Einzelheiten noch unklar. Zwar
lassen sich die frühesten scheibengedrehten Keramikgefäße relativ sicher an den Beginn der Stufe HEK II A 1
datieren, doch besteht noch Uneinigkeit bezüglich ihrer regionalen Ableitung. Gleiches gilt für die Frage, nach
der Bedeutung, die der Elite, die sich anhand der Prunkgräber im Arbeitsgebiet identifizieren lässt, in diesem
Zusammenhang zukommt. Die Behandlung beider Fragen soll im Zentrum des Vortrags stehen. Ausgehend von der formalen
Gefäßentwicklung der Hunsrück-Eifel-Kultur wird das Problem der Ableitung erörtert werden. Dabei ist zu bedenken,
dass eine Analyse der Keramik unter technologischen Kriterien bislang noch aussteht, weshalb eine sichere
Entscheidung bezüglich des Fabrikationsortes und der genauen Aufbautechnik nicht möglich sein wird. Im zweiten
Teil des Vortrags sollen die Grab- und Siedlungsbefunde der Hunsrück-Eifel-Kultur ausgewertet werden, aus denen
Drehscheibengefäße stammen. Dabei sollen Hypothesen nicht nur hinsichtlich des sozialen Ortes ihrer Verwendung
formuliert werden, sondern auch bezüglich der Mechanismen ihrer Verbreitung.
von Anton Kern (Wien)
Keine Zusammenfassung verfügbar.
von Hans Reschreiter (Wien)
Seit der mittleren Bronzezeit ist die bergmännische Gewinnung von Steinsalz in Hallstatt belegt. Bis in römische Zeit
wird mit wenigen Unterbrechungen abgebaut. Durch die konservierende Wirkung des Salzes ist der gesamte Betriebsabfall
dieser prähistorischen Bergbaue erhalten. All das, was die Bergleute im Bergwerk zurückließen, blieb im sogenannten
Heidengebirge erhalten. Durch diese Funde (abertausend niedergebrannte Leuchtspäne, gebrochene Pickelstile und
anderes unbrauchbar gewordenes Gerät, Kleidungsbestandteile (Fell- und Ledermützen, Textilien, Leder- oder Hautschuhe),
Tragsäcke aus Rinderhaut, Schnüre und Seile aus Gras und Bast) lassen sich beinahe alle Arbeitsschritte vom Brechen
des Salzes mit Bronzepickeln bis zur Förderung erschließen. Durch die Untersuchungen der letzten Jahrzehnte sind
sowohl der bronzezeitliche als auch der ältereisenzeitliche Betrieb gut erforscht. Obwohl das gleiche Material abgebaut
wurde, unterscheiden sich die beiden Bergbaue grundlegend in den Abbau- und Fördertechniken. So einzigartige Funde wie
die bronzezeitlichen Tragsäcke, die älteste erhaltene Holzstiege Europas oder die Schuhfragmente der älteren Eisenzeit
erlauben tiefe Einblicke in die Arbeitsorganisation. Aussagen über die Distribution sind nur schwer zu treffen,
da das Salz beim Empfänger nicht nachweisbar ist.
von Kerstin Kowarik (Wien)
From Bronze Age to Early Iron Age transalpine trade and infrastructure systems linked to the salt mines of Hallstatt
had to adapt to massive climatic deterioration. This paper addresses the question with what techniques alpine
populations faced changing conditions and traces change in Hallstatt's infrastructure systems from Bronze Age to
Early Iron Age.
Recent climatological research in the region of Hallstatt, the Niedere Tauern (Styria) and the Dachsteinplateau
(Upper Austria/Styria) has shown that the marked period of cold between 700 and 400 BC was correlated with a sharp
drop in alpine land use (Schmidt et al. 2008).
These results raise several questions as this phase partly covers one of the most productive periods of salt mining
in Hallstatt (it is also the period in which Hallstatt shows the strongest contacts with south alpine regions):
First it must be asked how the climate deterioration and the reduced human presence affected Hallstatt's
infrastructure systems and transalpine networks. Second it is to be investigated what adaptive strategies were
used to uphold transalpine trade and communication systems.
A diachronic analysis of changes in settlement structures, trade and traffic routes spanning Bronze and Early
Iron Age will illustrate the impact of climatic change and identify the techniques of adaptation and innovation.
It is to be expected that a certain percentage of the changes in the archaeological landscape will not be
interpretable as cultural and economic decline but rather as adjustments aiming at upholding the infrastructure
for salt mining and trade.
Literature:
Schmidt et al. 2008: R. Schmidt, M. Roth, R. Tessadri, K. Weckström, Disentangling late-Holocene climate and land
use impacts on an Austrian alpine lake using seasonal temperature anomalies, ice-cover, sedimentology, and
pollen tracers. Journal of Paleolimnology 40, 2008, 453-469.
von Hans Reschreiter und Michael Grabner (Wien)
Für das Neolithikum und die Bronzezeit haben wir auf Grund von Siedlungs- und Bestattungsvorlieben im
circumalpinen Raum und in Nordeuropa gute Erhaltungsbedingungen für organisches Material. Ab der Eisenzeit
ändert sich das grundlegend, weshalb organische Behälter, wie Holzgefäße, in archäologischen Betrachtungen
zu dieser Epoche fast keine Rolle mehr spielen. Ganz anders stellt sich die Situation im Hallstätter
Salzberg dar. Dort haben sich fast 150 eisenzeitliche Holzgefäßfragmente erhalten. Diese gewähren einen
einmaligen Einblick in eine Gefäßgattung, die in der Eisenzeit wahrscheinlich häufiger in Gebrauch war als
Keramikgeschirr, sich aber nur äußerst selten erhalten hat. An vielen Stücken sind Herstellungs- und
Benutzungsspuren noch erkennbar, weshalb sowohl der Produktionsablauf als auch die Verwendung der Gefäße
weitestgehend erschlossen werden kann. Mehr als 90 % der Stücke sind aus Ahorn- oder Erlenholz gefertigt.
Einige Stücke sind dendrochronologisch datiert.
Zum Schnitzen der Holzgefäße war ein spezielles Werkzeug notwendig, das aus ganz Europa erst in wenigen
Exemplaren vorliegt. Alle bisher in Hallstatt entdeckten Holzgefäße sind geschnitzt. Das ist insofern
erwähnenswert, als zeitgleiche Stücke vom Dürrnberg bei Hallein bereits gedrechselt sind. Einige der
Holzgefäßformen sind im Typenspektrum der Zeit bisher völlig unbekannt; manche kommen in ähnlicher Form in
Bronze vor, viele in Keramik.
In etlichen Situlen Sloweniens, Oberitaliens und der Schweiz haben sich Reste von Holzgefäßen erhalten. Holzgeschirr
hatte scheinbar in der älteren Eisenzeit einen festen Platz an der "Situlentafel" und war nicht (nur) auf den
einfachen bäuerlichen Bereich beschränkt. Unser von der Volkskunde geprägtes Bild - Holzgeschirr = einfach/bäuerlich,
Keramik und Porzellan = höfisch - sollte daher nicht kritiklos auf die Eisenzeit übertragen werden.
von Anne Baron (Strasbourg)
The recurrence of the ornament artefacts of black shales observed in Celtic Europe conduce to study the origin
and the diffusion of these materials. The acquisition of these raw materials sometimes required some imports over
long distances. The restitution of the socioeconomic system developed in the Iron Age involves networks of structured
exchange and important commercial links. The characterization of materials constitute the base of any study of
origin. Analytical methods are employed to permit a discrimination of these differents materials. Through
archaeological sites and studies of their production, it is possible to restitute the filiations between
archaeological objects and the source of extraction and to allow a better comprehension of this material
exchange little known until now.
von Stefanie Wefers (Mainz)
Drehmühlen stellen im Vergleich zu den zuvor und noch parallel genutzten Reibsteinen und Napoleonshüten eine
bedeutende Innovation der Eisenzeit dar. Das aufgrund der schlechten Haltbarkeit von Mehl täglich aufzubereitende
Getreide konnte mit ihrer Hilfe 6- bis 12-fach schneller verarbeitet werden. Ausgehend von zwei in die
Frühlatènezeit datierten Drehmühlen Hessens und Bayerns wurden die bisher bekannten, ältesten Drehmühlen des
westlichen Europas zusammengestellt. Eine forschungsbedingt lückenhafte Verbreitungskarte lässt eine erste
Interpretation zu: Ein geballtes Vorkommen sehr früher Drehmühlen an der Nordostküste Spaniens deutet auf einen
dortigen Entwicklungsort hin. Davon ausgehend erfolgt eine Diskussion der möglichen Verbreitungswege dieser
Innovation in die Region nördlich der Alpen und nach Großbritannien.
von Sabine Pabst-Dörrer (Marburg)
Das Auftreten italischer Fibelformen in ältereisenzeitlichen Kulturgruppen außerhalb der Apenninhalbinsel fand in
der Forschung schon vielfach Aufmerksamkeit. Der Vortrag möchte das Augenmerk auf einige originär süditalische
Brillen-, Vierpass- und Mehrspiralfibelformen richten. Diese finden in ihren spezifischen Ausführungen Parallelen
in verschiedenen weit entfernten Regionen, einerseits in Gebieten nördlich der Alpen sowie andererseits in Teilen
des ostadriatisch-westbalkanischen und des ägäischen Raumes. Mutmaßliche Importe bilden hierbei die Ausnahme.
Anhand fertigungstechnischer und konstruktiver Details der Fibeln lassen sich sowohl italische als auch jeweils
einheimische Handwerkstraditionen aufzeigen. Ab dem 8. Jh. v. Chr. ist in verschiedenen Gebieten die Herstellung
einheimischer Spiralfibelformen nach süditalischen Vorbildern nachzuweisen. Dabei wurden vornehmlich konstruktive
Besonderheiten der italischen Fibeln auf unterschiedliche Weise in das jeweilige bodenständige Metallhandwerk
integriert. Die Gewandschließen sind Zeugnisse eines Technologietransfers, der von Süditalien ausgehend in
mehrere Richtungen verlief: über die Alpen nach Norden, über die Adria in den ostadriatisch-westbalkanischen
Raum und über das ionische Meer in die Ägäis. Unter Einbeziehung der Fibeltrachten wie auch weiterer Fundgruppen
werden im Anschluss die sozialen Hintergründe dieses Technologietransfers diskutiert.
von Katharina Becker (Dublin)
The mechanisms, chronology and context of the introduction of iron into Ireland are a highly problematic issue.
Until recently, no artefacts, settlements or burials could be identified between the end of the Late Bronze Age
at around 800 BC and the identifiable Iron Age around 300 BC when La Tène material becomes visible in the
archaeological record. These Dark Ages have for a long time made it difficult to identify early iron working
or iron use and to talk about the changes taking place between the Late Bronze Age and La Tène period in
chronological, social or cultural terms. This paper will present the new results from current radiocarbon
dating programmes in which wooden remains associated with bronze and iron spearheads help to fill the
chronological gap and establish a timeline for the changeover between bronze and iron technology early on
in the period. Setting these new results into the context of the emerging evidence for settlement in this
period and iron production sites dating to the later part of the Iron Age, this will lead to a discussion of
the character of the transitional process between bronze and iron and its cultural and social context.
von Birgit Schorer (Rottenburg a. N.)
Die Werkstoffeigenschaften von Silber und seinen Legierungen unterscheiden sich in manchen Punkten von denen
der Gold- und Buntmetalllegierungen. Diese spezifischen Eigenschaften des Silbers spielen eine wesentliche Rolle
bei seiner Verarbeitung, weshalb die in der Gold- und Buntmetallverarbeitung verwendeten Techniken, insbesondere
thermische Verbindungstechniken, nicht immer direkt auf die Verarbeitung von Silber übertragen werden können.
Über die formenkundliche Ansprache hinaus konnten in den letzten Jahren durchgeführte makro- und mikroskopische
Untersuchungen, vor allem an Fallbeispielen aus der Schweiz und Süddeutschland, sowie einzelne Metallanalysen
und ergänzende experimentelle Studien neue Aspekte zu technischen Fragestellungen erbringen. An ausgewählten
Funden des Schweizer Mittellandes soll veranschaulicht werden, mit welchen technischen Mitteln und Verfahren
das Material Silber in der Früh- und Mittellatènezeit verarbeitet wurde und welche Techniken dagegen bei der
Herstellung vergleichbarer Gold- und Buntmetallobjekte eingesetzt worden sind. Weitere Beispiele von
Silberschmuck aus anderen Regionen nördlich der Alpen, die ebenfalls Informationen zur latènezeitlichen
Verarbeitung dieses Edelmetalls und dem technischen Kenntnisstand liefern, sollen vergleichend hinzugezogen
werden.
Darüber hinaus kann anhand der Fundbeispiele aufgezeigt werden, welche Auswirkungen die technischen Aspekte auf
die Interpretation der Funde hinsichtlich ihrer kulturellen Zuweisung und bezüglich einer handwerklichen
Spezialisierung haben können.
von Barbara Armbruster (Toulouse)
Der Vortrag behandelt Fragen von Austausch und Transfer technologischen Wissens im Feinschmiedehandwerk am
Beginn der Eisenzeit. Dabei geht es konkret um Goldobjekte und die Herkunft ihrer Herstellungstechniken. An
Prestigeobjekten aus Edelmetall lassen sich einerseits die Beständigkeit lokaler Traditionen und indigene
Innovationen nachweisen. Andererseits lassen sich exogene Einflüsse beobachten, die sich in Imitationen oder
aber in der Übernahme von fremden Formen und Techniken manifestieren. Letztere beruhen auf kulturellem Kontakt,
der sich in verschiedenen Phänomenen äußert - etwa im gemeinsamen Auftreten traditioneller und neuer Merkmale
in hybriden Objekten, oder in einer vollständigen Assimilation neuer Stil- und Technikelemente. Anliegen des
Beitrages ist es, das Konzept der aktiven materiellen Kultur mit seinen theoretischen Grundpfeilern und
anschaulichen Beispielen darzulegen. Dieses Konzept stellt Technologie und Technik, auf welchen die Produktion
materieller Güter beruht, als bedeutende Elemente für das Verständnis der Entwicklung schriftloser Gesellschaften
heraus. Nach einer methodischen und theoretischen Betrachtung werden zwei Fallstudien gegenübergestellt, an
denen Ursprünge und der Transfer von handwerklich-technischem und künstlerischem Wissen demonstriert werden:
Die keltisch geprägten Goldarbeiten der Späthallstattzeit Nordostfrankreichs, der Schweiz und
Südwestdeutschlands, und die früheisenzeitlichen Erzeugnisse der stark durch die östlichen Mittelmeerkulturen
beeinflussten Goldschmiedekunst der Iberischen Halbinsel. In beiden Fällen lassen sich Ursprünge bestimmter
Form- und Technikmerkmale aus der vorangegangenen Spätbronzezeit belegen, die jedoch durch ganz
unterschiedliche äußere Einflüsse zu entsprechend verschiedenen Ausprägungen in der Erzeugung von
Prestigegütern führten.
von Laurent Olivier (Saint-Germain-en-Laye)
A new research project, devoted to the study of the " Briquetage de la Seille ", a huge complex of salt production
sites dating to the Iron Age and located in Lorraine, has been carried out from 2001. Extensive geophysical surveys
have revealed the internal structure of the workshops, that cover up to several tens of hectares. Archaeo-environmental
studies have provided evidence of a strong impact of such a "proto-industrial" activity on the
natural milieu. The latest research undertaken has revealed substantial evidence of Iron Age funerary practice
in the immediate vicinity of the salt production workshops. Analysis of the individuals present within these
cemeteries indicates that they most likely represent the groups controlling the salt-producing community.
von Karina Grömer (Wien)
Das Thema "Produktion" ist Ausgangspunkt, in deutlicher Weise die Komplexität des prähistorischen Textilhandwerkes
aufzuzeigen. Die verschiedenen notwendigen Arbeitsschritte zur Herstellung eines Gewebes gehen weit über das reine
Spinnen und Weben hinaus: Diverse Arbeiten zur Rohstoffgewinnung, Materialaufbereitung, das Spinnen, verschiedene
Web- und Verzierungstechniken, sowie die nötige Nachbearbeitung, nachdem das Gewebe vom Webstuhl abgenommen wurde
(etwa Walken oder Färben). Das Nähen stellt schließlich die wesentliche Verbindung zwischen der textilen Fläche
und dem fertigen Objekt (Kleidungsstück...) dar. Für all diese Arbeitsschritte werden unterschiedliche Geräte
benötigt, aber auch sonstige Ressourcen wie Anbauflächen, Platzbedarf oder spezialisiertes Know-how.
Anhand ausgewählter Beispiele werden Möglichkeiten dargestellt, die in der Interpretation der Textilien und
textilen Gerätschaften liegen. So etwa Diskussionen über die produzierenden Personen, sowohl deren Geschlecht als
auch, ob die Tätigkeiten bereits in der Eisenzeit arbeitsteilig durchgeführt wurden, wie dann aus römischer Zeit
bekannt.
Die eisenzeitliche Textilproduktion im österreichischen Raum ist höchst vielfältig. Es wurden unterschiedliche
Webwaren hergestellt, die vor allem durch die Funde aus den Salzbergwerken Hallstatt und Dürrnberg noch in
eindrucksvoller Weise farbig überliefert sind. Die eisenzeitlichen Webwaren sind etwa schmale (1-3 cm Breite)
und auch breitere Bänder (8-15 cm Breite), die mit Bandwebtechniken mittels Litzenstäben oder Webkamm gefertigt
wurden. Brettchenweberei ist in der österreichischen Eisenzeit ebenso bekannt, sowie großflächige Gewebe, die
am Gewichtswebstuhl hergestellt wurden.
Die Textilgeräte wie Spinnwirtel und Webgewichte finden sich sowohl in Höhen- als auch Flachlandsiedlungen. Verschiedene
experimentalarchäologische Versuche sowie daran angelehnte rechnerische Überlegungen sollen den Konnex zwischen den
textilen Werkzeugen aus den Siedlungen und den zeitgleichen Textilien aus den Gräbern und Salzbergwerken herstellen.
Dabei stehen funktionstechnische Experimente im Vordergrund. Ein besonderes Interpretationsfeld geben in-situ-Lagen
von Webgewichten. Hier kann die Frage untersucht werden, ob sich die Textilproduktion auf Höhensiedlungen und in
Flachlandsiedlungen unterscheidet, indem hergestellte Stoffqualitäten und -breiten analysiert werden.
Das Bild zur Produktionsstruktur des Textilhandwerks, das durch die Analyse der Geräte und Textilien möglich ist,
wird auch für diachrone Betrachtungen verwendet, für die produktionstechnische und strukturelle Entwicklung des
Textilhandwerks von der Hallstatt- zur Latènezeit.
von Barbara Fath (Freiburg)
Gewebe und deren Herstellung sind ein wichtiger Bestandteil im Grabbrauch der früheisenzeitlichen Nekropolen
Verucchio, Bologna, Este und Padua. Aufgrund der guten Erhaltungsbedingungen für organische Materialien zeigt
sich, dass Stoffe regelhaft als verhüllendes Element der zwiebelartigen Grabstruktur verwendet wurden.
Charakteristisch für diese Gräber ist auch, dass die Herstellung von Textilien durch Abbildungen dargestellt
und durch die reale Beigabe von Spinn- und Webwerkzeug inszeniert wird.
Kennzeichnend für diese Textilwerkzeuge sind Verzierungen, die regelhaft auch auf Stoffen und Gefäßen vorkommen.
Das Spinn- und Webwerkzeug fällt zudem durch die Verwendung sonst seltener Materialien wie Bernstein, Glas und Silber
sowie durch den Gebrauch aufwendiger Herstellungstechniken auf. Bestattungen, die mehrere der untersuchten
Fundgruppen - Textilien, Textilwerkzeuge und bildliche Darstellungen - beinhalten, unterscheiden sich in ihren
Beigaben von den übrigen Bestattungen durch besonders viele verschiedene Materialien und durch eine große funktionale
Bandbreite der Artefakte. Die materialveredelten Werkzeuge und die Tatsache, dass das Spinnen und Weben bildlich
dargestellt werden, sprechen dafür, dass vor allem dem Vorgang der Herstellung besondere Bedeutung beigemessen
wurde. Hierbei ist nicht das alltägliche Weben gemeint, sondern die Herstellung von hochwertigen Stoffen für die
Grablege, deren Herstellung besonderes Wissen und besondere Techniken erforderte. Die gesellschaftliche Relevanz
dieses Könnens lässt sich nicht nur anhand der lokalen Stratifizierung der Gräber ablesen, sondern ist auch
daran zu erkennen, dass in den besonders aufwendigen Bestattungen in Frög, Klein Klein und Sopron ebenfalls
Stoffe und die Gewebeherstellung eine prominente Rolle spielen.
von Tomaso Di Fraia (Pisa)
Le village de Fonte Tasca (Commune d'Archi, Abruzzes, Italie), habité pendant l'âge du bronze final jusqu'au
début de l' âge du fer (environ 1150 - 950 av. J.-C.), a donné une grande masse de matériaux archéologiques,
parmi lesquels un considérable nombre (outre 300) de fusaioles, poids à métier en forme de tronc de pyramide
et bobines, tous en céramique. L'étude de telles piéces a permis de reconstruire quelques aspects fondamentaux
des activités de filage et tissage, même dans leurs implications socio-économiques. Dans cette contribution
on propose d'abord une analyse mise à jour des susdits outils, presque tous d'excellente facture et fortement
standardisés. On procède donc à leurs interpretation fonctionnel, avec une particulière attention à la
controversée interpretation des bobines, en tenant compte même des contextes qui offrent donnés comparables
dans le cadre italien et méditerranéen, outre la présence, dans le même site de Fonte Tasca, d'autres pièces
très significatives, comme les aiguilles en os et en bronze.
Il en résulte un scénario de haute spécialisation, qui visait surtout à la réalisation de filés et tissus
raffinés, avec une forte production évidemment orientée en bonne partie vers l'exportation; c'est peut-être
la première fois dans la protohistoire italienne que, dans une communauté préurbaine, de telles activités
semblent assumer un important rôle économique, bien à au-delà de la sphère domestique. On cherche donc à
déterminer les raisons du remarquable développement du filage et du tissage attesté dans ce site, à délinéer
le contexte socio-économique général et à vérifier si on peut les mettre en rapport avec des influences
extérieures, surtout du monde égéen, comme il a été supposé pour une autre importante spécialisation du site,
c'est-à-dire l'oléiculture et la production d'huile.
von Virginie Defente (Rennes)
During the 4th century BC, craftsmen of the middle Rhine valley introduced changes in decorative arts. They
ornamented their metal objects (bronze, iron) with red glass, a material unknown before in Europe. A technical
correlation can be established between red glass developments and iron working improvements which
characterized the 4th century BC.
Red glass is used as a semi-precious stone and is enamelled. These technical changes indicate new decorative
orientations taken during the 4th century BC in Central Europe. Early Iron Age traditionnal materials such as
amber, coral or other materials, gradually came out of fashion, as red glass decorations gained more
importance and enamel became more frequently used.
The objects ornamented with red glass belong to the end of the 5th century - early 4th century BC and are
mainly jewels, or even weapons; they are all funeral objects. The corpus indicates a distribution clearly centred
in the middle Rhine Valley with a diffusion towards the south of Europe (north Italy), the east (Austria,
Hungary) and the west (Champagne area, Yorkshire area). This geographical aspect can be correlated with
migrations during the 4th century BC, well known in Italy, but also known in western and eastern parts of
Europe.
Concerning the owners of ornamented red glass objects, funeral contexts show specially rich groups of objects
belonging mainly to women, some also to men. Did these new technical productions become the mark of a regional
group, or are they the indication of a particular social status?
von Natalie Venclová und Václav Hulínsky (Praha)
Large unenclosed settlements with specialised production activities have their beginnings already in the
3rd century B.C. in Central Europe. The recently (re)discovered settlement of Nemcice in Moravia (Czech
Republic) belongs to the most prominent sites of that type. The finds from the site dated from LT B2 to
the end of LT C2 and include, besides pottery, at least 1500 bronze items, some 100 iron objects, more than
500 coins and numerous glass objects.
The glass collection from Nemcice represents by its more than 1000 pieces the largest assemblage in
La Tène Europe, dating mostly to the LT C1, and also to the LT C2 period. The collection encompasses the full
range of "Celtic" glass artefacts. Glass bracelets, with 518 specimens, are second only to the collection found
at Manching. Significant is the presence of hundreds of pieces of glass waste, of which some types were
unknown in the La Tène contexts until now; it includes lumps of raw glass, semi-products and rejects of beads,
glass threads and drops.
Neutron activation analysis (NAA) and X-ray microanalysis (EPMA) of final products as well as production waste
were conducted. No substantial differences have been observed in comparison with previously analysed Celtic glasses
as well as to samples from the Sanguinaires wreck and from the Netherlands which were analysed at the same time. The
minor differences found seem to correspond to differences caused by individual smelts rather than different
workshops.
Nemcice can be classified as the earliest recorded glass workshop in the La Tène Europe. Other workshops were
only presumed according to the distribution and accummulation of glass products or single finds of raw glass.
Questions connected to the origin of La Tène period glass, distribution of raw glass and parallel glassworking
in Europe are discussed.
von Maciej Karwowski (Rzeszów)
Eine der charakteristischsten Fundgattungen der mittleren und späteren Entwicklungsphase der La
Tène-Kultur sind Glaserzeugnisse. Es handelt sich dabei fast ausschließlich um Glasschmuck: Armringe, massive
Ringperlen und Fingerringe. Diese Schmuckart ist von Beginn der Mittellatènezeit an sehr verbreitet und tritt
auf allen besser erforschten Siedlungen der La Tène-Kultur auf, in mehreren Fällen als die häufigste
nichtkeramische Fundkategorie. Glaserzeugnisse kommen in keiner anderen archäologischen Kultur in Europa
so zahlreich vor. Neben der großen Menge der Funde ist die hohe Glasqualität, aus welcher sie hergestellt sind
(die bis dahin in Europa nicht bekannt ist), sowie ihre typologische Vielfältigkeit bemerkenswert. Aus diesem
Grund stellt der Glasschmuck der La Tène-Kultur, neben den metallenen Fibeln, die am häufigsten chronologisch
"empfindliche" Fundkategorie dar, welche gleichzeitig eine regionalspezifische Tendenz aufweist.
Trotz der deutlich steigenden Aufmerksamkeit der Forscher am La Tène-Glas in den letzten 20 Jahren ist es bisher
weder gelungen, die Werkstätten eindeutig zu lokalisieren, noch die Schlüsselfrage zu klären, ob das Glas auf dem Gebiet
der La Tène-Kultur überhaupt hergestellt worden ist oder nur als Halbprodukt importiert und dann bearbeitet
wurde.
Wir wissen auch nicht, woher die Träger der La Tène-Kultur die Kenntnis der Glasbearbeitung übernommen haben,
obwohl hier nur die pontischen und mediterranen Gebiete in Frage kommen können. Die Angaben, die uns zurzeit
zur Verfügung stehen, zeigen eindeutig, dass die Glaskünstler der La Tène-Kultur nicht nur die Gestaltungskenntnis
des fertigen Erzeugnisses bis zur Perfektion beherrscht haben, sondern auch die chemische Glaszusammensetzung
ganz bewusst kontrollierten, um die erwünschte Qualität, Durchsichtigkeit und Färbung zu erzielen. In den
Gebieten, aus welchen die Glaskenntnis übernommen werden konnte, war so fortgeschrittene Technologie unbekannt.