Neues zu den "Raetern"

von Gerhard Tomedi

Gräberfelder gelten üblicherweise als wichtigster Schlüssel zur Analyse von Sozialstrukturen vorgeschichtlicher Gesellschaften. Anthropologische Daten verknüpft mit dem Fundus an Grabbeigaben können einen deutlichen Einblick in den zeitlich und regional wechselnden Aufbau von Hierarchien bieten.
Im alpinen Raum wurden indes die Verstorbenen stets sehr schlicht bestattet. Daraus zog man - wohl zu voreilig - den Schluss auf eine eher egalitäre Gesellschaft, stammen doch aus rituellen Deponierungen der Region zahlreiche und durchaus emische Prestigegüter, deren einzige Adressaten sicher Angehörige einer lokalen Oberschicht waren, die wegen der Art der Hinterlegung jedoch gewissermaßen anonym bleiben.
Auch die Siedlungsarchäologie vermag inzwischen deutliche Belege für das Auftreten von Eliten zu geben. Neben Einzelgehöften, weilerartigen Anlagen, Haufendörfern und einer eben erst entdeckten geradezu durchgeplanten Großsiedlung in Pfaffenhofen konnte z. B. in Fritzens eine Art "Akropolis-Modell" aufgezeigt werden. Ein weiteres Ranking nach dem bautechnischen Aufwand beträchtlich großer und festgefügter Gebäude vom Typ der "casa Retica" sowie nach der Exklusivität der Hausinventare bietet sich zudem an.

Gerhard Tomedi
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Leopold-Franzens-Universität
Innrain 52
A - 6020 Innsbruck
Gerhard.Tomedi@uibk.ac.at

Cultural relationships and trades during the Iron Age in the Adige basin

von Franco Marzatico

This paper will illustrate, in diachronic succession starting from the First Iron Age until the end of the Second, an overview of evidence of the relationships and exchanges among the cultures of the Adige basin and adjacent or nearby areas. Analysis of the available material, which unfortunately in many cases is only sporadic, enables us to discern areas of gravitation and privileged cultural exchanges in different periods. In the first phase of Iron Age, there seem to have been decisive contributions from the Po valley area and farther down the peninsula, while during the end of the First Iron Age we can see the effects of a consolidation of relations with the Paleoveneto and Hallstattian circle, although influences from the "Italic" sphere remain. In the sphere of the later culture of Fritzens-Sanzeno, though in a peculiar cultural framework, it is generally known that there was an observable resumption of connections with the Etruscan world and later with large areas of Celtic culture. From the earliest archeological studies of the region, the evidence of these elements has fired the debate on the cultural configuration of the populations of the Adige basin, often with attempts to tip the balance in the direction of nationalistic interests.

Von Süden betrachtet: die Alpen als Grenze?

von Loup Bernard, Dominique Garcia

Wir werden den aktuellen Forschungsstand und die Fragestellungen, die von den südfranzösischen Institute und Behörden bezüglich des Themas in Bearbeitung sind, vorstellen. Anhand von Kartierungen, Feldbegehungen sowie einigen Plan- und Notgrabungen hat sich in den letzten Jahren das Bild der südwestlichen Alpen und ihrer Beziehungen zu den umliegenden Gebieten verändert. Die Verbreitung der Münzen, der Keramik, des Siedlungsbildes sowie der angenommenen Wegstrecken zeigen deutlich, dass die südwestlichen Alpen gleichzeitig eine Grenze, aber auch ein Bindeglied zwischen der Keltike und dem Mittelmeergebiet waren.

Loup Bernard, Dominique Garcia
Université de Provence/Centre Camille-Jullian
MMSH5, rue du Château de l'Horloge
BP 647
F-13094 Aix-en-Provence cedex
loupbernard@hotmail.com
garcia@mmsh.univ-aix.fr

Vergleichende Betrachungen zu den transalpinen Beziehungen in Hallstattzeit und älterer Latènezeit

von Wolfgang David

Ausgangspunkt sind einige Verbreitungsbilder beiderseits des Alpenkammes vorkommender Gegenstandsformen, in denen sich transalpine Beziehungen zwischen Mitteleuropa und Italien widerspiegeln. Sie werden vor dem Hintergrund der im Laufe von Hallstatt- und Latènezeit sich verändernden kulturellen und historischen Rahmenbedingungen einer vergleichenden Betrachtung unterzogen. Einige der sich daraus im Hinblick auf die Interpretation des archäologischen Befundes ergebenden Fragen werden der Arbeitsgemeinschaft zur Diskussion gestellt.

Wolfgang David
Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Platz 1
D-80539 München
Wolfgang.David@vfpa.fak12.uni-muenchen.de

"Per Taurinos": Piedmontese Alpes in the 1st millenium BC as a filter between Northern Italy and Transalpine Europe

von Francesco Rubat Borel

The Alps in Western Piedmont were always the way through which people had to pass when travelling between Italy and North-western Europe. Although Eastern Piedmont, the area of the Golasecca Culture, has been known for a long time, archaeological research has permitted a reconstructions of the Iron Age, in Western Piedmont only during the last thirty years. The environment determines every insediative model in the region: the highest mountains in Europe, deep and long valleys suddenly leading into a plain crossed by navigable rivers.
In spite of a common culture in the Late Bronze Age (Protogolasecca), from the 9th century BC, when the Italian Early Iron Age starts, we can see different developments between Eastern Piedmont and in Lombardy on the one hand (Golasecca culture, a complex society with the protourban settlements of Castelletto Ticino and Como connecting Italy and Central Europe), Western Piedmont on the other hand: in Turin Province and in Aosta Valley there were hilltop villages and hamlets, dominating the lower part of alpine valleys and the plain, the region seems to have been organized into small chiefdoms, with rich burials in barrows with unfigured stelae, always on the routes toward alpine passes. From social and insediative organisation, fine products and art we can interpret Western Piedmont as a filter between a centre (Italy) and a periphery (Westhallstattkreis), reaching from both the areas but without a complex development.
Small alien warrior groups had already arrived in 6th-5th centuries BC, crossing the Alps and carrying inhumation and graves into higher valleys and in former settlements. We can interpret them as the first presence of transalpine Celts, leading a "Räuberexistenz". In the second half of the 5th century all previous hilltop settlements are no longer inhabited, corresponding to the Transalpine Celtic migration into Italy: the ancient historians said that Gauls used the same routes ("per Taurinos" in Livy) known by the finding of fine goods.
From the 4th century BC onwards the Western Alps region was reorganized by the Taurisci (homonymous of the people in Noricum), also known as Taurini, with a great fortified settlement ("una urbs, caput gentis" in Livy, "barytate polis" in Polybius) on the site of modern Turin.

Francesco Rubat Borel
via Germonio 17/A
I-10095 Grugliasco (TO)
f.rubatborel@aliceposta.it

Trans- und zirkumalpine Verbindungen im typologischen Beziehungsgeflecht ältereisenzeitlicher Brillenfibeln

von Sabine Pabst-Dörrer

Mit dem Beginn der älteren Hallstattzeit treten in Grabfunden der nördlichen Ostalpen und deren Vorland (namentlich im Inn-Salzach-Raum und in Oberösterreich) unvermittelt Frauentrachten auf, die sich durch Brillenfibeln auszeichnen. Dieses Phänomen wird auf der Grundlage einer neu erstellten, umfassenden Typengliederung der Brillenfibeln untersucht. Die Berücksichtigung fertigungstechnischer Details ermöglicht hierbei eine präzisere räumliche und zeitliche Differenzierung der Gewandhaftenform.
Es werden verschiedene Brillenfibeltypen vorgestellt, anhand deren Verbreitungsbildern sich Verbindungen zwischen unterschiedlichen Kulturräumen der Ostalpen und der vorgelagerten Landschaften während der älteren Eisenzeit aufzeigen lassen. Um den Charakter der herausgestellten Beziehungen näher zu beleuchten, erfolgen vergleichende Betrachtungen zu den Brillenfibeltrachten der betreffenden Regionen. Vor diesem Hintergrund manifestieren sich schließlich die Kommunikationsstränge, die zur Genese der hallstattzeitlichen Brillenfibeltrachten am nördlichen Ostalpenrand führten.

Rundbodige Körbchenanhänger im Süden - Göritzer Bommeln im Norden. Ein gleicher Anhängertyp oder doch etwas ganz anderes?

von Barbara Teßmann

Obwohl Körbchenanhänger schon häufig Gegenstand der Forschung waren, sollen sie erneut einer eingehenden Untersuchung unterzogen werden. O.-H. Frey unterschied 1957 zwischen rundbodigen und spitzbodigen Körbchenanhängern bzw. solchen mit profiliertem Endknopf. Er versuchte anhand der Anhänger südlich der Alpen, die dort in den jüngeren Abschnitt von Golasecca 2 bzw. in die Stufe Este 3 datieren, und der späthallstattzeitlichen Anhänger nördlich der Alpen Kontakte aus dem Golasecca-Gebiet über die Alpen nach Norden aufzuzeigen. Pauli sah in diesem Anhängertyp Amulette und bezweifelte den von Frey postulierten Austausch über die Alpen und nahm statt dessen eher lokale Nachahmungen an. Eine deutliche Fundkonzentration der rundbodigen Körbchenanhänger ist im Gebiet der Golasecca-Kultur, zu beobachten. Von hier streuen die Funde vor allem nach Nordwesten ins westliche Frankreich und nach Norden ins Schweizer Mittelland bzw. in die Nordschweiz und nach Südwestdeutschland. Eine weitere Fundverdichtung ist im westlichen Slowenien festzustellen, deren Ausläufer bis in den japodisch-liburnischen Raum reichen.
Eng verwandt mit den rundbodigen Körbchenanhängern sind die Bronzebommeln des nördlichen Mitteleuropa, die eine typische Schmuckform der Göritzer Gruppe darstellen und deshalb auch oft als Göritzer Bommeln bezeichnet werden. Sie sind eine Leitform der jüngeren Phase (Stufe II/III) der Göritzer Gruppe. Das Hauptverbreitungsgebiet dieser Bommeln befindet sich im unteren Elb-Havel-Bereich im Gebiet der Jastorf-Kultur, entlang der mittleren und unteren Oder im Bereich der Göritzer Gruppe und zwischen Warta und Wisla, sowie im Gebiet an der ostpommerischen Küste im Gebiet der Gesichtsurnen-Kultur. I. und S. Griesa hielten eine Beeinflussung der Göritzer Bommel durch die Körbchenanhänger aus chronologischen Gründen für nicht möglich. Die Körbchenanhänger entstanden ihrer Meinung nach im Bereich der Golasecca-Kultur im Laufe bzw. am Ende der Stufe Ha D, die Göritzer Bommeln sind typisch für die zeitgleiche Stufe II/III der Göritzer Gruppe. Vielmehr nahmen sie eine Beeinflussung durch geschlitzte Anhänger und Bronzerasseln an.
Mit einer erneuten systematischen Aufarbeitung der Körbchenanhänger sollen einerseits Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede zu den Göritzer Bommeln untersucht werden, andererseits soll festgestellt werden, ob sich lokale Gruppen abgrenzen lassen bzw. wie sich das zeitliche Verhältnis der einzelnen Typen untereinander verhält.

Barbara Teßmann
Institut für Prähistorische Archäologie
Altensteinstr. 15
D-14195 Berlin
barbaratessmann@gmx.de

Potnia und Despotes Theron - Transalpine Kontakte im Spiegel figürlicher Kunst der frühen Latènezeit

von Jennifer Bagley

Im Sommer 2004 wurde bei Oberau, Ldkr. Garmisch-Partenkirchen, das Bruchstück eines durchbrochen gearbeiteten Gürtelhakens gefunden. Trotz der fragmentarischen Erhaltung lässt es sich eindeutig den frühlatènezeitlichen Gürtelhaken der Variante Castaneda zuordnen. Verbreitet sind diese vor allem im zentral- und ostzirkumalpinen Raum mit dem südlichsten Stück in der Poebene und dem nördlichsten am Bodensee.
Sie zeigen eine zentrale anthropomorphe Figur mit ausgestreckten Armen, die nach den beiden sie begleitenden doppelköpfigen Vogelkopfleiern greift. Es handelt sich dabei um das auch in Vorderasien und dem Mediterraneum bekannte Motiv der Potnia bzw. des Despotes Theron. Es wird schon zu Beginn der frühen Latènezeit auch im Gebiet nördlich der Alpen von Zentralfrankreich über die Mittelgebirgszone bis nach Westpolen aufgenommen und ist südöstlich der Alpen bis auf den Balkan verbreitet. Insgesamt sind bis heute 22 Objekte aus dem Gebiet der Latènekultur bekannt, die dieses Motiv tragen. Es handelt sich dabei vor allem um Gürtelhaken, Schwertscheiden und Trinkgeschirr, in selteneren Fällen aber auch um Trachtbestandteile und Schmuck sowie um einen Achsnagel aus St. Pölten-Unterradlberg.
Alle Stücke weisen eindeutige Merkmale der figürlichen Kunst der frühen Latènezeit auf. Zu nennen ist dabei im Besonderen die Reduzierung der menschlichen Figur auf den Kopf und die Umsetzung des Motivs in der Stilistik der cheshire cat. Das über Importe und Kulturkontakte mit dem Mediterraneum bekannt gewordene Motiv der Potnia bzw. des Despotes Theron wird also nicht unreflektiert übernommen, sondern nach eigenem Geschmack überprägt.
Im Rahmen dieses Vortrages sollen die oben genannten Stücke vorgestellt und in Bezug auf ihre Ikonographie und Chorologie untersucht werden. Auf dieser Grundlage kann vor dem Hintergrund der aus dem mediterranen Raum bekannten Stücke der Ansatz einer Interpretation versucht werden.

Jennifer M. Bagley
Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie
Geschwister-Scholl-Platz 1
D-80539 München
Jennifer.M.Bagley@gmx.net

Cis et trans Alpes: die Nekropole von Giubiasco (TI) im Schnittpunkt alpiner Routen der Eisenzeit

von Philippe Della Casa, Eva Carlevaro, Lionel Pernet, Biljana Schmid-Sikimic, Luca Tori, Gianluca Vietti

Die Nekropole von Giubiasco (TI), in der unmittelbaren Nähe von Bellinzona gelegen, gehört mit ihren 500 dokumentierten Gräbern der späten Bronze-, Eisen- und römischen Kaiserzeit zu den größten vorgeschichtlichen Friedhöfen des Südalpenraumes. Im Rahmen eines vernetzten Projektes des Schweizerischen Landesmuseums, der Universität Zürich und weiterer Institutionen erfolgt seit dem Jahre 2002 eine umfassende quellenkritische Analyse dieser Nekropole, im Rahmen welcher bereits ein Band über die Dokumentation erschienen ist. Ein zweiter Band, der den Gräbern der späten Latène- und römischen Zeit gewidmet ist, steht kurz vor Abschluss; ein dritter Band zu den Gräbern der späten Bronze- und älteren Eisen-/Latènezeit ist in Vorbereitung. Der hier vorgestellte Beitrag verbindet einen diachronen mit einem thematischen Ansatz. Anhand ausgewählter Objekte sollen im Kontext der jeweiligen Perioden (ältere/jüngere Eisen-/römische Zeit) alpenquerende Verbindungen diskutiert werden, insbesondere in Bezug auf Elemente der weiblichen Tracht, Waffen und Metallgefässe, für die jüngsten Perioden auch Keramik. Es ergeben sich daraus höchst interessante Rückschlüsse auf die Stellung des "Knotenpunktes" Giubiasco innerhalb des Gefüges cis- und transalpiner Kontakte.

Philippe Della Casa, Eva Carlevaro, Lionel Pernet, Biljana Schmid-Sikimic, Luca Tori, Gianluca Vietti
Universität Zürich
Abteilung Ur- und Frühgeschichte
Karl-Schmid-Str. 4
CH-8006 Zürich
prehist@uhist.unizh.ch

Böhmen und die Fernverkehrsverbindungen quer über die Alpen in der Späthallstatt- und Frühlatènezeit

von Miloslav Chytrácek

Importe aus dem mediterranen Raum, die in reichen Gräbern und Siedlungen der Späthallstatt- und Frühlatènezeit gefunden wurden, zeugen von der Rolle Böhmens im damaligen Verkehrsnetz, insbesondere von seinen Beziehungen zu einigen Zentren der Hochkulturen im Mittelmeerraum. Allgemein wird vorausgesetzt, daß Böhmen diese Bedeutung erst zukam, nachdem zu Anfang des 6. Jh. die östlich der Alpen verlaufende Trasse der Bernsteinstraße aufgegeben und vermehrt weiter im Westen liegende Wege genutzt wurden.
Die etruskischen Bronzegefäße in reichen Fürstengräbern der Frühlatènezeit werfen eine Reihe interessanter Fragen auf, z.B. nach der Art und Richtung dieser Fernkontakte. In Böhmen ist die Zahl der außergewöhnlichen Siedlungsfunde in den letzten Jahren beträchtlich angewachsen: es handelt sich vor allem um griechische Importkeramik oder Nachahmungen etruskischer und griechischer Tonware. Die neuesten Funde beweisen, dass Nachbildungen rotfiguriger Keramik auch bei den Kelten in Böhmen vorkamen. 2001 wurde in einer frühlatènezeitlichen Flachsiedlung im Gebiet von Chrzín (Mittelböhmen) in einem Lt A-Grubenhaus das Fragment einer Schale entdeckt, deren polychrome Verzierung an der Innenseite der Nachahmung einer rotfiguren Schale von Pilsen-Roudná nahesteht. In der Lt A-Siedlung von Chrzín sind sowohl Metallgießen, Schmuckherstellung als auch die Bearbeitung von Rohbernstein nachgewiesen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Nachahmungen zerbrechlicher und für den Fernhandel wenig geeigneter luxuriöser tönerner Trinkgarnituren im Umfeld der einheimischen keltischen Nobilität prosperierender mitteleuropäischer Machtzentren weit mehr verbreitet waren, als die vereinzelten Funde andeuten.
Von einer Reihe befestigter Anlagen in Böhmen, die in die Zeitspanne des 6.-5. Jh. v. Chr. gehören, wurden in den letzten Jahren vor allem zwei Fundorte zu den wichtigen Machtzentren hinzugefügt. Der Burgwall Závist in Mittelböhmen und die Befestigung auf dem Berg Vladar in Westböhmen zeigen mehrere gemeinsame Merkmale, vor allem eine dominante Stellung in der Landschaft und die riesige Ausdehnung und Mächtigkeit des Befestigungsystems. Einzigartig ist eine kleine gegossene Statuette in Form einer stilisierten männlichen Bronzefigur mit Helm vom Typ Negau, die auf der Akropolis des Burgwalls Vladar gefunden wurde. Das Stück (Bestandteil eines Dreifußes) stammt wahrscheinlich aus Norditalien oder aus dem Ostalpenraum und ist nach etruskischen Vorbildern (Bronzepyxiden) hergestellt. Die befestigten Residenzen, aus denen Gegenstände mit sichtbarer Beziehung zum Mittelmeergebiet bekannt sind, entstanden an den Routen der Fernhandelswege und übernahmen zentralörtliche Funktionen, die weit über die unmittelbare Siedlungskammer hinausgehen. Die gegenwärtige Erforschung des Burgwalls Vladar fand im Rahmen eines wissenschaftlichen Forschungsprojektes statt.

Miloslav Chytrácek
Archäologisches Institut der Akademie der Wissenschaften
Letenská 4
CZ-118 01 Prag 1
chytracek@arup.cas.cz

Aus der Ferne betrachtet: Überlegungen zu den Beziehungen des Rheinlandes über die Alpen während der älteren Eisenzeit

von Hans Nortmann

Mit mindestens 90 südalpinen Importen der Zeit Ha D3-LT B1 nimmt das weitere Mittelrheingebiet eine Sonderstellung ein. In der Forschung fällt diesem Phänomen eine Schlüsselstellung zu, sowohl bei der Analyse regionaler Entwicklung als auch für die 'Frühlatènewende' als Ganzes. Unterschiedliche Herkunfts- und Verbreitungsgebiete, die Chronologie und das Verhältnis zur älteren nordwestalpinen Späthallstattkultur bieten Ansätze und Herausforderung, dem Charakter der transalpinen Kontakte nachzugehen und die zumeist vagen Vorstellungen über Ursache und Ablauf zu sichten.

Hans Nortmann
Rheinisches Landesmuseum Trier - Denkmalpflege
Weimarer Allee 1
D-54290 Trier
h.nortmann@rlmtrier.de

Die Übergänge in den Hohen Tauern in ihrer regionalen und überregionalen Bedeutung während der Eisenzeit

von Andreas Lippert

In der Eisenzeit sind drei Übergänge am Alpenhauptkamm im Bereich der Hohen Tauern von Bedeutung. Das Hochtor am Großglockner im Westen sowie der Mallnitzer Tauern und der Korntauern im Osten. Wie jüngste Forschungen des Salzburger Museums Carolino Augusteum und der Universität Wien zeigen, wurden die Alpentäler nördlich und südlich von diesen Pässen nach den Kupferbergbauaktivitäten der Bronzezeit erst wieder stärker in der Latènezeit aufgesiedelt. Dann spielten der Abbau von Gold- und Silbererzen sowie ein intensivierter transalpiner Handel eine besondere Rolle. Die Übergänge wurden im unterschiedlichen Ausmaß genützt, worauf neben Verlustfunden vor allem Opferplätze schliessen lassen. Wichtige Aufschlüsse zur Begehung der Pässe und der alpenüberquerenden Verkehrslinien in den Hohen Tauern haben auch Pollenanalysen gebracht.

Andreas Lippert
Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien
Franz-Klein-Gasse 1
A-1190 Wien
andreas.lippert@univie.ac.at

Auf´s Pferd gesetzt. Beobachtungen zum Pferdegeschirr aus dem Hohmichele und Sesto Calende

von Julia Katharina Koch

Die Kontakte über die Alpen hinweg zwischen Siedlungen im südwestdeutschen und im norditalischen Raum lassen sich mehrfach belegen. Dabei wird von einer Transportrichtung für Importe und technologisches Wissen von Süden nach Norden ausgegangen. Beobachtungen an dem Pferdegeschirr aus der Umgebung der Heuneburg sowie aus dem Bereich der Golasecca-Kultur lassen jedoch die Vermutung aufkommen, daß es auch einen Rückfluß bei diesem Technologietransfer gab.

Julia Katharina Koch
Historisches Seminar - Professur für Ur- und Frühgeschichte
Universität Leipzig
Ritterstr. 14
D-04109 Leipzig
jkkoch@uni-leipzig.de

Poster

Scythians in the Western Alps? Arrowheads, rock paintings and ancient historians

von Niccolò Manassero, Francesco Rubat Borel

We consider the presence of 6th century BC three-winged arrowheads found in the Western Alpine region and if they are Scythian weapons (less probably Greek or local productions), a rock painting near the Moncenisio pass in Piedmontese Alps representing a riding bowman fighting with other warriors (stylistically dated at the 6th century BC) and some quotations from ancient historians (Herodotus, Strabo, later inscriptions from Provence) who relate names of peoples and breed of ponies in Eastern Europe and Western Alps (Sigynnae and ginnoi).