Migration und Adaption. Ein differenziertes Modell zur Erklärung der latènezeitlichen Przeworsk-Funde in Deutschland

von Michael Meyer (Berlin)

Im Verlauf der Stufe Latène C 2 und dann gehäuft in D 1 treten im Raum westlich der Oder Funde der Przeworsk-Kultur auf, die schon früh das Interesse der Forschung geweckt haben. Die fremdartige Keramik, z. T. kombiniert mit einer in diesem Raum ungewöhnlichen Grabform, dem Brandgrubengrab, wird seit den 1920iger Jahren des letzten Jahrhunderts in aller Regel als Nachweis für eine Migration angeführt. Die ebenfalls ungewöhnliche Waffenbeigabe wird als Hinweis auf einen kriegerischen Charakter dieser Wanderbewegung gesehen und ein Zusammenhang mit der Überlieferung der Züge des Ariovist hergestellt.
Eine systematische Durchsicht und Analyse des Fundstoffes kommt zu einem über weite Strecken anderen Ergebnis. Anhand der unterschiedlichen Grabformen, bei denen die Brandgrubengräber de facto nur eine untergeordnete Rolle spielen, und der unterschiedlichen Einbindung der verschiedenen Grabformen in lokale Nekropolen kann aufgezeigt werden, daß nur für einen geringen Teil der Bestatteten wahrscheinlich gemacht werden kann, daß sie im Zuge von Migrationen in diesen Raum gekommen sind. Im überwiegenden Teil der Bestattungen mit Keramik im Stil der Przeworsk-Kultur sind Einheimische beigesetzt, in deren Grabausstattung adaptierte Formen Eingang gefunden haben. Ein Vergleich mit der im primären Gebiet der Prezworsk-Kultur geübten Sitte der Waffenbeigabe wird deutlich, daß die Einwanderer in den Westen lediglich an einer Tradition festhielten - als Indiz für eine militärische Operation können diese Gräber nicht herangezogen werden.
Die über die Bestattungen erschlossenen Nachweise für eine Einwanderung konzentrieren sich auf bestimmte Regionen - 'kulturelle Inseln' im Sinne Burmeisters. Dieses Bild deckt sich mit der Befundlage in den Siedlungen: während Einzelfunde der fremden Keramik fast flächendeckend im Raum zwischen Oder an Elbe, Havel, Saale und Unstrut und in einiger Zahl noch in der Wetterau auftreten, liegen nur aus diesen enger gefaßten Räumen Siedlungen vor, die (fast) ausschließlich Przeworsk-Material liefern.

Michael Meyer
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Geschichtswissenschaften
Ur- und Frühgeschichte
Hausvogteiplatz 5-7
D - 10117 Berlin
MeyerM@GESCHICHTE.HU-Berlin.de

Die vorrömische Eisenzeit in Pommern. Neue Studien beiderseits der Oder

von Bartlomiej Rogalski u. Björn Rauchfuß (Poznan/Berlin)

Die Grundlagen zur Erforschung der Besiedlung Pommerns während der vorrömischen Eisenzeit wurden bereits im 19. Jahrhundert zunächst durch archäologische Laien, darunter Diether-Dennies von Kleist, Walter Witt und Hugo Schumann, gelegt und durch die Entstehung zahlreicher Museen und Privatsammlungen sowie ur- und frühgeschichtlich orientierter Vereine - hier ist in erster Linie die Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde, Stettin, zu nennen - gefördert. An Intensität gewannen die Bemühungen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts u. a. durch Wilhelm Petzsch, Otto Kunkel und Hans Jürgen Eggers; sie wurden allerdings infolge des zweiten Weltkrieges zunächst unterbrochen.
Zwischen 1945 und den sechziger Jahren erlaubte das politische Klima Polens in Hinter-/Westpommern keine umfassenden Studien zur vorrömischen Eisenzeit, im Besonderen zur Jastorf-Kultur. Eine Ausnahme bilden die Forschungen von Ryszard Wolagiewicz zur Genese der sog. "Odermündungsgruppe" und der "Latènisierung" in Pommern; die Ergebnisse seiner Forschungen sind in der polnischen Fachliteratur bis heute aktuell. Erst seit den siebziger Jahren besteht an der Universität Poznan das bislang einzige Forschungsprogramm zur Besiedlung Pommerns während der jüngeren vorrömischen Eisenzeit. 2003 waren in Hinterpommern etwa 200 Fundplätze der vorrömischen Eisenzeit bekannt. Größtenteils handelt es sich dabei um Einzelfunde oder bereits weitgehend zerstörte Gräberfelder, die lediglich im Rahmen von Notbergungen untersucht werden konnten. Unter ihnen bestehen nur etwa 25 Siedlungen, von denen jedoch keine der Jastorf-Kultur angehört. Vielmehr handelt es sich um Siedlungsplätze der jüngeren vorrömischen Eisenzeit, die der Oksywie-Kultur zugeordnet werden.
In Vorpommern fanden nach 1945 bis in die neunziger Jahre hinein ebenfalls nur sehr wenige und zudem kleinflächige Notbergungen auf Siedlungs- und Gräberfeldarealen statt. Die Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgte in der Mehrzahl der Fälle lediglich in Form kurzer Fundberichte. Ausnahmen stellen die regional konzentrierten Untersuchungen zu einigen Urnenfriedhöfen durch Andreas Reinecke in den achtziger Jahren dar. Eine Änderung - zumindest die Ausgrabung von Siedlungsplätzen betreffend - ergibt sich seit den frühen neunziger Jahren durch eine Reihe linearer Projekte. Im Verlauf dieser Maßnahmen konnten bislang eine große Anzahl Siedlungen zumindest partiell untersucht und ausgewertet werden. Veröffentlichungen beschränken sich leider auch weiterhin in der Mehrzahl auf kurze Vorberichte. Das Befundspektrum der Siedlungsplätze umfaßt in erster Linie Siedlungsgruben sowie eine Reihe unterschiedlicher technischer Anlagen. Trotz der mitunter großflächigen Ausgrabungen ist es bisher nicht gelungen Hausgrundrisse der vorrömischen Eisenzeit nachzuweisen. Stark angewachsen ist das Fundmaterial, das vor allem keramische Formen aber auch chronologisch wichtige Metallobjekte aus dem Schmuck- und Trachtspektrum sowie Tierknochenmaterial enthält. Am Beispiel einiger ausgewählter Fundplätze soll der derzeitige Forschungsstand für beide Landesteile Pommerns aufgezeigt werden.

Bartlomiej Rogalski
Osrodek Naukowo - Konserwatorski PKZ sp. z. o.o. Poznan
bartek-rogalski@wp.pl

Björn Rauchfuß
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Geschichtswissenschaften
Ur- und Frühgeschichte
Hausvogteiplatz 5-7
D - 10117 Berlin
Bjoern.Rauchfuss@alumni.hu-berlin.de

Kulturelle Beziehungen zwischen der Pommerschen Kultur, der Jastorf- und der Oksywiekultur. Das Problem der Kontinuität der Hallstatttradition in Westpommern am Anfang der jüngeren vorrömischen Eisenzeit

von Bartlomiej Rogalski (Poznan)

In der Periode Hallstatt C/D ist es möglich, in Pommern zwei separate Kulturprovinzen aufzuzeigen, die einerseits an die Besiedlung der Pommerschen Kultur und anderseits an die Jastorfkultur gebunden sind. Eine deutliche Grenze bildet das Rega-Tal. Es gibt aber einige Enklaven der Besiedlung der Pommerschen Kultur zwischen den Flüssen Ina und Plonia, also im reinen Jastorf-Gebiet, die man mit Einflüssen der Pommersche Kultur aus Grosspolen verbinden kann. In der Periode Jastorf IIa (Stufe A2/A3 nach Wolagiewicz) wird West- und Hinterpommern durch die Oksywie-Kultur besiedelt. In der jüngeren Literatur wird behauptet, dass es keine kulturelle Kontinuität zwischen der Jastorf- und der Oksywiekultur gäbe. Auf Grundlage der Keramikanalyse, besonders der Mikromorphologie, kann jedoch eine deutliche Fortführung des Hallstattstils in West- und Hinterpommern noch in der jüngeren vorrömischen Eisenzeit (Stufen A2 - A3 nach Wolagiewicz) nachgewiesen werden.

Bartlomiej Rogalski
Osrodek Naukowo - Konserwatorski PKZ sp. z. o.o. Poznan
bartek-rogalski@wp.pl

Przeworsk-Einflüsse in der Oksywie-Kultur

von Piotr Luczkiewicz (Lublin)

Es besteht ein wissenschaftlicher Mythos der Isolation der Oksywie-Kultur von der Przeworsk nach der Entstehungsphase. Die Wurzeln der Oksywie-Kultur liegen unbestritten in der Przeworsk-Kultur, jedoch habe die nördliche Bevölkerung angeblich in mehr oder weniger Isolation gelebt und nur Kontakte vor allem mit der Ostseezone (Jütland und Südskandinavien) gepflegt. Die spärlichen südlichen Kontakte sollen nur von sekundären Bedeutung gewesen sein. Das entspricht jedoch nicht dem Quellenbestand, da man über zahlreiche Hinweise auf Kontakte verfügt. Es handelt sich dabei nicht nur um verschiedenen Fundtypen, wie Fibeln, Schnallen, Schwerter usw. Es sind diese Einflüsse und Kontakte auch auf anderen Ebenen zu sehen: die Nutzung von Rohstoffe aus dem Süden (z.B. Eisen aus Südpolen im Gräberfeld von Wygoda), die innere Struktur des Kriegertums der Oksywie-Kultur (prozentuelle Anteile der verschiedenen Ausstattungs- und Kriegergruppen), Statussymbole usw.

Piotr Luczkiewicz
Katedra Archeologii UMCS
Plac. M. Curie - Sklodowskiej
PL - 20-031 Lublin
piotr_luczkiewicz@hotmail.com

Bemerkungen zu den Holsteiner Gürteln

von Ronald Heynowski (Dresden)

Bei den Holsteiner Gürtel handelt es sich um Prachtgürtel der jüngeren vorrömischen Eisenzeit, die im östlichen Schleswig-Holstein, in Westmecklenburg und in Nordostniedersachsen verbreitet sind. Unter der Bezeichnung werden zwei Gürtelformen zusammengefasst, die vermutlich auch in funktionaler Einheit zueinander standen. Zum einen sind dies Zierketten aus Ringen und plattenförmigen, verzierten Gliedern, zum anderen Gürtel, deren charakteristischer Aufbau aus einem mit verziertem Bronzeblech belegten, eisernen Plattengürtelhaken, einem mit Scharnierverbindungen angeschlossenen, ebenfalls Bronze verzierten Mittelstück und einem mit Bronzeblech belegten Gürtelriemen besteht. Die Qualität der Fertigung und die Exklusivität der Form unterstreichen den Charakter der Gürtel als herausragende Schmuckstücke ihrer Zeit.
Ihre Komposition setzt sich einerseits aus Bestandteilen zusammen, die aus der lokalen Tradition erwachsen sind. Andererseits gibt es im heimischen Formengut fremdartige Elemente, zu denen die Scharnierkonstruktion, die Verwendung von Blechauflagen auf Gürtelhaken und Riemen, die Verzierungsart und die Muster sowie die Form der Plattengliederketten gehören. Diese Elemente stammen aus einem weitläufigen, mittel- und nordeuropäischen Formenschatz, dessen man sich auswählend bediente, um extravagante Schmuckstücke heimischer Prägung und modischer Aktualität zu schaffen.

Ronald Heynowski
Glasewaldtstraße 47
D - 01277 Dresden
RHeynowski@archsax.smwk.sachsen.de

Zum Potential der Aufarbeitung alter Quellen am Beispiel der Bronze- und frühen Eisenzeit in der ehemaligen Neumark

von Henny Piezonka (Berlin)

Seit dem Ende der 1990er Jahre widmet sich die Forschung verstärkt der Aufarbeitung archäologischer Quellen aus den heute zu Polen gehörigen ehemals deutschen Gebieten. Wie eine Sichtung des Forschungsstandes zeigt, sind diese Arbeiten dringend notwendig, um die Informationen zu den vielen im Krieg verstreuten, verschollenen und zerstörten Fundkomplexen den heute in der Region tätigen Archäologen zugänglich zu machen.
In diesem Zusammenhang erfolgte die Aufnahme der bis 1945 in der ostbrandenburgischen Neumark bekannt gewordenen bronze- und früheisenzeitlichen Fundstellen. Die Angaben, die zu den vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges entdeckten Fundplätzen und Artefakten noch vorhanden sind, wie auch die bis dahin erzielten Forschungsergebnisse lagern bisher teils unpubliziert und in altdeutscher Schrift handschriftlich abgefasst in diversen Archiven, teils sind sie in oft nicht leicht zu beschaffenden regionalen deutschen Periodika und Monographien aus der Vorkriegszeit verstreut.
Die Aufarbeitung dieser heterogenen Quellengrundlage erbrachte eine Gesamtzahl von 375 Fundstellen aus dem Untersuchungszeitraum mit über 600 Befunden und mehr als 3000 Funden. Ein Drittel dieser Komplexe ist bis heute unpubliziert, und auch die übrigen fanden oft nur in summarischen Katalogeinträgen oder kurzen Notizen Erwähnung. Zu vielen der Fundstellen und Artefakte existieren darüber hinaus unveröffentlichte Abbildungen, deren Informationsgehalt der Forschung bisher ebenfalls nicht zur Verfügung stand. Das Potential der Sichtung dieses umfangreichen Materials wird hier deutlich.
Damit diese jetzt erstmals einheitlich zusammengestellten Informationen für weiterführende typologische, kulturgeschichtliche und siedlungsarchäologische Forschungen verwendet werden können, waren detaillierte quellenkritische Überlegungen zur Entstehung und Repräsentativität des Fundbildes nötig, um dem besonderen Charakter des in seiner Genese und Zusammensetzung stark von historischen Faktoren beeinflussten Komplexes Rechnung zu tragen.
Betrachtet man im Licht dieser Überlegungen die räumlichen Veränderungen des auf den bis 1945 bekannten Fundstellen basierenden Fundbildes vom Beginn der Bronzezeit bis zur frühen vorrömischen Eisenzeit, so zeichnen sich schon jetzt, ohne Einbeziehung der seit Kriegsende hinzugekommenen Fundplätze, deutlich bestimmte Entwicklungen besonders auch zum Übergang Bronze-/Eisenzeit ab, die sich nicht allein durch quellenbedingte Verzerrungen erklären lassen.
Die Ergänzung der neuen, seit 1945 untersuchten Fundstellen durch das vorgelegte „alte“ Material wird dazu beitragen, Ergebnisse zu präzisieren, Forschungsdesiderate auszugleichen und zu neuen Erkenntnissen über die Urgeschichte im nordwestlichen Polen zu gelangen.

Grabenumwehrte Höfe in Bayern - eine eisenzeitliche Siedlungsform?

von Stefanie Berg-Hobohm (München)

Als Sonderform des eisenzeitlichen Siedlungswesens neben den offenen Siedlungen und Höhensiedlungen sind die viereckigen Grabenwerke der Hallstattzeit (sog. Herrenhöfe) seit dem Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts vor allem in Bayern in Erscheinung getreten und erforscht worden. Maßgeblich beteiligt bei der Entdeckung war in erster Linie das damals neu aufgebaute Referat Prospektion mit der Luftbildprospektion des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD).
Die ersten großflächigen Ausgrabungen in der Münchener Schotterebene (Bsp. Eching, Lkr. Freising) zeigten ein heute wie damals grundsätzlich gültiges Bild: durch ein mehrstufig aufgebautes Grabenwerk wurde ein Siedlungsbereich von einem größeren Siedlungsbereich bewusst und mit großem Aufwand abgegrenzt. In den letzten Jahren gelangten Neuentdeckungen von Grabenwerken weniger durch die Luftbildprospektion als im Rahmen von großflächigen Ausgrabungen im Bereich von bekannten hallstattzeitlichen Siedlungen. Aufgrund des starken Zuwachses von dokumentierten Siedlungsbefunden wurde eine Revision der 1996 von Klaus Leidorf publizierten Liste der bekannten Grabenwerke vorgenommen. Wesentlich war dabei die Überprüfung aller Grabenwerke im Luftbildarchiv des BLfD. Der Vortrag wird im Wesentlichen eine Zusammenschau der Ergebnisse dieser Überarbeitung bringen, aber auch die bisherigen Interpretationsansätze und die chronologischen Aspekte im Bezug auf die Wurzeln dieser Siedlungsform berücksichtigen.

Skythische Fürstengräber und Salpetersieder. Zerstörte Elitegräber aus der Nekropole von Bel'sk

von Renate Rolle (Hamburg)

Das skythenzeitliche Burgwallsystem von Bel'sk in der östlichen Ukraine stellt mit reichlich 4.000 Hektar Innenfläche und 34 km Wallanlagen eine der markantesten früheisenzeitlichen protourbanen Strukturen dar. Möglicherweise handelt es dabei um den archäologischen Niederschlag der in Herodots IV. Buch beschriebenen Stadt Gelonos, die weit im Landesinneren Skythiens gelegen und von einer multikulturellen Bevölkerung mit griechisch-skythischer Sprache besiedelt war. Noch innerhalb der Grenzen des skythischen Herrschaftsbereichs begründet, entstand dieses Burgwallsystem bereits im 7. vorchristlichen Jahrhundert und entwickelte sich zum politischen, handwerklichen und kultischen Zentrum. Die Fülle des griechischen Imports ist besonders beeindruckend. Die modernen Ausgrabungen versuchen Binnenstruktur, wirtschaftliche Grundlagen und gesellschaftliche Organisationsform präziser zu fassen. Mit dem erstmaligen Einsatz geophysikalischer Methoden seit zwei Jahren konnte das deutsch-ukrainische Team einen wichtigen wissenschaftlichen Durchbruch erzielen. Zu den noch offenen Geheimnissen von Bel'sk gehört die große Nekropole, die sich an der Westflanke der Anlage hinzieht und heute weitgehend zerstört ist. Obwohl in der Neuzeit noch mehrere Tausend Grabhügel (Kurgane) beobachtet werden konnten, fehlen in ihr die für die skythische Zeit so kennzeichnenden „Fürstengrabhügel“. Ihr Fehlen hatte nicht zuletzt zu sehr unterschiedlichen Hypothesen hinsichtlich der Gesellschaftsstruktur geführt, von der diese bedeutende Anlage einst getragen wurde. Neue Forschungsergebnisse scheinen hier zu überraschenden Lösungen zu führen, wobei ein vergessener Wirtschaftszweig gerade in der Ukraine Beweise für grandiose Umweltzerstörungen liefert. Kurgane als militärische Ressource zur Schwarzpulverherstellung durch Saliterer sind im Rahmen der Archäologie ein außergewöhnliches Novum.

5000 Bestattungen in Mühlen Eichsen - das größte Gräberfeld der Jastorfkultur?

von Peter Ettel (Jena)

Das Gräberfeld Mühlen Eichsen bei Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern, wird planmäßig mit Grabungen untersucht. So sind inzwischen ca. 4000 Gräber freigelegt und dokumentiert, weitere ca. 1000 Gräber sind noch zu erwarten, so dass das Gräberfeld in baldiger Zukunft mit ca. 5000 Gräbern damit einerseits zu den größten als auch zu den wenigen vollständig ausgegrabenen Nekropolen in der Jastorf-Kultur rechnen wird. Die Belegung des Gräberfelds setzt am Übergang Jungbronze-/frühe Eisenzeit ein und dauert bis in die frühe Kaiserzeit an, der Schwerpunkt liegt in der mittleren Jastorfzeit (Ic/IIa). Kennzeichnend ist nach den bisherigen Grabungsergebnissen eine langwährende Tradition der Bestattungssitten mit kaum spürbarem Wandel im Bestattungszeremoniell und in der materiellen Ausstattung - ohne Anzeichen für abrupten Kulturwechsel oder fremde Einwanderung, wenngleich Verbindungen und Austausch mit den benachbarten Kulturgruppen bis hin zu den Kelten nachweisbar bestanden haben. So ist das Gräberfeld nach der Mehrheit der Keramikgefäße und Metallbeigaben eindeutig kulturhistorisch der Unterelbegruppe zugehörig. Einzelne Keramikgefäße, vor allem aber Metallbeigaben wie Kronenhalsringe, Pommersche Nadeln oder Kettengehänge oder Latènefibeln belegen deutlich Verbindungen zu Jütland, Niedersachsachsen, Vorpommern, Altmark und Mitteldeutschland. Sie zeigen die kulturelle Bedeutung Mühlen Eichsens am Schnittpunkt bzw. Randbereich verschiedener Kulturgruppen, damit gleichsam auch die wichtige überregionale Vermittlerfunktion dieser Region in der vorrömischen Eisenzeit in Nordostdeutschland. Das Gräberfeld gliedert sich in 6 Bestattungsareale mit jeweils 500-800 Bestattungen unterschiedlicher Bauart, Ausstattung, die auf unterschiedliche Lebens- und Bestattungsgemeinschaften hinweisen. Ein Bestattungsareal, die Südgruppe mit ca. 750 Gräber ist inzwischen monographisch aufgearbeitet, erste Ergebnisse der Auswertung, auch der anthropologischen und metallurgischen Aspekte sollen vorgestellt werden.

Das Gräberfeld von Liebersee - von der Bronze- zur Eisenzeit an der sächsischen Elbe

von Pavla und Wolfgang Ender (Dresden)

Der Übergang von der späten Bronze- zur Eisenzeit wie auch der weitere Verlauf der Eisenzeit ist an der sächsischen Elbe wie in ganz Mitteldeutschland von Kontinuitäten aber auch von vielfältigen Brüchen gekennzeichnet. Vor allem letztere werden traditionell mit Bevölkerungsbewegungen in Verbindung gebracht.
Formengut und das komplexe Bestattungsritual der Lausitzer Kultur verbinden während der Endphase der Bronzezeit weite Gebiete östlich der Saale bis über die Neiße hinaus. Die Ausprägung regional unterschiedlicher Bestattungssitten und neues Formengut markieren den Beginn der Eisenzeit und kennzeichnen kleinere früheisenzeitliche Nachfolgegruppen, wie die Billendorfer Kultur im Osten oder die Hausurnengruppe im Westen. Dieser Kulturwechsel wird überwiegend als kontinuierlicher Wandel verstanden. Eine scharfe Zäsur soll dagegen das folgende Erscheinen der Jastorfkultur an Elbe, Mulde und Saale markieren, wiederum verbinden einheitliches Bestattungswesen und Formengut größere Regionen miteinander.
Diese Einschätzungen beruhen zwangsläufig auf Grabfunden, da großflächig gegrabene, langfristig genutzte oder gar stratigraphisch angelegte Siedlungen nicht zur Verfügung stehen.
Mit dem Gräberfeld von Liebersee konnte an der sächsischen Elbe erstmals ein betreffender Bestattungsplatz annähernd vollständig untersucht werden. Gut 2000 Gräber wurden hier zwischen der Bronzezeit und dem frühen Mittelalter auf 3 ha Fläche angelegt. Mit weit über tausend Gräbern liefern Bronze- und Eisenzeit den größten Anteil an Bestattungen. An ein nach Lausitzer Ritual belegtes Areal der jüngsten Bronzezeit schließen sich räumlich unmittelbar Gräber der frühen vorrömischen Eisenzeit mit deutlich verändertem Formengut und typischem Ritual des mittleren Elbegebietes an. Sie bilden zusammen mit zahlreichen Gräbern der Jastorfkultur ein geschlossenes Bestattungsareal, ohne dass bei derzeitigem Bearbeitungsstand der Zusammenhang mit dem Bestattungsplatz der jüngeren Bronzezeit schon sicher zu beurteilen wäre. Die ortskonstante Belegung von der Bronzezeit über die Eisenzeit bis in nachchristliche Jahrhunderte ist keineswegs auf Liebersee beschränkt, sondern scheint typisch für die Gräberfelder an der sächsischen Elbe zu sein, wie andere, weniger gut erforschte Beispiele belegen. Wie auf anderen Gräberfeldern der Region kann auch in Liebersee mit ehemals vorhandenen, gut sichtbaren bronzezeitlichen Grabhügeln gerechnet werden, die möglicherweise Traditionskerne der jahrhunderte langen Belegung bildeten und bei der nahe liegenden Gleichung zwischen Ortskonstanz und Belegungskontinuität berücksichtigt werden müssen.

Das Gräberfeld der Lausitzer Kultur von Niederkaina bei Bautzen (Oberlausitz) - Stufengliederung und Entwicklungsetappen während der Bronzezeit

von Thomas Puttkammer (Dresden)

Der Schafberg von Niederkaina bei Bautzen gehört zu den wichtigsten und größten Nekropolen in der Oberlausitz. Nach dem 2. Weltkrieg wurden in einer über 20 Jahre andauernden systematischen Ausgrabungstätigkeit mehr als 2000 Gräber untersucht. Mit variierender Intensität decken sie den weit gespannten Zeitraum vom Spätneolithikum bis in die Späthallstattzeit ab.
Hervorragende Bedeutung gewinnt dieser Bestattungsplatz vor allem durch seine kontinuierliche Nutzung innerhalb des Zeitraums der Lausitzer Kultur, die hier von der ausgehenden Mittelbronzezeit bis zu ihrer Auflösung in Späthallstattzeit verfolgt werden kann.
Vorgestellt werden sollen die bronzezeitlichen Entwicklungsetappen des Gräberfeldes (Lausitzer Kultur) von den Anfängen in der ausgehenden Mittelbronzezeit bis zur beginnenden Früheisenzeit. Resultierend aus der geografischen Lage ist innerhalb der einzelnen Etappen am Fundmaterial ein Wechsel bzw. Zusammenspiel von lokalen und wiederkehrenden Komponenten aus Böhmen und Mähren bis zum aufkommenden Hallstatteinfluss zu verzeichnen.

Kurz- und langfristige Geschäfte - Grundlagen alteuropäischen Vertragsrechts

von Raimund Karl (Bangor)

Die Verteilung fast aller Rohstoffe und der meisten Produkte prähistorischen Wirtschaftens ist ungleichmäßig. Mit der Ausbildung unterschiedlicher Zugangs-, Nutzungs-, Besitz- oder Eigentumsrechte verschiedener gesellschaftlicher Gruppen kommt es daher – notwendigerweise – dazu, daß manche Gruppen Zugang zu anderen Ressourcen oder Produkten haben als andere, und der Austausch von Gütern zwischen ihnen zum allseitigen Vorteil oder sogar zur Notwendigkeit wird. Dabei bedingt einerseits wie soziale Gruppen konstituiert sind, andererseits, wie soziale Hierarchien konstruiert werden, und schließlich die Notwendigkeiten, die sich aus der Verteilung unterschiedlicher Ressourcen und der mittel- und langfristigen Abdeckung von durchschnittlich ähnlich verteiltem Bedarf ergeben, die Art wie kurz- und langfristige Geschäfte abgeschlossen werden.
Dass wir spätestens in der Spätbronzezeit mit unterschiedlichen Ressourcenzugangs- und Nutzungsrechten, ja wahrscheinlich bereits separaten Besitz- und Eigentumsrechten zu rechnen haben, zeigt sich, mehr oder minder eindeutig, im archäologischen Befund, so zum Beispiel in der deutlichen Abgrenzung von Siedlungen und recht deutlich unterschiedlichen Grabausstattungen, die durch unterschiedlichen Ressourcenzugang der bestattenden Gruppen erklärt werden können. Diese Befundlage setzt sich, teilweise in unterschiedlicher Detailausprägung, jedoch in der Grobstruktur weitgehend ungebrochen durch die Eisenzeit hindurch fort.
Sprachwissenschaftliche Befunde, die ab etwa dem Ende der Bronzezeit einzusetzen beginnen, sich aber besonders ab dem Frühmittelalter in großer Menge beibringen lassen, scheinen zu belegen, dass viele europäische Gesellschaften einander sehr ähnliche Grundstrukturen in der sozialen Gruppenbildung zeigen. Dies wird auch durch historische Nachrichten und epische Dichtungen, ebenfalls ab etwa dem Ende der Bronzezeit einsetzend, aber ebenfalls primär im Frühmittelalter belegt, bestätigt. Und auch die Konstruktion hierarchischer gesellschaftlicher Strukturen, aufbauend auf einem System, das der Bildung von innerfamiliären Hierarchien nachempfunden sein dürfte, scheint in den meisten dieser sogenannten indoeuropäischen Gesellschaften weitgehend ähnlich zueinander zu sein.
Die Vermutung liegt also nahe, dass der Austausch von Gütern zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen in solchen frühen europäischen Gesellschaften ähnlich ausgebildet worden sein dürfte. Das erlaubt uns, den Versuch einer Rekonstruktion eines alteuropäischen Vertragsrechts zu unternehmen, das zur Abwicklung kurz- und langfristiger Geschäfte verwendet werden konnte und das gleichzeitig die Festigung bestehender Hierarchien begünstigte.

Helme aus Gewässern. Ein Langzeitphänomen

von Stefan Wirth (Augsburg)

Der Beitrag beschäftigt sich mit Helmfunden aus Gewässern. Er würdigt ein gesamteuropäisches «phénomène de longue durée», das von der Bronzezeit bis ins frühe Mittelalter zu verfolgen ist. In der Fundstatistik der Gewässerfunde der vorrömischen Metallzeiten mag der Bestand der Schutzwaffen gegenüber den Schwertern und Lanzenspitzen (um hier nur die zahlenmäßig am stärksten vertretenen Angriffswaffen zu nennen) vergleichsweise gering erscheinen. Aufgrund ihres hohen Symbolgehalts kommt diesen den Körper des Kriegers bergenden Spitzenerzeugnissen des vorgeschichtlichen Metallhandwerks allerdings eine Schlüsselrolle bei der Interpretation der Funde aus fließenden und stehenden Gewässern zu. Als Zeugnisse für die lange Tradition kriegerischer Selbstdarstellung der Eliten tragen sie wesentlich dazu bei, den besonders in der jüngeren Forschung herausgestellten Zusammenhang von Religion und Kriegertum sachgerecht beurteilen zu können.

Meitingen - eine metallzeitliche Großsiedlung in der Nähe Augsburgs

von Elke Mattheusser (Dresden)

Seit September 2003 wird auf der Neubautrasse der B2 – Ortsumfahrung Meitingen – durch die Grabungsfirma ARCHBAU eine Großsiedlung untersucht, die eine dichte Siedlungsfolge von der Urnenfelderzeit bis ins Spätlatène erkennen läßt. Der Siedlungsplatz liegt in der Lechaue auf einer Schotterterrasse, die leicht mit Löß bedeckt ist. Die fast 5000 untersuchten Befunde setzten sich aus zahllosen Pfostengruben, Grubenkomplexen, Brunnen und Gräben zusammen. Die Rekonstruktion des Siedlungsbildes und seine Anbindung an die römische Epoche, in der das Siedlungsgeschehen abbricht, soll den Schwerpunkt des Vortrags darstellen. Neben den Siedlungsbefunden wurden auch Reste eines Urnenfriedhofs auf den aufgelassenen Siedlungsteilen erfasst, sowie zahlreiche Steinpackungen mit Brandspuren, deren Bedeutung bislang noch unklar ist.

Zur endbronzezeitlichen Situation im Oder-Havelgebiet am Beispiel der Siedlung von Berlin-Buch

von Burger Wanzek (Berlin)

Albert Kiekebusch grub 1910-1914 im Ortsteil Buch des Berliner Stadtbezirkes Pankow große Teile einer der größten jungbronzezeitlichen (HaB) Siedlungen Mitteleuropas aus. Auf 30.000 qm wurden neben Tausenden von Befunden 70 Hausgrundrisse aufgedeckt. Das Fundmaterial, welches seit 2002 erstmalig aufgearbeitet wird, steht in Menge, Formen- und Verzierungsvielfalt völlig singulär dar. Neben der Keramik sind u.a. mehr als 200 Webgewichte, über 100 Knochengeräte, 100 ´Köpenicker Teller` und anderes zu nennen.
Die Siedlung ist Teil einer sehr dicht belegten Siedlungsballung im Oder-Havelgebiet. Das Gebiet gibt sich durch typische Funde und auch durch Großsiedlungen als eine eigene bronzezeitliche Gruppierung zu erkennen. Darüber hinaus lassen sich durch das einzigartige Fundmaterial der Bucher Siedlung ungewohnte Einblicke in das jungbronzezeitliche Geistesleben gewinnen.
Mit dem Havel-Odergebiet und der Bucher Siedlung wird der kurze Abschnitt eines von Skandinavien über die Odermündung nach Zentraleuropa verlaufenden Weges markiert. Von hier, im Grenzgebiet zwischen Lausitzer Kultur und Nordischem Kreis, lassen sich neben regionalen Verbindungen, solche nach Skandinavien, und über den Pfahlbaubereich bis in das südliche Frankreich nachweisen.
Angesichts der enormen Siedlungsgröße und der Siedlungskammern stellt sich die Frage nach der wirtschaftlichen Grundlage dieses als Berlin-Stettiner Gruppe zu bezeichnenden Formenkreises mit seinen Großsiedlungen. Die gängigen Modelle (Ackerbau, Viehzucht, Tausch, Handel u.a.) können deshalb nicht alleine erklärend sein. Gerade in dieser metallrohstofffreien nördlichen Zone fragt man sich nach den Äquivalenten mit südlichen Handels- oder sonstigen Partnern. Was hatte der Norden so Entscheidendes zu bieten? Oder liegt die Bedeutung dieser Siedlung(en) in archäologisch nur schwer faßbaren Faktoren wie beispielsweise Administration, Organisation, Zulieferung, Abhängigkeit von Siedlungen oder von Burgen usw. Die Siedlung selbst und die Berlin-Stettiner Gruppe liegen am geografisch bevorzugten Schnittpunkt von kontinentalen Handelsstrecken und von Land- und Wasserwegen zwischen der südlichen Welt und dem Nordischen Kreis.

Bronze- und Eisenzeit - eine archäologische Fiktion oder Realität? Zur Bedeutung der Metalle in den ostbaltischen Gesellschaften

von Agne Civilyte (Vilnius)

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte nachdem Christian Thomsen für die Vorgeschichte anhand der am häufigsten verwendeten Materialien sein Drei-Perioden-System aufstellte, arbeiten wir mit einer kaum zu überblickenden Reihe von oft komplizierten Chronologiesystemen zur Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Jede dieser Epochen zeichnet sich durch innovative Merkmale aus, die mit alten Traditionen brachen und neue Vorstellungen in die menschliche Lebensweise brachten. Wie schon das immer größer werdende Theoriengebäude zu Ursachen und Prozessen der prähistorischen Metallurgie zeigt, steht die Produktion und Verwendung von Metallen bis heute im Mittelpunkt des Interesses der metallzeitlichen Forschung.
Dieser Beitrag behandelt den Übergang von der Bronze- zur älteren Eisenzeit im östlichen Baltikum unter dem Aspekt der Bedeutung des Metalls für das kulturelle Gepräge dieser Region. Zeitgleich mit dem ersten Erscheinen von Eisengegenständen ist eine Stagnation, wenn nicht gar ein kultureller Niedergang in den ökonomischen, gesellschaftlichen und kultischen Sphären feststellbar. Diese Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass die Zirkulation und die Verwendung des Eisens, ebenso wie zuvor die der Bronze, nur in einem engen und geschlossenen gesellschaftlichen Kreis stattfand, während der restliche Teil der Bevölkerung von den technischen Innovationen ausgeschlossen blieb und weiterhin vormetallzeitliche Lebensgewohnheiten pflegte. Aus diesem Blickwinkel betrachtet stellt sich die Unterscheidung von Bronze- und früher Eisenzeit im Arbeitsgebiet als eine terminologische Fiktion der Urgeschichtsforschung dar.

Häuser - Herde - Briquetage: Eine ausgedehnte Wirtschaftssiedlung der spätbronze- bis früheisenzeitlichen Hausurnenkultur bei Brehna, Ldkr. Bitterfeld

von Ralf von Rauchhaupt / Thorsten Schunke (Halle)

Ausgelöst durch die Bauvorhaben zur Umfahrung des Ortes Brehna, Ldkr. Bitterfeld (B 100 und deren Neuanbindung an die BAB A9) wurden westlich des Ortes von Ende 2003 bis August 2004 archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Über die Länge von ca. 1,3 km wurde eine mindestens 60-70 m breite, annähernd N-S ausgerichtete Trasse untersucht. Die nachgewiesene neolithische Besiedlung umfasste im Süden Siedlungs- und Grabbefunde der Baalberger, der Kugelamphoren- und der Schnurkeramik-Kultur. Eine Siedlung der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur erbrachte als außergewöhnlichen Befund einen sekundär als Bestattungsgrube genutzten Ofen. Er war zudem mit einer Vielzahl der seltenen Ovalwannen verfüllt, die als Briquetage gedeutet werden.
Im Nordteil der Fläche wurde, neben slawischen Weilern mit Grubenhäusern (9.-11. Jh.), auf einer Länge von ca. 530 m eine jungbronze- bis früheisenzeitliche Siedlung von mindestens 20 ha Ausdehnung durchschnitten, von welcher etwa 4,8 ha untersucht werden konnten. Ihre erste Phase (HaA2/B1), die kulturell der älteren Saalemündungsgruppe zugeordnet werden kann, ist durch Gruben mit den üblichen Siedlungsabfällen belegt. Von besonderem Interesse ist die darauf folgende, jüngstbronze- bis früheisenzeitliche Phase (HaB2-HaD1) mit einer Vielzahl an Hinterlassenschaften der jüngeren Saalemündungsgruppe/Hausurnenkultur. In bisher nicht nachgewiesenem Ausmaß erbrachten die Untersuchungen Befunde zur Struktur und Wirtschaftsweise einer solchen Siedlung. Es konnten 24 sichere Hausgrundrisse nachgewiesen werden, die vier verschiedenen Typen zugeordnet werden können und unterschiedliche Funktionen innerhalb der nachweisbaren Gehöftstrukturen besessen haben dürften. Neben mehreren unterschiedlichen Ofenresten wurden mindestens 62 standardisiert wirkende, annähernd rechteckige Herdgruben mit Verziegelungsspuren und thermisch zerstörten Steinen nachgewiesen. Ihre Funktion ist noch nicht sicher erschlossen. Möglicherweise handelte es sich um Gargruben („Erdöfen“). Unwahrscheinlicher ist ein Zusammenhang mit der Salzproduktion, die eine nicht unbedeutende wirtschaftliche Basis für die ergrabene Siedlung gebildet haben muss und den Rahmen der Subsistenzwirtschaft sprengte. Insgesamt wurden 108 kg Zylindersäulen- und 78 kg Tiegelbruchstücke der zweiteiligen Briquetageform nachgewiesen. Obwohl sie nicht mehr in situ innerhalb von Siedeöfen angetroffen wurden, sind interessante Beobachtungen zu ihrer Verteilung innerhalb der Siedlung sowie auch der Befunde möglich. Weitere Fundgruppen, die eine bemerkenswerte Rolle innerhalb der Siedlung gespielt haben müssen, sind durch die Reste von 28 sogenannten Feuerböcken sowie eine außergewöhnlich große Anzahl an kugeligen Reib- und Klopfsteinen vertreten.

Bronzezeitliche und früheisenzeitliche Burgen zwischen Elbe und Weichsel als Brückenphänomen zwischen Mitteleuropa und dem nordischen Kreis

von Zbygniev Kobylinski / Louis Nebelsick (Warschau / Dresden)

Ab der Frühen Bronzezeit lassen sich die ersten metallzeitlichen befestigten Anlagen zwischen Saale und Weichsel nachweisen. Noch ist die Frage nach dem Umfang des mittelbronzezeitlichen Burgenbaus, bzw. das Weiterleben der frühbronzezeitlichen Anlagen offen, doch läßt sich mit der Urnenfelderzeit, die Entfaltung einer Burgenlandschaft am nördlichen Mittelgebirgssaum deutlich nachvollziehen. Sie ist wahrscheinlich aus Böhmen inspiriert und erfährt ihre volle Entfaltung um die Jahrtausendwende. Wie eine Pranke erstreckt sich die Verbreitung dieser Anlagen entlang des Oderkorridors bis zur Ostsee, und darüber hinaus wahrscheinlich bis Südschweden. Ein Bild das mit der Verbreitung mitteleuropäisch geprägten Keramik einhergeht.
Die locker gestreuten, mächtig befestigten Anlagen der Urnenfelderzeit werden in der Hallstattzeit durch ein Netzwerk kleinerer Festungen von Typ Biskupin ergänzt bzw. ersetzt.
In der Späthallstatt- und frühen Laténezeit werden dort, wo die Bindungen nach Mitteleuropa auflockern, auch die Burgen aufgegeben. Spannende Ausnahmen liegen an der Elbe und an der Oder.
Die Ausgrabungen und begleitenden Forschungen des Deutsch-Polnischen Burgenprojektes zwischen dem Landesamt für Archaeologie Sachsen, des archäologischen Instituts der polnischen Akademie der Wissenschaften und der Kardinal Stefan Wyszynski Universität in Warszawa haben bedeutende neue Aspekte insbesonders zu der Spätzeit dieser Burgenlandschaft aufgezeigt, die in diesem Vortrag vorgestellt werden sollen.

Kontinuitäten und Brüche der Herrschaftsrepräsentation von der Bronze- zur älteren Eisenzeit am Beispiel der Machtsymbole aus Edelmetall

von Carola Metzner-Nebelsick (Halle/Berlin)

Über Perioden- und Epochengrenzen sowie typologische Entwicklungen hinweg ist in Alteuropa die kontinuierliche Verwendung bestimmter Schmuckformen festzustellen, die auf eine weithin und über lange Zeiträume verstandene Symbolsprache ausgewählter Repräsentationsformen der Macht schließen lässt.
In erster Linie ist dabei auf goldene Armringe zu verweisen. Diese erstmals in der entwickelten Frühbronzezeit bezeugte Schmuckform bleibt in kontinuierlicher Nutzung bis weit in die Eisenzeit hinein. In meinem Vortrag wird nach Deponierungsmustern und ihrer kontextuellen Verortung zu fragen sein. Im Gegensatz zu goldenen Armringen sind goldene Halsringe in erster Linie als Repräsentationsform der späten Hallstatt- bis Latènezeit zu charakterisieren. Dennoch lassen sich auch hier erste Beispiele bereits aus spätbronzezeitlichen Kontexten benennen. Wiederum gilt es, mögliche Entwicklungslinien oder Brüche aufzuzeigen. Als drittes Beispiel wird die Verwendung von Edelmetallgefäßen in Gräbern und Horten untersucht. Abschließend wird in diesem nur einen kurzen Überblick über eine komplexe Problematik bietenden Vortrag die Deutung der beschriebenen Phänomene als Ausdruck eines kulturellen Gedächtnisses der bronze- und eisenzeitlichen Eliten vorgeschlagen. Es wird untersucht, in welchem kulturellen Kontext und durch welche Mechanismen Erinnerung bzw. bestimmte Aspekte von Gedächtnis aktiviert und instrumentalisiert werden.

Tonimitationen von Holzgefäßen in der Bronze- und Eisenzeit: Zisten und Pyxiden

von Hélène Delnef (Strasbourg)

De nombreux indices permettent d'établir des liens entre des récipients en matières organiques (cuir, bois, vannerie) et des vases d'argile ou de bronze. Ainsi, certaines céramiques à panse cylindrique et fond débordant, découvertes en Champagne (France) et datées du Hallstatt final, possèdent des motifs verticaux modelés, incisés ou peints sur toute la hauteur du vase. Ces éléments décoratifs pourraient correspondre à des représentations du sertissage des feuilles de bronze de la panse de vases métalliques comme les cistes à cordons. Mais ils pourraient également ętre interprétés comme des imitations de coutures réalisées avec des liens en cuir ou en fibres végétales utilisés pour joindre des douelles ou des feuilles de bois. Cette deuxième interprétation est confortée par des découvertes de récipients en bois des Ages du Bronze et du Fer et de leurs imitations en céramique.