von Martin Bartelheim, Freiberg
Der Beginn der früheisenzeitlichen tartessischen Periode im erzreichen Südwesten der Iberischen Halbinsel ging einher mit einem radikaler Wechsel der bis dahin praktizierten Ressourcennutzung. Nach einer vielerorts kleinmaßstäbig betriebenen Kupferproduktion während der Bronzezeit ist ab dem 8. Jh. v. Chr. ein regelrechter Silberboom zu beobachten. Dieser ist eine direkte Folge der einsetzenden phönizischen Kolonisation an den Küsten Andalusiens und ihrer großen Nachfrage nach diesem Edelmetall. Bemerkenswert ist, wie damit auch eine deutliche Änderung im Siedlungsbild der Region einherging.
Während der Endbronzezeit ist eine verstreute Besiedlung mit kleinen Dörfern in den erzhaltigen Bergen im Hinterland von Huelva zu beobachten. Die Landwirtschaft auf den dortigen kargen Böden konnte keine Basis für eine Metallproduktion im größeren Stil schaffen. Angesichts der im Süden der Iberischen Halbinsel weit verbreiteten Erzressourcen und der Metallurgiereste in vielen Siedlungen, dürfte es dafür auch keinen allzu großen Bedarf gegeben haben.
Nach dem Einsetzen des Silberbooms verschwand die Kupfergewinnung nahezu vollständig und die Produktion richtete sich auf die Befriedigung des phönizischen Bedarfs. Die Besiedlung konzentrierte sich nun in den Bergen lediglich auf die wenigen größeren Montanzentren sowie darüberhinaus vor allem auf die Küstenebene und im Guadalquivirtal. Die Metallurgie erhielt eine ökonomisch dominante Stellung, die nun so weit reichte, daß selbst das Tiefland noch in die Metallproduktionskette eingebunden war. Sogar im Seehafen Huelva sind Verhüttungsplätze zu finden. Dort offenbart die schnell akkulturierte gesellschaftliche Elite in prunkvoll ausgestatteten Gräbern wie stark sie von den neuen wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen zu den Kolonisten profitierte. Den logistischen Hintergrund für die Produktion schufen vermutlich von den Phöniziern vermittelte Innovationen in der Landwirtschaft zur Steigerung der Erträge.
Der rasche Wandel der Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur ist eine Reaktion auf die Attraktivität der neuen ökonomischen Möglichkeiten, die der Kontakt mit den Kolonisten bot. In dieser Form ist er lediglich durch den Kontakt mit einer deutlich weiter entwickelten Ökonomie möglich gewesen. Nicht nur darin zeigen sich im Umgang der Tartessier mit den neuen ökonomischen und kulturellen Herausforderungen auffällige Analogien zu den Verhältnissen in anderen kolonisierten Regionen des Mittelmeerraums, allen voran dem spätbronzezeitlichen Zypern.
Martin Bartelheim
Institut für Archäometrie, TU Bergakademie Freiberg
Martin.Bartelheim@am.tu-freiberg.de
von Sylvain Bauvais, Paris
The organization of iron artefacts production in the North Parisian basin follows a very original path in the conditions of the socio-political and economic development and structuration of the end of the La Tène period. Indeed, this geographical area is totally lacking of sites showing iron smelting evidence. Consequently, from the production organization point of view, the situation is highly different from the productive area like Bohemia or the South of Great Britain.
Smithy activities, as compared to the other operating-system stage, do not submit to environmental constraints. Their set-up is only reliant on supplying (economic et logistic) constraints which are themselves dependant on socio-political compulsions. Thus, the terms and conditions of the purchase and redistribution of half-products seem to be determined by the emergence of socio-political elites.
The prominent role of proto-urban sites (Oppida) in this network is not to be denied. But what about the function of the rural sites and their aristocracy?
Sylvain Bauvais
UMR 5060 du CNRS
protosly@hotmail.com
von Ch. Bendall und D. Wigg-Wolf, Frankfurt
Seit drei Jahren läuft ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Mineralogie und des Seminar für griechische und römische Geschichte, Abt. II, an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main, um metallanalytische Untersuchungen an eisenzeitlichen Münzen aus Nordgallien durchzuführen. Im Mittelpunkt stehen die Goldmünzen der Treverer, die aus einer trimetallischen Legierung aus Gold, Silber und Bronze bestehen; dazu werden weitere Goldmünzen aus benachbarten Gebieten sowie Silber-, Potin- und Bronzemünzen einbezogen. Neben Untersuchungen zur Zusammensetzung der Legierung (Mikrosonde für die Hauptbestandteile, Laser-Ablation ICP-MS für die Spurenelemente), die Informationen u.a. zur Herstellungstechniken und zur Organisation der Münzprägung liefern), bietet die Blei-Isotopen-Analyse (LA-MCICP-MS) die Möglichkeit, die Herkunft des verwendeten Metalls näher zu bestimmen.
Die ersten Ergebnisse sollen vorgestellt und im Kontext erläutert werden. Bisher läßt sich sagen, dass im Laufe der letzten zwei vorchristlichen Jahrhunderten verschiedene Metallquellen verwendet wurden: zum Beispiel für das zweite Jahrhundert v.Chr. gibt es Hinweise auf Gold aus der hellenistischen Welt; ab dem ersten Jahrhundert wurden lokale Ressourcen (aus den Alpen?) wichtiger; ab der Mitte des ersten Jahrhunderts spielte Kupfer aus dem westlichen Mittelmeer (Sardinien, Spanien?) eine immer größere Rolle.
Chr. Bendall
Institut für Mineralogie, Johann Wolfgang Goethe-Universität
bendall@em.uni-frankfurt.de
David G. Wigg-Wolf
Fundmünzen der Antike, Johann Wolfgang Goethe-Universität
Wigg@em.uni-frankfurt.de
von Nicole Boenke, Götzis/A
Neben stabilen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen ist die Verfügbarkeit von Ressourcen essentiell für die Entwicklung komplexer Systeme. In diesem Kontext spielt die Analyse organischer Materialien eine wichtige Rolle zur Beurteilung der Wirtschaftsgrundlage einer Gemeinschaft. Gerade in vorindustriellen Gemeinschaften waren die Menschen weitaus abhängiger von der Verfügbarkeit pflanzlicher und tierischer Rohstoffe. Zum einen weil ein Rohstoff nicht einfach "synthetisch" durch einen anderen zu ersetzen war, zum anderen weil die Verfügbarkeit nicht zu jeder Zeit gewährleistet war. Bei der Beschaffung des gewünschten Materials galt es jahreszeitliche Abhängigkeiten oder die - im Verhältnis zu heute wesentlich schlechteren - Transportbedingungen respektive die Transportdauer zu berücksichtigen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Reproduzierbarkeit eines bestimmten Gutes in gleich bleibender Qualität. Wurde eine extensive oder eine intensive Land- und Waldwirtschaft betrieben, oder zerstörte man durch exzessive Flächennutzung die Regenerationsfähigkeit der Böden und Wälder? So gesehen hatte der prähistorische Mensch in vieler Hinsicht eine größere logistische Leistung für das Funktionieren einer Unternehmung zu erbringen, als wir in der vermeintlich komplizierteren Moderne, wo Organisation häufig eher ein finanzielles als ein logistisches Problem ist.
Anhand archäobotanischer Untersuchungen wird an Beispielen aus Land- und Holzwirtschaft gezeigt werden, ob und wie sich Menschen in der Eisenzeit diesen Problemen stellten. Hierbei soll anhand des Beispieles einer großen Bergbausiedlung und zentralen Handelsplatzes auf dem Dürrnberg bei Hallein verdeutlicht werden, welche Aufgaben nötig wurden, um eine große Zahl von Menschen in einer arbeitsteiligen Gesellschaft mit pflanzlichen Rohstoffen zu versorgen. Dabei wird auf die Frage von Rotationssystemen im Waldbau genauso eingegangen werden wie auf die Erzeugung und Konservierung von Lebensmitteln.
Nicole Boenke
nboenke@t-online.de
von Claus Dobiat, Marburg
Am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges konzentrieren sich auf den höchsten Erhebungen (um 500 m ü.NN) eisenzeitliche Ringwallanlagen (zusammengestellt bei R. Gensen in. Ältereisenzeitliches Befestigungswesen zwischen Maas/Mosel und Elbe 1999, 81ff.) Dabei fällt auf, dass in dieser Region bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts intensive Metallgewinnung und -verarbeitung stattgefunden hat. Die erzführenden Schichten (Eisenerze, aber auch Buntmetallerze) stehen hier aufgrund tektonischer Verwerfungen als Folge der Mittelgebirgsauffaltung bis zur Oberfläche an und konnten - zumindest noch in vorgeschichtlicher Zeit - relativ leicht abgebaut werden. Es ist davon auszugehen, dass während der Eisenzeit eine systematische Erschließung und Aufsiedelung der Region zum Zwecke der Rohstoffnutzung erfolgte. Dabei geben die bislang vorliegenden Forschungsergebnisse Hinweise, dass es zwei Erschließungsphasen gegeben hat - eine erste zu Ende der Hallstatt- bzw. während der Frühlatènezeit. Dann werden offensichtlich einzelne größere Siedlungsanlagen aufgegeben und seit dem Beginn der Mittelatènezeit ist eine flächendeckende und systematische Besiedlung des gesamten Raumes feststellbar. Dabei ist auffällig, dass die Höhensiedlungen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen (8-10 km Luftlinie) zueinander liegen, was auf eine kleinterritoriale Abgrenzung der Nutzungsbereiche hinsichtlich der verfügbaren Rohstoffe schließen lässt.
Die Forschungen von Prof. Jockenhövel im Dietzhölztal (VW-Projekt) zielten zwar auf ähnliche Ziele ab, gingen allerdings in erster Linie von metallurgischen Ansätzen aus und von der Prämisse, dass jüngereisenzeitliche Verhüttungsrelikte im Umkreis der Höhensiedlungen zu finden sein müssten. Dies hat sich als eine Sackgasse erwiesen, da in dieser Region fast alle vorgeschichtlichen Verarbeitungsbereiche durch jüngere Verhüttungsaktivitäten überprägt wurden. Das begonnene Forschungsprojekt geht erstens von einer großräumigeren Bearbeitung und von einem stärker siedlungsbezogenen Ansatz aus.
Claus Dobiat
Vorgeschichtliches Seminar, Philipps-Universität Marburg
dobiat@staff.uni-marburg.de
von Christiana Eggl, München
Die Verarbeitung von Sapropelit, d.h. von verschiedenen Arten organogener, bituminöser Sedimentgesteine erlebt auf dem europäischen Kontinent erstmals in der Späthallstattzeit einen Höhepunkt, als im französisch-schweizerischen sowie im südwestdeutschen Raum das Tragen von Armbändern und -ringen aus schwarzem Material verstärkt in Mode kommt.
Nach einem eklatanten Einbruch der Sapropelitindustrie in Latène A und B1 setzt eine intensive Nutzung dieses Rohstoffs zur Herstellung von Ringschmuck erst wieder in der fortgeschrittenen Frühlatènezeit ein, wobei der Schwerpunkt nun im ostkeltischen Gebiet liegt. Während in der Hallstattzeit eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien sapropelitischen Charakters aus großteils noch nicht näher bestimmten Lagerstätten des französischen und südwestdeutschen sowie zum Teil auch des südenglischen Raumes Verwendung fand, dominiert nun die nordböhmische Schwarte, ein stark bituminöser Tonschiefer des Kounov-Flözes westlich von Prag. Über einen Zeitraum von etwa 100 Jahren existiert hier ein umfangreiches Abbau- und Produktionszentrum mit einem offenbar monopolisierten Rohmaterialzugang, dessen Erzeugnisse von Bayern bis in die Slowakei und von Ungarn bis Polen Verbreitung finden.
In Anbetracht dieser zeitlichen und geographischen Divergenzen in der Nutzung von Sapropelit stellt sich die Frage, inwiefern sich für die Hallstatt- und die Latènezeit unterschiedliche Konzepte in der Organisation von Abbau und Verarbeitung dieses Materials erkennen lassen. Welche Personengruppen waren daran beteiligt und wie stellt sich die Bedeutung der Sapropelitindustrie vor dem jeweiligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gefüge dar? Im Rahmen des Vortrags soll versucht werden diesen Aspekten nachzugehen, soweit der derzeitige Forschungsstand dies erlaubt.
Christiana Eggl
Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie, Ludwig-Maximilians-Universität München
christiana.eggl@campus.lmu.de
von Jana Esther Fries, Calau
Untersuchungen zur naturräumlichen Umwelt von vorgeschichtlichen Siedlungen, darunter zu Topographie, Hydrologie, Klima oder Böden wurden, nach Anstößen aus der Geographie, schon seit den zwanziger Jahren angestellt. Lange Zeit standen hierbei das Neolithikum, insbesondere die Bandkeramik im Mittelpunkt. In jüngerer Zeit kamen eine Reihe zeitlich übergreifender Studien hinzu, die auch die Eisenzeit behandelten.
Bei der Auswahl von Siedlungsplätzen in der Vorgeschichte dürften Böden eine wesentliche Rolle gespielt haben. Bei Untersuchungen, welche Böden bevorzugt besiedelt wurden und wie wichtige sie für die Platzauswahl waren, sind eine Reihe methodischer Entscheidungen zu fällen, die wesentlichen Einfluss auf die Ergebnisse haben. Dazu gehören beispielsweise die Wahl zwischen unterschiedlichen Bodenkarten und die Größe des betrachteten Umfeldes einer Siedlung. Auch die Vorgehensweise bei der Datenerhebung beeinflusst die Ergebnisse. Naturräumliche Veränderungen wie die Entwicklung der Böden, Erosion und Akkumulation müssen ebenso bedacht werden wie die Entwicklung der landwirtschaftlichen Methoden seit der Eisenzeit.
Die unterschiedlichen Herangehensweisen der vorliegenden Studien erschweren den Vergleich der Ergebnisse aus verschiedenen Regionen ganz erheblich. Genaue und sichere Angaben zu den Bodenverhältnissen an und im Umfeld von Siedlungen können letztlich nur bodenkundliche Untersuchungen bieten, die bislang nur im Rahmen weniger Ausgrabungen stattgefunden haben.
Jana Esther Fries
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Calau
Jana.Fries@gmx.de
von Leif Hansen, Kiel
Der Beginn der Eisenzeit im Bereich der Hallstattkultur zeichnet sich gegenüber der Bronzezeit unter anderem durch einen auffälligen Rückgang an Goldfunden aus. Dies ändert sich wiederum mit Beginn der Stufe Ha D2, ab der Goldfunde fast ausschließlich aus Gräbern bekannt sind. Gründe hierfür dürften in einer veränderten Verfügbarkeit von Gold als Ressource liegen. Offensichtlich wurden bis auf wenige Ausnahmen keine Endprodukte aus Gold importiert, sondern das Material als Rohstoff im Gebiet der Hallstattkultur selbst gewonnen oder von außen eingeführt und dann von einheimischen Goldschmieden weiterverarbeitet.
Im Vortrag sollen die mögliche Herkunft des Goldes, denkbare Gewinnungs- und Verarbeitungsprozesse und Aspekte der Weiterverarbeitung thematisiert werden.
Die Vergesellschaftung von Gold mit weiteren herausragenden Beigaben in Prunkgräbern der Späthallstattzeit deutet auf dessen besondere Stellung als kostbarer Rohstoff. Denkbare Gründe für eine besondere Wertschätzung des Edelmetalls (z. B. Knappheit der Ressource) sollen im Vortrag erwogen werden. Da Gold jedoch auch in weniger reich ausgestatteten Gräbern aufgefunden wurde, ist über alternative Bedeutungsinhalte, die über den des reinen Materialwertes hinausgehen, nachzudenken. Darüber hinaus stellt sich die Frage, inwieweit die Funde Hinweise für das Sozialgefüge und die Organisation der Wirtschaft (Produktion und Handel, wirtschaftliche Beziehungen) liefern können. Schließlich sollte überlegt werden, ob die Aussagekraft hallstattzeitlicher Goldfunde z. B. für die Kategorisierung von Gräbern nicht möglicherweise aufgrund heutiger Wertmaßstäbe überschätzt wird.
Leif Hansen
Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel
lhansen@ufg.uni-kiel.de
von Raimund Karl, Bangor/GB / Wien/A
Von der harten, manuellen Arbeit auf dem Feld oder im Bergbau bis hin zu spezialisierten Aufgaben wie der Erzeugung von Luxusgütern, der Versorgung der Gesellschaft mit den als notwendig erachteten religiösen Riten und politischen Diensten, ohne die Heranziehung menschlicher Arbeitskraft konnte in der Eisenzeit praktisch keine einzige Ressource genutzt werden.
Der Mensch muß daher im Mittelpunkt unserer Überlegungen stehen. Der Mensch und seine Arbeitskraft ist die wichtigste Ressource überhaupt, mit der wir uns bei der Beschäftigung mit eisenzeitlicher Ressourcennutzung auseinandersetzen müssen. Dennoch ist dies viel zu selten der Fall: bei bäuerlicher Arbeit wird üblicherweise so getan, als ob eine glückliche Familie auf ihrer kleinen Farm die notwendige Arbeitskraft zur Bewirtschaftung derselben bereitstellen konnte, und gleichzeitig auch über ausreichende Arbeitskraft verfügte, um ihre Landwirtschaft optimal zu betreiben, also keinen Bedarf hatte, zusätzliche Arbeitskräfte zu beschaffen. Wird der Handwerker erwähnt, so wird er stets als gegeben vorausgesetzt, und so gut wie nie auch nur der geringste Gedanke daran verschwendet, wie denn ein Experte, der aus wertvollen Rohstoffen noch wertvollere Fertigprodukte erzeugen konnte, beschafft werden konnte, und wie dieser Hilfskräfte organisieren konnte, wenn er sich auf jene Arbeiten konzentrieren wollte, für die tatsächlich seine Expertenfähigkeiten notwendig waren, und nicht vom Putzen seiner Werkzeuge bis zum Polieren des Werkstücks jeden Arbeitsschritt selbst durchführen wollte. Wird von Großbauprojekten gesprochen, so ist gewöhnlich von "kommunalen Projekten" die Rede, aber wer diese Bauprojekte plante, die notwendigen Arbeitskräfte beschaffte und ihre Arbeitsleistung organisierte wird stillschweigend übergangen. Und wenn wir mögliche Heiratsbeziehungen anhand ortsfremder Trachten im Grabbrauch zu fassen glauben, dann wird niemals ein Gedanke daran verschwendet, wer diese Heiratsbündnisse anbahnte, die dafür notwendigen Vereinbarungen aushandelte und schließlich die Brautleute einander zuführte, scheinbar unter der Annahme, daß dies in jedem Fall von den Eltern der Brautleute selbst, im Wege magischer Telekommunikation, erledigt wurde.
Daß - und wie - sich solche unterschiedlichen Aufgabenverteilungen, die sich aus der Arbeitsteilung in komplexen Gesellschaften wie jenen der europäischen Eisenzeit zwangsweise ergeben, auf die soziale Strukturierung dieser Gesellschaften auswirken, wird gar nicht erst angedacht, und das, obwohl unsere Erklärungen der europäischen Eisenzeit ganz maßgeblich davon abhängen, wie wir die sozialen Strukturen in diesem Zeit-Raum existierender Gesellschaften rekonstruieren. In diesem Beitrag soll ein Ansatz dargestellt werden, der erklären kann, wie sich Beschaffung und Organisation von menschlicher Arbeitskraft auf die Entwicklung lokal konstituierter, aber dennoch weiträumig selbstähnlicher sozialer Systeme auswirkt, die als Folge empfindlicher Abhängigkeit von Anfangsbedingungen und dem historischen Einrasten von Entwicklungsrichtungen in kulturellen Evolutionsprozessen komplexer Systeme zu jenen Gesellschaften führen, die wir in den antiken Nachrichten über die europäische Eisenzeit erfassen können.
Literatur:
R. Karl, Altkeltische Sozialstrukturen anhand archäologischer, historischer, sprachlicher und literarischer Quellen. Unpubl. Habilitationsschrift, Wien und Bangor/Gwynedd 2003.
Raimund Karl
Department of History and Welsh History, University of Wales Bangor; Universität Wien, Institut für Alte Geschichte
raimund.karl@univie.ac.at
von Dirk Krauße, Esslingen
Nach Ausweis der archäologischen und palynologischen Quellen waren die mittleren und höheren Lagen der Eifel während Neolithikum und Bronzezeit nur dünn besiedelt und agrarisch kaum genutzt. Erst in der älteren Eisenzeit, im späten 7. Jh. Chr., erfolgte eine rasche und intensive Besiedlung dieser Mittelgebirgsregionen, die sich pollenanalytisch durch einen schlagartigen Rückgang der Baumpollen, ergo durch raumgreifende Rodungsprozesse abzeichnet. Die Auflichtung der Landschaft erreichte bereits im Verlauf des 6. Jh. v. Chr. einen Grad, der mit dem der römischen Besiedlungsphase vergleichbar ist.
Welche Ursachen hatte diese Zerstörung der Ressource Wald? Bestand ein Zusammenhang mit der Eisengewinnung oder der Ausbeutung und Verarbeitung anderer Rohstoffe? Wurde die Kolonisation der Mittelgebirgsregionen durch eine klimatische Gunstphase angestoßen?
Plausibler ist ein anderes Erklärungsmodell: Ausgehend von den Altsiedellandschaften setzte im 7. Jh. v. Chr. ein "Binnenkolonisationsprozess" ein, der die unmittelbar verfügbaren Bodenressourcen, also die nach landwirtschaftlichen Kriterien suboptimalen sekundären und tertiären Siedlungs- und Wirtschaftsstandorte in den bis dahin kaum genutzten Gebirgslagen systematisch erschloss.
Es stellt sich die Aufgabe, diese regionalen Befunde mit der Entwicklung in anderen Mittelgebirgsregionen zu vergleichen und vor dem Hintergrund des kontinentalen Zivilisationsprozesses während der Hallstattzeit zu betrachten.
Dirk Krauße
Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Esslingen
Dirk.Krausse@lda.bwl.de
von Michael Nick, Stuttgart
Anders als in der römischen Zeit wissen wir nichts über das Wertverhältnis der in der mittleren und späten Latènezeit gebräuchlichen Münzmetalle Gold, Silber und Aes. Die antiken Schriftquellen liefern hierzu genauso wie zur Kaufkraft der keltischen Münzen keine Anhaltspunkte. Erschwerend kommt hinzu, dass in West- und Mitteleuropa unterschiedliche "Währungssysteme" in Gebrauch waren, die sich verschiedener Gewichte und Münzmetalle bedienten, so dass nicht unbedingt von einem einzigen Verhältnis der Metalle zueinander auszugehen ist. Zwar ist unser Bild von diesen Systemen weitgehend klar, doch erweitern überraschende Neufunde immer wieder unseren Kenntnisstand und geben Anlass dazu, bisherige Ansätze zu überdenken oder zu modifizieren.
Ein weiterer Aspekt ist der zeitliche. Gemeint sind damit die Entwicklung der Münzsysteme im Laufe der Zeit und besonders die Ablösung gängiger Münzmetalle durch andere. Hierin könnte ein Ansatzpunkt liegen, das Verhältnis der Münzmetalle zueinander zu konkretisieren, allerdings nur wenn klar ist, welches Nominal durch ein anderes abgelöst worden ist.
Michael Nick
Landesdenkmalamt Baden-Württemberg
michael.nick@arcor.de
von Frank Nikulka, Lübstorf
Die Frage nach einem eisenzeitlichen Bevölkerungszuwachs in verschiedenen europäischen Teilregionen und seiner Relation zur Nutzung der natürlichen Ressourcen "Land", "Weidegrund", "mineralische Rohstoffe" und "Wasser" soll im Mittelpunkt des Beitrages stehen.
Es gilt aufzuzeigen, welche nachgewiesenen oder beim derzeitigen Forschungsstand auch nur hypothetischen Auswirkungen der Faktor Mensch auf die eisenzeitliche Umwelt gehabt hat.
Wenngleich der Schwerpunkt der Ausführungen auf das Verhältnis "Ressource Mensch" zu "Ressource Natur" gerichtet sein wird, so sind auch ein paar Bemerkungen zur Bedeutung der Ressource Mensch für die gesellschaftlichen Verhältnisse (Bevölkerungsverdichtung und sozialer Wandel) vorgesehen.
Dabei wird zu untersuchen sein, wo und wie der Mensch sich selbst als "Humankapital" bei sozialen Veränderungen eingebracht hat und wie dies archäologisch nachweisbar ist.
Frank Nikulka
Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern
fnikulka@yahoo.de
von Hans Nortmann, Trier
1965 legte J. Driehaus seinen programmatischen Beitrag zu den mittelrheinischen Prunkgräbern der Frühlatènezeit vor. Es handelt sich eher um eine konkretisierte Variante eines weit verbreiteten Denkansatzes, der außergewöhnliche archäologische Erscheinungsbilder, namentlich Prunkgräber, auf ökonomische Ressourcen zurückführt. Der dafür oder alternativ politisch, für einen "Machtzuwachs!", vorausgesetzte soziale und ökonomische Mechanismus bleibt weithin vage. Die für den "Aufschwung" verantwortlich gemachten Faktoren erscheinen ferner wenig überzeugend, wenn konfrontiert mit dem Ende eines Prunkgrabzyklus. Es soll versucht werden, dies für Zeit und Raum der mittelrheinischen Prunkgräber (Ha D3-Lt B1) zu konkretisieren. Es ist dabei darzulegen, wieweit ein ressourcenorientierter oder auch politischer Erklärungsansatz trägt, und ob alternativ ein Deutungsmuster im Sinne der Prunkgrabtheorie nach G. Kossack 1974 angebracht ist.
Hans Nortmann
Rheinisches Landesmuseum Trier
RLMTrier@t-online.de
von Aurel Rustoiu, Cluj-Napoca/RO
Maramuresh is a depression located in Northern Romania and Southern Transkarpathian Ukraine. It is crossed from East to West by the Tisa River. One of its main natural ressources is the salt, which was exploited since prehistory.
The paper presents the fortified settlements of the late Iron age that have been built around the salt-mines. Some other settlements, spread along the main roads, have known a wide economical development because of salt-trade.
Aurel Rustoiu
Institutul de Arheologie, Cluj-Napoca
rustoiu@lycos.com
von Marianne Senn, Dübendorf/CH
Im Zuge meiner Dissertation war es möglich, 20 eisenzeitliche Waffen und Geräte aus dem nordalpinen Raum metallographisch und chemisch zu untersuchen. Gruppiert man diese neuen Untersuchungen mit bereits bestehenden vor allem auf Schwerter beschränkten aus dem nordalpinen Raum, so entsteht ein überraschendes Bild. In der älteren Eisenzeit wurde härtbarer Stahl in diesem Gebiet weitaus häufiger genutzt als in der nachfolgenden mittleren und späten Eisenzeit. Während der mittleren Eisenzeit war phosphorreiches Eisen der beliebteste Werkstoff. Phosphorreiches Eisen ist härtbarem Stahl in vielen Werkstoffeigenschaften ebenbürtig wie neue französische und englische Forschungen zeigen. In der späten Eisenzeit fällt vor allem die Vielzahl der verwendeten Materialien auf sowie die Exzellenz der technischen Fertigung. Diese kleinregionale Entwicklung weicht von der Entwicklung im Grossraum Europa ab. Im Weiteren stellt sich die Frage nach der Verknüpfung zwischen Fertigung und sozialem Status des Besitzers sowie der Veränderung in der Fertigung, wenn das Objekt zum reinen Statussymbol wird.
Marianne Senn
EMPA, Zentrum für Kulturgüteranalytik
Marianne.Senn@empa.ch
von Elisabeth Stephan und Kristine Schatz, Konstanz
Die Kenntnisse über die Tierhaltung und -nutzung in Süddeutschland sowohl in der frühen Phase der keltischen Besiedlung als auch während der letzten zwei Jahrhunderte vor der römischen Okkupation stützen sich auf eine Reihe älterer und jüngerer Untersuchungen. Der Bedarf an tierischem Eiweiß wurde während der gesamten vorrömischen Eisenzeit fast ausschließlich durch Fleisch- und Milchprodukte der Haussäugetiere Rind, Schwein, Schaf und Ziege gedeckt. Wildtieren kam nahezu keine nahrungswirtschaftliche Bedeutung zu. Tierknochenfunde aus späthallstatt-frühlatènezeitlichen Siedlungen wie z. B. Rottenburg-Siebenlinden, Hochdorf und Breisach-Münsterberg weisen eine relativ ausgewogene Verteilung von Rind, Schwein und Schaf/Ziege auf. Die Nutzung der kleinen Wiederkäuer - auch zur Wollgewinnung - scheint hier deutlich intensiver als auf der Heuneburg gewesen zu sein. Dort bildeten in der frühen Siedlungsperiode (IV) Rinder und Schweine fast gleichwertig die Hauptgrundlage in der Fleischversorgung. In den jüngeren Perioden (ab III) überwiegt das Rind deutlich. Schaf und Ziege scheinen dagegen nur einen geringen Beitrag zur Nahrungsversorgung des Fürstensitzes geleistet zu haben. In den Faunenkomplexen aus spätlatènezeitlichen Siedlungen und Viereckschanzen dominiert häufig das Rind. Insgesamt variieren die prozentualen Anteile der Arten jedoch stark.
Die Ursachen dieser unterschiedlichen Wirtschaftsweisen sind zur Zeit noch ungenügend untersucht. Die paläobotanisch belegte Umwandlung von Waldgebieten in offenes Gelände während der Späthallstatt-/Frühlaténezeit in Süddeutschland wird als Anzeichen für die verstärkte Nutzung der Landschaft durch intensivere Weidewirtschaft gedeutet. Eine effektivere Nutzung der natürlichen Ressourcen ermöglichte die Stallhaltung von Tieren. Sichere Nachweise für einen Grünfutterschnitt, der als Folge der Aufstallung gesehen wird, wurden aber bisher erst für die Spätlatènezeit erbracht.
Weitergehende Aussagen zur Nutzung tierischer Ressourcen können aus detaillierten Analysen der Skelettelementverteilungen, des Schlachtalters, der Größe und Wuchsform sowie der Zerlegungsmodi der getöteten Tiere gewonnen werden. Besonders wichtig ist hierbei die kontextuelle Auswertung unter Berücksichtigung feinstratigraphischer und siedlungsfunktionaler Aspekte. Entsprechende Untersuchungen erlauben den Nachweis von sozialen Gruppierungen und Aktivitätszonen innerhalb der Fundplätze sowie von Spezialisierungen in Landwirtschaft, Handwerk und Handel. Darüberhinaus können sie die Kenntnisse über die Versorgungslage zentraler Siedlungen und ihres Umfeldes vergrößern. Analysen der Strontium-Isotopenverhältnisse in Knochen und Zähnen eröffnen hier ergänzend die Möglichkeit, Aufenthaltsorte und Ortswechsel der Tiere zu ermitteln und so auf die Art der Landnutzung in der Umgebung der Siedlungen zurückzuschließen.
Elisabeth Stephan
Kristine Schatz
Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Osteologie, Konstanz
Elisabeth.Stephan@lda.bwl.de
von Hans-Peter Stika, Stuttgart
Die naturräumlichen Voraussetzungen im mittleren Neckarland sind und waren auch zur frühen Eisenzeit für Ackerbau günstig. Neben großflächig guten Böden auf Löss sind auch die klimatischen und topographischen Bedingungen vorteilhaft. Wie siedlungsarchäologische Untersuchungen zeigen, war der Aufsiedlungsgrad in diesem Altsiedelland zur Späthallstatt-/Frühlatènezeit hoch.
Ausgehend von der Siedlungsgrabung Hochdorf "Reps", Kreis Ludwigsburg, wurden archäobotanische Proben von verkohlt und mineralisiert erhaltenen Großresten des mittleren Neckarlandes untersucht. Ziel der archäobotanischen Arbeiten war es, die Hauptanbaufrüchte zu ermitteln und die dortige landwirtschaftliche Arbeitsweise zur frühen Eisenzeit aufzuzeigen. Unter Einbeziehung archäologischer, archäozoologischer und palynologischer Ergebnisse wird versucht, ein Wirtschaftsmodell für die frühe Eisenzeit im Gebiet zu entwerfen.
Als Hauptanbaufrucht konnte Spelzgerste ermittelt werden. Neben der dominanten Gerste war im gesamten mittleren Neckarland auch Dinkel ein wichtiges Getreide. Rispenhirse hingegen spielte nur gebietsweise eine größere Rolle. Vor allem die Hülsenfrüchte Erbse und Linse, in schwächerem Maße auch Ackerbohne und Linsen-Wicke, stellten neben Lein wichtige Anbaufrüchte dar.
Neben typischen Ackerunkrautresten stellen Grünlandtaxa eine weitere große Gruppe der belegten Wildpflanzenreste dar. Zum einen kann aus diesen Funden auf eine verstärkte Nutzung der Flussauen und Magerrasen als Weideflächen geschlossen werden, zum anderen stellt sich die Frage, ob die zahlreichen Belege von Grünlandarten ackerfähiger Standorte auf eine gezielte Anlage von Mähwiesen hinweisen könnten.
Aus den Ergebnissen der archäobotanischen Untersuchungen kann zusammen mit den archäozoologischen und archäologischen Arbeiten folgendes Landwirtschaftsmodell für die frühe Eisenzeit im mittleren Neckarland entwickelt werden: Die vergleichsweise anspruchslosen Getreide Gerste und Dinkel sowie eingeschränkt Hirse wurden im Wechsel mit Hülsenfrüchten angebaut. Nach wenigen Jahren Anbau folgte eine Brachephase, die ebenso wie abgeerntete Äcker als Weidefläche genutzt wurden. Der Grünbrache folgte nach einem Abflämmen und Pflügen eine erneute Anbauphase. Auf dem guten Ackerland wurde eine Feld-Gras-Wirtschaft betrieben. Die Umtriebszeiten haben sich in der frühen Eisenzeit gegenüber vorangegangenen Perioden verkürzt. Der erste Einsatz eisenverstärkter Pflugscharen intensivierte die Bodenbearbeitung, ein grundlegender Wandel trat aber nicht ein. Der hohe Aufsiedlungsgrad führte zu einer verstärkten Nutzung der feuchten Flussauen besonders für Rinder und die trockenen Oberhänge der Muschelkalktäler wurden verstärkt als Triftweiden für Schafe und Ziegen herangezogen. Die Öffnung der Landschaft war stark fortgeschritten, neben archäobotanischen und archäologischen Hinweisen sprechen auch die hohen Anteile an Schaf- und Feldhasenknochen im Fundgut hierfür.
Hans-Peter Stika
Institut für Botanik, Universität Hohenheim
stika@uni-hohenheim.de
von Thomas Stöllner, Bochum
Ausgehend von räumlichen Strukturmerkmalen der eisenzeitlichen Rohstoffgewinnung wird in einem ersten Teil die komplexe und teils unbefriedigende Forschungslage besprochen, wie sie sich in bezug auf die Gewinnung primärer Rohstoffe speziell für die Hallstattzeit immer noch darstellt. Hauptaugenmerk wird dabei auf großräumig genutzte Massenprodukte wie auf das Eisen, das Salz oder auch die Buntmetalle gelegt. Darauf aufbauend wird der Versuch unternommen, einige Schlüsselfaktoren für die Interaktion von Siedlungslandschaften und der Primärproduktion herauszuarbeiten. Fokussiert werden diese Fragen mit der Salzgewinnung in Bad Nauheim und in den Ostalpen, mit der Goldgewinnung in Zentralfrankreich, der Eisengewinnung im Siegerland und die Gewinnung von "Svartná" zur Herstellung von Sapropelitarmringen in Mittelböhmen. Sie regen zu einem theoretischen Vergleich ihrer Strukturmerkmale an und sollen die unterschiedliche wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung verstehen helfen.
Thomas Stöllner
Deutsches Bergbau-Museum
thomas.stoellner@bergbaumuseum.de
von Peter Trebsche, Frankfurt
Im Mittelpunkt dieses Beitrages steht die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, vor allem von Jagdtieren und von Fischen. Boden, Wald, Wasser und Klima bildeten als Ressourcen bzw. Umweltfaktoren die Grundlagen für Landwirtschaft, deren Schwerpunkt auf Ackerbau oder Viehzucht im Besonderen behandelt werden soll.
In bezug auf die Jagd werden der Beitrag zur Fleischversorgung und der soziale Status diskutiert. Die Jagdtierfauna kann auch Hinweise zur Nutzung verschiedener Biotope geben. Im Allgemeinen bringt man einen geringen Anteil von Jagdwild an den Tierknochen einer Siedlung mit fortschreitender Urbanisierung oder Industrialisierung in Zusammenhang. Auch der Stellenwert des Fischfangs und mögliche Spezialisierung werden besprochen.
Aus methodischer Sicht soll hauptsächlich untersucht werden, wie sich das Verhältnis zwischen Ackerbau und Viehzucht gestaltet. Die Frage, ob Siedlungen überwiegend agrikulturell oder pastoral ausgerichtet waren, hängt eng mit der Standortwahl und den Umweltressourcen zusammen.
Folgende Methoden, die auf unterschiedlicher Quellenbasis und unterschiedlichen Maßstabsebenen beruhen, kommen zur Lösung dieser Problemstellung in Frage:
1. Großräumige Naturraumanalysen mittels GIS: Vor kurzem kamen mehrere Studien zum Ergebnis, daß in der Späthallstatt-/Frühlatènezeit die Viehzucht gegenüber dem Ackerbau an Bedeutung gewonnen habe. Dieser Ansatz soll anhand konkreter archäozoologischer Befunde überprüft werden.
2. Modellrechnungen und Umweltrekonstruktionen von Siedlungskammern (mittlere Maßstabsebene).
3. Archäozoologische und -botanische Analysen auf der Ebene einer einzelnen Siedlung. Sie können nur schwierig zueinander in Beziehung gebracht werden, da die Erhaltungschancen und Auffindungsbedingungen für die entsprechenden Quellen sehr unterschiedlich sind. Am Fallbeispiel der späthallstattzeitlichen Höhensiedlung "Burgwiese" in Ansfelden bei Linz (Oberösterreich) wird der Versuch unternommen, die Erträge von Ackerbau, Sammelpflanzen, Viehzucht, Jagd und Fischfang zu vergleichen.
In Ansfelden fanden von 1999 bis 2002 Ausgrabungen im Rahmen eines Forschungsprojektes zu Höhensiedlungen im Linzer Raum statt (Leitung: O. H. Urban, Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien; E. M. Ruprechtsberger, Nordico - Museum der Stadt Linz). Dabei konnten - erstmals für eine hallstattzeitliche Siedlung in Oberösterreich - zahlreiche Tierknochen sowie Schlämmproben analysiert werden. Die Bestimmungen der zoologischen Funde durch M. Schmitzberger, der Fischknochen durch A. Galik und der botanischen Großreste durch V. Wähnert stehen bereits für eine Gesamtbetrachtung zur Verfügung.
Ausgewählte Literatur:
A. Posluschny, Die hallstattzeitliche Besiedlung im Maindreieck. GIS-gestützte Fundstellenanalysen. BAR Internat. Ser. 1077 (Oxford 2002).
E. Pucher, Archäozoologische Untersuchungen am Tierknochenmaterial der keltischen Gewerbesiedlung im Ramsautal auf dem Dürrnberg (Salzburg). Dürrnberg-Forsch. 2 (Rahden/Westf. 1999).
P. Trebsche, Neue Einblicke in die Urgeschichte von Ansfelden: Die Ausgrabungen auf der Burgwiese 1999-2002. In: J. Leskovar / Ch. Schwanzar / G. Winkler (Hrsg.), Worauf wir stehen. Archäologie in Oberösterreich. Kat. Oberösterr. Landesmus. N. F. 195 (Weitra 2003) 77-84.
Peter Trebsche
Römisch-Germanische Kommission
Trebsche@rgk.dainst.de
von Stefanie Wefers, Münster
Durch eine Zusammenstellung latènezeitlicher Drehmühlen im nordmainischen Hessen ist es möglich, Rückschlüsse auf Herkunft, Handel und Nutzung zu ziehen.
Insgesamt wurden 142 Drehmühlen, Bruchstücke und Halbfabrikate aufgenommen und ausgewertet. Von diesen konnten bisher insgesamt 20 Dünnschliffe zur Herkunftsbestimmung der Gesteine mit Hilfe der Polarisationsmikroskopie angefertigt werden. Dadurch hat sich eine im Vorfeld erfolgte makroskopische Herkunftszuweisung der Gesteine bestätigt. So konnten zwei Steinbrüche im nordmainischen Hessen bestimmt werden. Weiterhin wurde die Herkunft einiger Drehmühlen dem Vogelsberg zugewiesen, wobei hier noch keine Steinbrüche lokalisiert werden konnten. Jedem dieser Steinbrüche kann ein Drehmühlen-Verbreitungsgebiet zugewiesen werden, welches wahrscheinlich das Hauptbelieferungsgebiet darstellt. Weiterhin ist es mit Hilfe der Polarisationsmikroskopie möglich, den Import von Drehmühlen aus der Mayener Region, wie schon in früherer Zeit vermutet, zu bestätigen.
Mit Hilfe der fertig gestellten und genutzten Drehmühlen ist es außerdem möglich, eine Typologie anhand der Oberseitengestaltung im Falle der Läufer und Unterseitengestaltung im Falle der Unterlieger zu erstellen. Diese Typologie wird durch eine Auswertung in Bezug auf die Mineralogie, Verbreitung, Abnutzung und den Fundkontext gestützt.
Stefanie Wefers
Seminar für Ur- und Frühgeschichte, Münster
steffiwefers@gmx.de