von Peter Trebsche, Wien (peter.trebsche-at-univie.ac.at)
Der Beitrag beschäftigt sich - nach einem Überblick über die Vielfalt eisenzeitlicher Architektur als Summe der gebauten Umwelt - mit der
Form und Funktion von Gebäuden sowie mit den der Archäologie zur Verfügung stehenden Methoden, wie vom einen auf das andere zu
schließen ist.
1. Form: Ausgehend von der Vergänglichkeit prähistorischer Holz- bzw. Lehmarchitektur werden die Schwierigkeiten bei der Befunddeutung bzw.
bei der Rekonstruktion von Gebäudebefunden erläutert. Möglichkeiten der formalen Klassifikation von Gebäudebefunden werden vorgestellt
(z. B. nach dem Erhaltungszustand, Grundriss, Größe, Anzahl der Pfosten/Schiffe/Joche, statistische Verfahren der Gruppenbildung).
2. Funktion: Außer als Schutzbau, Wohnung und Arbeitsstätte erfüllt das Haus noch andere Bedürfnisse: Es spiegelt und prägt soziale
Verhältnisse und es besitzt symbolische Bedeutung. Es soll diskutiert werden, welche potentiellen Funktionen eisenzeitlichen Gebäuden
zugeschrieben werden können. Dabei gilt es zu beachten, dass der intendierte Zweck eines Gebäudes (Primärfunktion) keineswegs mit
Sekundär- oder Tertiärfunktionen übereinstimmen muss. Die Nutzung von Gebäuden ändert sich im Verlauf ihrer "Lebenszyklen".
3. Verhältnis zwischen Form und Funktion: In der Archäologie werden unterschiedliche Wege beschritten, um zu einer funktionalen Deutung
von Gebäudebefunden zu gelangen (ad-hoc-Interpretationen, Indizienbeweise, Analogieschlüsse, intuitive Gruppenbildung, statistische
Analysen). Anhand von Beispielen wird die Aussagekraft und Problematik gängiger Deutungsschemata erörtert.
von Wolfgang F. A. Lobisser, Wien (wolfgang.lobisser-at-univie.ac.at)
Der Dürrnberg bei Hallein in Österreich erbrachte in den letzten Jahrzehnten neben Bergbau- und Gräberfunden auch aufschlussreiche Nachweise
zu eisenzeitlichen Siedlungsgewohnheiten und zum Hausbau. In den Jahren 1988/89 wurden im Zuge einer Notgrabung etwa 230 m² im Ramsautal
archäologisch untersucht. Vier Siedlungshorizonte der eisenzeitlichen Gewerbesiedlung zeugen von einer regen Siedlungstätigkeit im Ramsautal
von der späten Hallstattzeit bis zur Mittellatènezeit. Durch die guten Erhaltungsbedingungen der feuchten Wiesen konnten etwa 9000 Reste aus
Holz geborgen werden, die uns Rückschlüsse zur Konstruktionstechnik der Gebäude erlauben.
Gefunden wurden Bauhölzer wie Schwellbalken, Pfosten, Piloten, Spaltbretter, Keile und Holznägel, die zeigen, welche Holzverbindungstechniken
am Dürrnberg bekannt waren, aber auch Reste von Werkzeugen und Gerätschaften des täglichen Lebens. Weiters fanden sich große Mengen an
Abfallhölzern, wie abgetrennte Überlängen, Hackscharten und Schnitzspäne, die zum Großteil vom Hausbau stammen. Zu den Bauhölzern liegen
bereits erste Ergebnisse vor. Die anderen Hölzer, Werkzeugteile, Gerätschaften und Werkabfälle werden zur Zeit bearbeitet und ausgewertet.
Durch praktische archäologische Experimente war es möglich, verschiedene Holzabfalltypen einzelnen Arbeitsschritten und Holzverbindungstechniken
im Hausbau zuzuordnen. Der Ansatz zielte dahin, die vom Dürrnberg bekannten Bauhölzer mit nach archäologischen Vorbildern geschmiedeten
Werkzeugtypen der Eisenzeit zu reproduzieren, um dabei vergleichbare Abfälle zu erzeugen. So wurde auch weitgehend klar, wie einzelne
Arbeitsschritte mit unterschiedlichen Werkzeugtypen in der Eisenzeit bewerkstelligt werden konnten und wo bestimmte Holzverbindungstechniken
im konstruktiven Verband Sinn machten. Auch zur Herstellung und Verwendung von Werkzeugen und Geräten wurden praktische Experimente
durchgeführt. Der Vortrag will einen aktuellen Zwischenbericht zu den laufenden Arbeiten geben.
Literatur: W. F. A. Lobisser, Die eisenzeitlichen Bauhölzer der Gewerbesiedlung im Ramsautal am Dürrnberg bei Hallein. Dürrnberg-Forsch.
Abt. Siedlung 4 = Veröff. Dt. Bergbau-Mus. Bochum 133 (Rahden 2005).
von Janine Fries-Knoblach, Dachau (janine-at-fries-knoblach.de)
Hüttenlehm ist eine bei Fundbergung und -konservierung, Auswertung und Publikation notorisch unterschätzte Fundgattung. Dies ist bedauerlich,
weil er ein erhebliches Potential an Aussagemöglichkeiten birgt. Dies betrifft die Konstruktion und Instandhaltung von tragenden Teilen und
Wandfüllungen ebenso wie die optische Gestaltung von Gebäuden. Obwohl Abdrücke von Flechtwerk überwiegen, liegen auch schwerer zu erkennende
Negative von größeren Rund- und Spalthölzern vor. Manchmal haben sich Hinweise auf die Abfolge verschiedener Arbeitsschritte erhalten.
Besondere Beachtung finden im Vortrag die seltenen Fälle plastischer und farbiger Verzierung von Lehmflächen, die in einer langen Tradition
seit dem Neolithikum stehen und eine aufwendige Gestaltung mancher Gebäude oder Gebäudeteile erahnen lassen. Dieser Farb- und Formreichtum
steht in auffallendem Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Rekonstruktionen eisenzeitlicher Häuser in Freilichtmuseen. Im Hinblick darauf
wird anhand anderer Materialgattungen abgewogen, ob eine puristische Beschränkung auf das sicher Nachgewiesene in jedem Fall die einzig
richtige Lösung darstellt, oder ob auch freiere, farbig gestaltete Rekonstruktionen, wenn sie - z. B. durch Teilrekonstruktion - angemessen
kenntlich gemacht sind, das Bild von der Vorgeschichte bereichern können.
von Jan Bouzek, Prag (bouzjaff-at-ff.cuni.cz)
Die Spuren der Hausarchitektur in der frühen Eisenzeit geben oft keine klare Antwort: Die Pfostenbauten der Bronzezeit sind nicht mehr
regelmäßig durch Reihen von Pfosten markiert wie es früher der Fall war, und die Bauten vom Biskupin-Typ haben ungeheuer viel Holz
gebraucht und in den mehr offenen Gebieten war nicht immer genügend vorhanden. Gute Fragmente vom Bewurf zeigen Spuren sowohl vom
Flechtwerk, als auch vom gespaltenen Holz, wie z. B. in der Siedlung von Vikletice, die wir jetzt zur Publikation vorbereiten. Bessere
Parallelen hinzu sind aus Grabungen auf dem Balkan bekannt. Besonders unsere Grabung in Vetren-Pistiros haben gute Beispiele geliefert.
Die traditionelle Architektur auf dem Balkan benützte auch Rahmenkonstruktion und Flechtwerk für die Füllung der Wände.
von Veronika Holzer, Wien (veronika.holzer-at-NHM-WIEN.AC.AT)
Durch die Zerstörung des Objektes 1/01 von Roseldorf mittels Brandes waren uns wichtige Befunde im verkohlten Zustand außerordentlich gut
erhalten geblieben. Der Befund zeigte uns ein leicht eingetieftes rechteckiges zweigeschossiges Gebäude in Palisadenbauweise. Neben
zahlreichen Pfosten waren vor allem mächtige Lagen an verkohltem Getreide (insgesamt 204 Liter) im Erdgeschoss des Gebäudes erhalten
geblieben. Es handelte sich dabei um exzellent erhaltene, räumlich klar voneinander in zwei Bereiche getrennte und von ihrer Zusammensetzung
deutlich voneinander unterscheidbare Vorräte (Wintersaatvorrat und Sommersaatvorrat). Im Obergeschoss des Gebäudes waren ebenfalls
Getreidereste erhalten.
Die Interpretation dieses Getreidebefundes schien auf den ersten Blick nicht ganz einfach zu sein, es fanden sich keine direkten Analogien
aus der Urgeschichte - von den bekannten Speichervarianten waren die Silospeicherung und die Pfostenspeicherung von vornherein
auszuschließen. Aus diesem Grund weitete ich die Suche nach Parallelen auf die europäische Ethnologie aus und fand glücklicherweise
zahlreiche Beispiele eigenständiger ebenerdiger Speicherbauten (Getreidekästen, Troadkästen, Schüttkästen, Feldkästen, Kornkästen,
Kästen etc.). Charakteristisch für sie sind der selbständige Eingang mit massiver Tür und ihre Zweigeschossigkeit. Die Größe dieser
Getreidekästen schwankt zwischen quadratischen 5 m oder rechteckigen 5 x 7 m Seitenlänge. Sie dienten zur Trockenlagerung des geernteten
Getreides und zur mittelfristigen Lagerung des in Säcken oder anderen Behältern abgefüllten bereits trockenen Getreides. Die Konstruktion
des Gebäudes musste aufgrund des hohen Gewichts des eingelagerten Getreides sehr belastungsfähig und aus festen Baustoffen gebildet sein.
Nach meinen nunmehrigen Erkenntnissen über Getreidelagerung aus der europäischen Ethnologie (Österreich, Schweiz, Iberische Halbinsel,
Skandinavische Länder, Baltikum, westliche und östliche slawische Sprachgebiete und Ungarn) konnten alle meine Bedenken, dass Getreide
nicht am Boden in einem ebenen oder leicht eingetieften Gebäude gelagert werden kann, widerlegt werden. Diese klaren Entsprechungen zum
Befund von Roseldorf und der Roseldorfer Befund selbst sind so eindeutig, dass eine Interpretation als Getreidekasten bestätigt und eine
andere Schlussfolgerung meines Erachtens nicht möglich ist. Somit haben bereits die Kelten Getreidekästen in dieser Form errichtet und
genutzt. Bewährte Einrichtungen wie diese freistehenden Speicher mussten notwendigerweise nicht verändert werden und behielten solange
ihre Bedeutung, wie der autarke Charakter der Landwirtschaft dominierte.
von Ernst Lauermann, Asparn (ernst.lauermann-at-noel.gv.at)
Die Bedeutung der Entdeckung des Heiligtums von Roseldorf in Niederösterreich kann als archäologische Sensation angesehen werden, da bislang
die Anlage einzigartig in Mitteleuropa ist. Ähnliche Vergleichsfunde finden sich vor allem in Frankreich. Daher ist es ein besonderes Anliegen
der niederösterreichischen Landesarchäologie, die ja die Grabungen entsprechend fördert, der historisch-archäologischen Bedeutung des
Fundplatzes entsprechend Rechnung zu tragen. Eine Errichtung als 1: 1 Modell wurde in Erwägung gezogen.
In der Prähistorischen Archäologie über Kulte, Riten und Religion zu sprechen, hat immer einen gewissen schalen Beigeschmack an sich. Zu
dürftig sind in den meisten Fällen die archäologischen Hinterlassenschaften, die uns nur in den wenigsten Fällen Einblicke in die geistigen
Vorstellungen geben, zu dünn ist eben das Eis unseres archäologischen Erbes, was Kulte und Religion betrifft. Als Menschen des 21. Jahrhunderts
ist es uns eben nicht möglich, an der Geistes- und Gedankenwelt längst vergangener Epochen teilzuhaben. Trotzdem oder gerade deswegen ist
diese Materie so interessant und lässt oft viele Ansätze zu. Daher ist die Errichtung eines "keltischen Heiligtums" in einem archäologischen
Freigelände eine Herausforderung der besonderen Art, eine Provokation, die zur Diskussion anregen soll.
Überlegungen zur Errichtung - Fragestellungen
Im Einverständnis und unter Anleitung der Ausgräberin, Veronika Holzer von der prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in
Wien, wurde nun das Roseldorfer Heiligtum als Denkmodell im archäologischen Freigelände im Museum für Urgeschichte des Landes Niederösterreich
in den Monaten Mai 2007 bis April 2008 errichtet.
Im wissenschaftlichen Beirat waren neben der Ausgräberin Dr. Veronika Holzer und dem Museumsdirektor Dr. Ernst Lauermann, Mag. Wolfgang
Lobisser und Dr. Peter Trebsche. Die Durchführung übernahm die wissenschaftliche Institution VIAS vom Institut für Ur- und Frühgeschichte
der Universität Wien in Zusammenarbeit mit dem Museum für Urgeschichte des Landes Niederösterreich in Asparn/Zaya.
Einige Grundvoraussetzungen mussten berücksichtigt werden. Zahlreiche Fragen warteten auf Beantwortung.
· Als Grundlage dient der archäologische Befund des großen Heiligtums von Roseldorf.
· Welche anderen Heiligtümer eignen sich besonders als Analogie zu Roseldorf?
· Die Zeitstellung muss in Latène C, in der Latènekultur liegen.
· Eine Übereinstimmung in den dokumentierten Befunden soll gesucht werden.
· Auswahl der Opfergraben (Waffen, Wagenteile, Tier- und wenig Menschenknochen)
· Als Vergleichsbefunde dienen die publizierten Berichte von französischen Heiligtümern.
· Das neue Ensemble muss den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden und gut in das archäologische Freigelände passen.
· Wie könnte eine mögliche Palisade in Roseldorf ausgesehen haben?
· Wie kann der Eingang zum Heiligtum in Roseldorf ausgesehen haben?
· Wie können Gebäude im Inneren des Heiligtums von Roseldorf rekonstruiert werden?
· Die Umsetzung vor Ort muss eine Mischung aus experimentellem Handwerkszeug und beschränktem Einsatz von modernen Mitteln sein, da eine
rein auf experimental archäologischer Basis errichtete Anlage den zeitlichen und finanziellen Rahmen bei weitem gesprengt hätte.
von Gaëlle Robert, Tours (gaelle.robert-at-inrap.fr)
Das Ziel dieses Vortrags ist, die aktuelle Forschung über die Architektur des Eisenzeit in der Gegend "Centre" (Frankreich) vorzustellen,
berücksichtigend die letzten Ergebnisse der Ausgrabungen. In der Tat, seit einigen Jahren, haben Notbergungen die Vermehrung der Entdeckungen
erlaubt und sie haben die Untersuchungsquellen über die Architektur in dieser Gegend gänzlich erneuert. Jedoch veranlassen die eigenen
Besonderheiten der Holzarchitektur und der Gegend "Centre", sich rückbezügliche Fragen zu stellen: Welche Rekonstruktion ist für welchen Gebäudeplan
in Betracht zu ziehen? Wie ist die Funktion dieser Gebäude zu definieren? Auf welchen Kriterien? Und sogar, wie ist dieser Überresttyp auszugraben,
um das Maximum nutzbarer Auskünfte zu sammeln? Seit nunmehr drei Jahren haben die Ausgrabungen in der Gegend "Centre" sehr interessante
Beispiele geliefert, die erlaubt haben, auf diesen Fragen fortzuschreiten. Die Gegenüberstellung der Arbeiten, die in dieser Gegend ausgeführt
wurden, mit derzeitigen Forschungen, die in Deutschland und anderswo geführt wurden, könnten zweifellos zu neuer Beleuchtung dieses Themas führen.
L'objet de cette communication est de présenter un état des lieux de la recherche sur l'architecture à l'âge du Fer en
région Centre (France), en tenant compte des apports des dernières fouilles. En effet, depuis quelques années,
l'archéologie préventive a permis la multiplication des découvertes et a de ce fait complètement renouvelé
l'approche sur l'architecture à l'âge du Fer dans cette région. Cependant, les spécificités propres à
l'architecture en bois et à la région Centre font qu'on se heurte à des questions récurrentes: Quelle restitution
envisager pour tel type de plan de bâtiment? Comment définir la fonction de ces constructions? Sur quels critères? Et
même, comment fouiller ce type de vestiges pour recueillir le maximum de données exploitables? Depuis maintenant trois ans, les
fouilles en région Centre ont fourni des exemples intéressants, qui ont permis d'avancer sur ces questions. La confrontation de
ces travaux avec ceux menés en Allemagne et ailleurs pourrait sans doute apporter de nouveaux éclairages sur ce thème.
von Loup Bernard, Strasbourg (loupbernard-at-hotmail.com)
Eisenzeitliche Forschung in Südfrankreich betrifft hauptsächlich siedlungsarchäologische Fragestellungen, so sind heutzutage in der
Provence über 100 Höhensiedlungen bekannt und erforscht. Was die Latènezeit angeht, sind einige wichtige Fundplätze wie Entremont,
Martigues oder La Cloche besonders gut bekannt. Antike Autoren ergänzen einiges zum Bild der sozialen Gliederung der vorrömischen Zeit
in Südgallien.
Im Jahr 2007 wurde nach acht Jahren Ausgrabungen zum ersten Mal eine solche Siedlung komplett freigelegt: Le Verduron. Das Fundspektrum
sowie die Architektur dieser Siedlung ermöglichen einige Interpretationen, was die soziale Gliederung innerhalb solcher Dörfer angeht:
Vorplanung im Bau, genormte Gebäudeflächen oder Spuren einer "Elite" in der Siedlung. Diese neuen Informationen und die zahlreichen
regionalen Vergleichsobjekte ermöglichen eine gute Vorstellung von der Siedlungsweise der südlichen Kelten.
von Sabine Rieckhoff, Ralf Hoppadietz, Doreen Mölders und Matthias Wöhrl, Leipzig (rieckhoff-at-rz.uni-leipzig.de, moelders-at-uni-leipzig.de,
m-woehrl-at-web.de, Ralf-Hoppadietz-at-gmx.net)
In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entzündete sich in Frankreich ein Diskurs über die Funktion der Oppida. Vom Kolonialismus gespeiste
Faszination durch die antiken Hochkulturen einerseits und nationaler Stolz auf die gallisch-einheimischen Denkmäler andererseits prallten
aufeinander: Refugium oder Stadt? Ville oder cité? lauteten die Alternativen. Die Antwort suchte man in der damals aufblühenden
archäologischen Feldforschung. Im Zentrum der Diskussion stand die Architektur von Bibracte. Aus der Mischung aus römischen Bauelementen
(Ziegel, Säule, Mosaik, Porticus, etc.) sowie einheimischer Latènekultur (vor allem Münzen und Scherben) konstruierten die Ausgräber eine
vermeintlich vorcaesarische, spezifisch gallo-römische Architektur und Lebensform. Auf dieser Basis definierte J. Werner 1938 die
"keltische Stadt", leider ohne quellenkritische Befundanalyse. Die Oppidaforschung nach 1950 mied den Stadtbegriff daher lange Zeit. Erst
die modernen Grabungen in Bibracte, die 1984 einsetzten, boten die Gelegenheit, Werners Modell zu überprüfen. Es muss einerseits tatsächlich
in einem wesentlichen Punkt korrigiert werden. Andererseits ist aber auch deutlich geworden, dass Architektur als Medium der Repräsentation
von Prestige und Macht schon in vorcaesarischer Zeit wirksam wurde. Diese Entwicklung verstärkte sich kontinuierlich, bis um die Mitte des
1. Jh. v. Chr. in Bibracte das nördlichste Forum mit Basilika in Gallien entstand. Der Vortrag rekonstruiert den sozialen Wandel einer
keltischen Gesellschaft im Spiegel ihrer Architektur.
von Willy Tegel, Bohlingen, Christophe Laurelut und Jan Vanmoerkerke, Châlons-en-Champagne (tegel-at-dendro.de, jan.vanmoerkerke-at-culture.gouv.fr,
christophe.laurelut-at-wanadoo.fr)
In den letzten Jahren haben präventivarchäologische Ausgrabungen in Frankreich stark zugenommen. Dabei konnte eine beträchtliche Anzahl
späteisenzeitlicher Siedlungen untersucht werden. Die zahlreichen dokumentierten Hausgrundrisse der späten Latènezeit führten zu neuen
Erkenntnissen über die Gebäudearchitektur. Eine wesentliche Besonderheit ist, dass die hölzernen Gebäudepfosten im feuchten Bodenmilieu
der Flusstäler von Mosel und Maas in einigen Fällen noch teilweise erhalten waren. Dies führte über dendrochronologische Datierungen zu
einer besseren chronologischen Einordnung und lieferte neue technische Erkenntnisse zur aufgehenden Konstruktionsweise. Es zeigte sich,
dass die meist sehr groß dimensionierten Pfosten einiger Gebäudetypen als Fundamente zu betrachten sind, auf denen das Gebäude lastet.
In der Zeit um 200 v. Chr., mit dem Entstehen der Oppida und noch geringem direkten römischen Einfluss, vollzieht sich ein grundlegender Wandel
im Einflussbereich der Latènekultur, weg vom über Jahrtausende vorherrschenden architektonischen Prinzip des Pfostenbaus hin zu neuen
Baukonzepten. Es handelt sich um eine vom Boden abgehobene Bauweise auf vier bis sechs Pfosten, die einen Durchmesser von bis zu 80 cm
aufweisen. Gegen Ende des 1. Jh. v. Chr. wurden bei gleichbleibenden Gebäudegrundrissen die unverändert groß dimensionierten Pfosten schräg
in den Boden eingebracht. An der Fundstelle von Vendresse (Dep. Champagne-Ardenne) waren diese noch erhalten. Es sind hier mächtige,
rechteckig zugearbeitete Kanthölzer. Die Stämme wurden so bearbeitet, um für ein Gebäude möglichst gleich dimensionierte Pfosten zu erhalten.
Die Pfosten sind nicht zugespitzt. Sie besitzen flache Standflächen, die abgeschrägt wurden, so dass die Pfosten in einem Winkel von rund
20° von der Traufseite zur Mittelachse hingeneigt sind.
Mit den neuen Befunden in Ostfrankreich wird es nun möglich, einen weit verbreiteten eisenzeitlichen Gebäudetypus näher zu betrachten
und im Kontext der Siedlungen zu interpretieren. Erste Ergebnisse zu Architektur und Funktion werden vorgestellt.
von Aurel Zanoci und Valeriu Banaru, Chisinau (valeriubanaru-at-hotmail.com)
Geographischer Rahmen: Die vorliegende Untersuchung befasst sich mit den Materialien eines geographischen Raumes, dessen Grenzen wie folgt
definiert sind: Im Westen und Osten das östliche Karpatengebirge bzw. der Fluss Dnjestr; im Norden und Süden der Prut-Oberlauf bzw. die
nordwestliche Küste des Schwarzen Meeres.
Chronologischer Rahmen. Der zeitliche Beginn der Untersuchung, nämlich das 6. Jh. v. Chr., steht in Zusammenhang mit dem Auftauchen
der ersten, für die thrakisch-getische Kultur spezifische Befestigungsanlagen in diesem Raum. Als Endpunkt gilt generell das Verlassen oder
Zerstören dieser Abwehrsysteme am Ende des 3. Jhs. v. Chr., die zum größten Teil durch die Expansion der germanischen Stämme der Bastarnen
verursacht wurden.
Zwar verfügen wir gegenwärtig über Informationen von etwa 100 Befestigungen in unserem Arbeitsgebiet, jedoch nur bei 17 von ihnen wurden
die vorhandenen Abwehrmauern archäologisch erforscht. Dennoch kann man sich bereits in dieser Phase der Untersuchung eine erste Vorstellung
von den in diesem Zeitraum bestehenden Verteidigungsanlagen machen. So zeigt eine vergleichbare Durchsicht aller vorhandenen Indizien, dass
bei der Errichtung der Fortifikationen zwei unterschiedliche Wehrbautechniken Verwendung fanden, nämlich eine, die den lokalen,
hallstattzeitlichen Traditionen entsprach, und eine andere fremdartige, die im Zusammenhang mit den Bauten der mediterranen Welt steht.
In dem ersten Fall handelt es sich um eine Mauertechnik, bei der für den Bau der sog. Wälle ("valuri") unterschiedliche Materialien wie
Holz, Erde und seltener Steine verwendetet wurden. Aufgrund der archäologischen Befunde kann man davon ausgehen, dass man an der Stelle
der zukünftigen Wehrmauer zuerst Kästen aus horizontal und vertikal angeordneten Holzbalken errichtete, die danach mit Erde und
gelegentlich unbearbeiteten, unregelmäßig verlegten Steinen aufgefüllt wurden. Solche Verteidigungsanlagen konnten aufgrund der
archäologischen Beobachtungen in den thrako-getischen Befestigungen von Saharna Mare, Saharna Mica, Mascauti - "Dealul cel Mare",
Potârca etc. rekonstruiert werden.
Bei der zweiten fortifikatorischen Maßnahme lässt sich die Verwendung von mehr oder weniger bearbeiteten Steinen feststellen. Die auf diese
Weise errichteten Steinmauern standen entweder separat, wie bei der Befestigung von Butuceni, oder wurden in Bauten aus Holz und Erde
eingegliedert (Arsura, Cotnari, Butceni-Ostumwallung). Ohne weiteres l&aumm;ßt sich diese Bautechnik, die im lokalen Milieu keine Vorläufer hatte,
auf mediterrane Anregung zurückführen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass der Höhepunkt ihrer Verbreitung bei den Thrako-Geten im 4. Jh. v.
Chr. liegt, einer Zeit, in der auch die regen Kontakte mit den griechischen Kolonien an der Schwatzmeerküste gipfeln. Unter Berücksichtung
archäologischer Funde und Befunde aus den erwähnten Grabungsorten wurde versucht, die Verteidigungsanlagen aus dem untersuchten Gebiet
graphisch zu vervollständigen.
von Miloslav Chytrácek, Prag (chytracek-at-arup.cas.cz)
Funde belegen eine relativ große Gruppe von Höhenfundorten in Westböhmen, die in der Hallstatt- und Latènezeit aus verschiedenen
Gründen aufgesucht wurden. Siedlungsaktivitäten sind an einigen Höhenorten bereits in der Stufe Ha D1 erwiesen. Zur Gruppe der fünf
ältesten hallstattzeitlichen Siedlungsbelege gehört der Herrenhof in Stítary n. R.-Hostetice, Kr. Domazlice. Der rechteckige Innenhof war
mit einem System von zwei parallel geführten Palisadengräben umgeben. Der Grundriss des ganzen umzäunten Areals war quadratisch bis
rechteckig mit stark abgerundeten Ecken und gewölbten Seiten. Das Wohnareal befand sich auf der Fläche des rechteckigen Innenhofs, wo
Reste von großen rechteckigen Pfostenbauten gefunden wurden; die Innenfläche des Gehöfts ist leider durch Ackerbau sehr zerstört.
In der folgenden Stufe, vor allem während Ha D2-3/LT A, kommt es in Westböhmen zu einem zahlenmäßigen Anstieg der befestigten
Höhensiedlungen. Durch Grabungen konnte in Westböhmen lediglich die Mauer des Burgwalls Svrzno (Ha D2-3) datiert und rekonstruiert
werden. Die älteste Befestigung ist hier schon in der Stufe Ha B belegt. Die Ergebnisse der Grabung verraten, dass die Anlage des
vorgeschobenen Grabens und der zwei ältesten Bauphasen der Abschnittsbefestigung der Späturnenfelderzeit (Ha B2-3) angehören. In der
Späthallstattzeit wurde die Ringumzäunung des Berggipfels errichtet, die später durch eine 2-3 m breite Ringmauer mit Außen-
und Innenfront aus Holz, Stein und Erde ersetzt wurde. Die ältere Phase hatte die Gestalt einer einfachen Holzumzäunung mit Gassentor
in der NW-Ecke des Burgwalls. Die rechteckigen Häuser mit umlaufenden Gräbchen dienten Wohnzwecken und der Produktion. Ihre Spuren sind
sowohl im Zentralteil des Burgwalls als auch entlang der Mauerinnenseite gefunden worden. Unter dem Steinversturz der Mauer gelang es
auf der Nord- wie auf der Südseite der Burgstätte, eine große Anzahl von Keramikgefäßen aus dem Zerstörungshorizont des Burgwalls zu bergen,
die je in einer Reihe parallel zum Verlauf der Fortifikation gestanden haben.
von Matthias Jung, Frankfurt (matjung-at-stud.uni-frankfurt.de)
Die auf einem Steinsockel errichtete und während der Perioden IVb und IVa existierende monumentale Lehmziegelmauer der Heuneburg stellt
im Bereich der Hallstattkultur bislang ein singuläres Bauwerk dar. Gedeutet wird diese Mauer, deren Konstruktionsidee dem Mittelmeerraum
entstammt, gewöhnlich in dem Sinne, dass mit ihr die "kulturelle Aneignung mediterraner Vorbilder" (S. Rieckhoff) eine neue Qualität
bekommen habe: Nicht mehr gelangten nur einzelne Objekte in den Einflussbereich der Heuneburg, darüber hinaus werde mit der Lehmziegelmauer
nun auch ein Transfer von Know-how fassbar, der als Indiz einer Angleichung der Hallstattkultur an die soziokulturelle Komplexität
südlicher Gesellschaften zu werten sei. Selbst ein so prononcierter Kritiker des traditionellen "Fürstenmodells" wie M. K. H. Eggert
konzediert, "dass die Beziehungen zur mediterranen Welt mit der Lehmziegelmauer der Heuneburg (...) eine Dimension gewonnen haben, die von
anderer Art ist als jene, die durch die beweglichen Kleinaltertümer - so groß sie realiter bisweilen auch sein mögen - repräsentiert wird".
In meinem Beitrag werde ich versuchen, die sozialhistorische Aussagekraft der Lehmziegelmauer auszuloten. Grundlage hierfür bilden
archäologisch-historische und ethnographische Evidenzen einerseits zu technologischen Aspekten und andererseits zu den Modi der Aneignung
von Objekten und geistigen Gehalten, die aus einer anderen Kultur stammen.
von Manuel Zeiler, Marburg (Manuel.Zeiler-at-gmx.de)
Von latènezeitlichen Töpfereien sind zahlreiche Zeugnisse bekannt. In erster Linie handelt es sich dabei um Produktionsabfälle oder um die
Brennanlagen, zu denen einige experimentelle Untersuchungen in der Vergangenheit angestellt wurden. Allein aus dem Ostlatèneraum stammen
mehr als 70 Standorte der Stufen Lt B-D mit insgesamt mehr als 100 Öfen, die eine vergleichende Betrachtung zu Bauweisen von Brennanlagen
sowie anderer Funktionsarchitektur ermöglichen, aber noch nicht vergleichend analysiert wurden. Ferner spielten bislang strukturelle
Fragen bei der Rekonstruktion von Gefäßproduktionsstätten eine untergeordnete Rolle. Insbesondere besteht wenig Klarheit über Organisation
und Umfang der Betriebe. Dies ist aber für eine Rekonstruktion grundlegend und determiniert Komponenten wie Zahl und Lage der Öfen,
Ofenbauarten, Existenz von Nebengebäuden sowie den Platzbedarf.
Ausgehend von dem großen Siedlungsplatz Sopron-Krautacker/Nordwestungarn mit teilweise sehr gut erhaltenen Brennanlagen, Spuren zugehöriger
Architektur sowie umfangreichen Produktionsabfällen, sollen beispielhaft Produktionsbereiche rekonstruiert werden. Dabei werden neben der
inneren Organisation der Produktionsstätten auch die Wechselwirkung mit den angrenzenden Siedlungsarealen diskutiert. Abschließend werden die
Struktur und Organisation der Gefäßherstellung, insbesondere des voroppidazeitlichen Ostlatèneraums und ihre Konsequenzen für eine
Rekonstruktion dieser Funktionsbereiche Gegenstand der Betrachtungen sein.
von Leonie C. Koch, Frankfurt (leonie_c_koch-at-yahoo.de)
Am Übergang von der frühen Eisenzeit zu der unter orientalischem Einfluss stehenden Epoche ("Orientalizzante") findet sich in Etrurien und
der Emilia-Romagna eine neue Schmuckform in gut ausgestatteten Frauengräbern. Es sind dies Fibeln, die mit einer einzelnen, außergewöhnlich
großen, länglichen Glasperle verziert sind. Waren Fibeln, deren Bügel mit kleinen kugeligen Glasperlen verziert worden waren, die Perlen für
Ketten u. ä. gleichen, bereits ein Jahrhundert früher bekannt, so kommt nun eine auffällige Fibelform auf, deren Bügel mit einem extra für
diese Stücke hergestellten, mehrfarbigen Glaselement versehen ist. Diese Perlen greifen die Form der gleichzeitigen Sanguisuga-Fibeln aus
Bronze auf, zeigen aber in ihrer Verzierung Eigenheiten, die nur der Werkstoff Glas ermöglicht. Eine Untersuchung der gläsernen Bügelperlen
aus den verschiedenen Gebieten ergab unterschiedliche technische Vorgehensweisen bei der Herstellung. Um die bauchige und gekrümmte Form
der sanguisuga (Blutegel) zu erreichen, wurden verschiedene Lösungen gewählt, die zum Teil regionalspezifisch sind. Diese sollen im Einzelnen
vorgestellt werden: neben reinen, zum Teil durchscheinenden Glaskörpern liegen Bügelperlen aus "Fritte" und solche, die auf einem Kern geformt wurden,
vor. Insgesamt erweist die Gruppe der Glasbügelfibeln eine unerwartet hohe Variabilität in Materialeigenschaften und Erscheinungsbild, so
dass sicherlich von mehreren Werkstattorten und -traditionen ausgegangen werden kann.
von Manuel Fernández-Götz, Gonzalo Ruiz Zapatero und Jesús Álvarez-Sanchís, Madrid (manuelferg-at-yahoo.es)
Die Entstehung von großen befestigten Siedlungen in Zentralspanien während der späten Eisenzeit ist ein Prozess, dessen Verständnis sich noch
in seinen Anfängen befindet. Dennoch vermitteln die Ergebnisse der jüngsten archäologischen Untersuchungen ein deutlich verbessertes Bild von der
Entwicklung dieser Zentren. Im Rahmen des vorliegenden Vortrags werden Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse am Beispiel der
Vettonen, einer der wichtigsten vorrömischen Gruppen der Iberischen Halbinsel, analysiert. Traditionellerweise im Schatten der keltiberischen
Kultur der östlichen Meseta gelegen, hat ihre Erforschung in den letzten Jahren einen großen Impuls erfahren. Demnach kann man das Aufkommen
der Oppida als ein einheimisches Phänomen werten, das in seinen späteren Phasen durch die zunehmende Nachfrage nach Rohstoffen aus der
römischen Welt potenziert wurde. Für die ausgehende Eisenzeit lassen sich sowohl Anzeichen für die Existenz hierarchischer Beziehungen zwischen
den Siedlungen wie auch eine komplexe Binnenstruktur derselben belegen, mit wichtigen Veränderungen in der Architektur und einer Gliederung
in Wohnviertel, Werkstätten, Heiligtümer, Märkte, etc. Die Herausbildung von Siedlungen und Gemeinschaften, die soziologische Interpretation
der dazugehörigen Nekropolen und die regionalen Siedlungsmuster liefern so wichtige Einblicke in die soziale Organisation der Vettonen
zwischen dem 4. und dem 1. Jahrhundert v. Chr.
Literatur:
J. R. Álvarez-Sanchís (1999): Los Vettones. Bibliotheca Archaeologica Hispana 1. Real Academia de la Historia, Madrid.
J. R. Álvarez-Sanchís (2005): "Oppida and Celtic society in western Spain". e-Keltoi, 6. The Celts in the Iberian Peninsula: 255-285.
G. Ruiz Zapatero/J. R. Álvarez-Sanchís (1995): "Las Cogotas: Oppida and the Roots of Urbanism in the Spanish Meseta". In B.
Cunliffe/S. J. Keay (Hrsg.), Social complexity and the Development of Towns in Iberia: from the Copper Age to the second century A. D. Oxford
University Press, Oxford: 209-236.
von Franka Schwellnus, Marburg (franka.s-at-web.de)
Die Aufarbeitung des Fundplatzes von Sopron-Krautacker, einer in den 1970er und 1980er Jahren ausgegrabenen Siedlung mit zugehörigem Gräberfeld
aus der Urnenfelder- bis Spätlatènezeit, wurde in den vergangenen Jahren im Rahmen eines Projektes vom DAAD bzw. dem ungarischen MÖB
gefördert. Von den verschiedenen wissenschaftlich bearbeiteten Themen stellt die Späthallstatt-/Frühlatènezeit einen zeitlichen Schwerpunkt dar,
dessen zugehörige Siedlung hier vorgestellt werden soll.
Die Siedlung besteht aus 112 Befunden unterschiedlichen Charakters. In erster Linie handelt es sich um Grubenhäuser und Gruben. Im Rahmen
der Aufarbeitung wurden 5900 Funde ausgewertet und interpretiert. Zunächst wurde eine Keramikchronologie erstellt, die für den Siedlungsraum
in dieser Form noch nicht vorlag. Hierzu wurden auch Gräberfelder aus der Region miteinbezogen, die besser datierbares Kleinfundmaterial
enthalten. Aus den Funden lässt sich ferner erkennen, dass es sich bei Sopron um einen Knotenpunkt der Kontakte zwischen östlichen und
westlichen Kulturgruppen handelte, wobei die Einflüsse der östlichen Vekerzug-Gruppe stärker hervortreten. Mit Einführung der Töpferscheibe
setzte allmählich eine starke Veränderung der Keramiktradition ein. Sie führte zu einer Vereinheitlichung der Formen und zu einer Umstellung
in der Produktionsweise auf Massenproduktion mit wenig regionalen Ausprägungen. Dies ist in der Gegenüberstellung älterer und jüngerer
Fundensembles eindrucksvoll zu erkennen.
Im Vortrag sollen die hier angedeuteten Besonderheiten und Erkenntnisse der bisherigen Arbeit vorgestellt werden. Die aus der Auswertung
resultierende Dissertation soll im Laufe des kommenden Jahres ihren Abschluss finden.
von Georg Tiefengraber, Susanne Tiefengraber und Andreas Lippert, Wien (andreas.lippert-at-univie.ac.at, georg.tiefengraber-at-gmx.net)
Seit der Entdeckung des bekannten hallstattzeitlichen Fürstengrabes von Strettweg bei Judenburg in der Steiermark in der Mitte des 19.
Jahrhunderts stellte sich die Frage nach der Lokalisierung der zugehörenden Siedlung bzw. dem "Fürstensitz". Während zuletzt Markus Egg bei
der Publikation des Fürstengrabes noch der beinahe halbinselartig von der Mur umflossenen Hochterrasse im Kernbereich der heutigen
Bezirkshauptstadt Judenburg den Vorzug gab, konnte nunmehr durch intensive Geländebegehungen, 3D-Laserscans und Ausgrabungen der Nachweis
einer ausgedehnten unbefestigten Siedlung am Falkenberg westlich von Strettweg erbracht werden. Die Siedlung befindet sich sowohl im
mehrfach kuppenartig gegliederten Gipfelbereich als auch am Osthang des langgestreckten Falkenberges, der gleichzeitig den Westabschluss
des ausgedehnten sog. Aichfeldes bildet. Bis dato konnten über 100 Siedlungsterrassen von unterschiedlicher Größe durch 3D-Scans geortet
und auch im Gelände verifiziert werden. Gezielte Ausgrabungen auf der südlichsten bzw. vordersten Gipfelkuppe und darunter liegenden
Terrassen erbrachten zahlreiche Gebäudegrundrisse sowie umfangreiches Fundmaterial, das eine Datierung der Siedlung in die Stufen Ha C
und D1 erlaubt. Funde der späten Urnenfelderzeit sowie der späten Hallstattzeit waren bislang an keiner Stelle anzutreffen, so dass von
einem eher kurzfristigen Bestehen der Siedlung auszugehen sein dürfte. Aus den jüngsten greifbaren Bauphasen stammt Fundmaterial, das
chronologisch weitgehend mit den Funden aus dem Fürstengrab übereinstimmt.
von Claudia Nickel, Koblenz (c_nickel-at-t-online.de)
Vorgestellt werden schwerpunktmäßig die Ausgrabungen 2007 auf dem Martberg bei Pommern an der Mosel. Im nordöstlichen Vorfeld des weiträumigen
spätlatènezeitlichen bis spätrömischen Heiligtums, das in den Jahren 1999 bis 2005 erforscht wurde, werden derzeit umfangreiche Siedlungsspuren
aus spätkeltischer und frührömischer Zeit untersucht und dokumentiert. Die Grabungsfläche betrug 2007 rund 1800 qm, und mit der bereits 2006
untersuchten Fläche kann nun über rund 2900 qm geschlossenen Areals Aussage getroffen werden. Die Grabung liefert Einblicke in die
Besiedlungsstruktur des Martbergs im unmittelbaren Vorfeld der Tempelanlage im Übergangsbereich von spätkeltischer zu frührömischer Zeit.
Untersucht werden kleinräumige Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Siedlungsstruktur, der Bauweise von Häusern und im Fundmaterial.
Durchzogen wird die Untersuchungsfläche von dem spätkeltischen Spitzgraben, der als ca. 1 Hektar großer Versammlungsplatz gedeutet wird.
Zahlreiche Wohngebäude und Speicherbauten sowie kleine und große Gruben nehmen offenbar keine Rücksicht auf diese nur kurzfristig genutzte
Anlage. Einige Bereiche weisen eine dichte Bebauung mit Verlagerungen und Überschneidungen auf, andere Bereiche enthielten ausschließlich
Speicherbauten oder waren anscheinend besiedlungsfrei. Hinweise auf Textilhandwerk stehen den bereits 2006 festgestellten Belegen des
Metallhandwerks gegenüber. Einige große Gruben mit einzelnen Vertiefungen könnten ursprünglich im Zusammenhang mit Wassersammlung oder
-speicherung gestanden haben. Selbst einige "kultische" Aspekte konnten festgestellt werden: einige Miniaturgefäße fanden sich in den
Pfostengruben eines Wohnhauses.
von Sabine Hornung, Mainz (sabinehornung-at-gmx.de)
Seit Herbst 2006 ist das Institut für Vor- und Frühgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Rahmen eines interdisziplinären
Forschungsprojektes zur keltisch-römischen Besiedlung im Umfeld des "Hunnenrings" von Otzenhausen tätig. Von zentraler Bedeutung ist hierbei
u. a. die Frage nach Hinweisen auf gesellschaftlichen Wandel innerhalb der Latènezeit, wie ihn beispielsweise die Gräber von Schwarzenbach
oder auch der Ringwall selbst mit seinen eindrucksvollen Befestigungsanlagen nahe legen.
Mit Hilfe speziell der Geowissenschaften untersuchen wir daher das wirtschaftliche Potential der Region im Sinne der Verfügbarkeit
natürlicher Ressourcen, so u. a. auch die erstmals von J. Driehaus formulierte These, dass eine Ausbildung gesellschaftlicher
Organisationsformen und Hierarchien unmittelbar mit der intensiven Ausbeutung von Eisenerzlagerstätten in Verbindung stehe. Geologische
Kartierungen entsprechender Vorkommen, verfahrens- und materialtechnische Analysen, Schlackeanalysen wie auch Stabilisotopenanalysen an
Bodenproben oder organischen Funden liefern eine umfassende Basis für die weiterführende Diskussion dieser Thematik.
Grundlegend für unser Projekt ist auch ein möglichst präzises Verständnis der zahlreichen Bodendenkmäler vor Ort. Archäologische Ausgrabungen
am Ringwall lieferten eine Vielzahl neuer Informationen vor allem zu Aufbau und Datierung der Befestigungsanlagen des "Hunnenrings", die
nicht zuletzt auch auf die historische Deutung dieses Monuments erheblichen Einfluss haben und im Zusammenspiel mit einer Reihe von bislang
unpublizierten Funden ein neues Bild latènezeitlicher Besiedlungs- und Umweltentwicklung in der Region um Otzenhausen zeichnen.
Im Rahmen des Vortrages sollen neueste Forschungen sowohl von Seiten der Universität Mainz, als auch unseres Kooperationspartners vor Ort, der
Terrex gGmbH, kurz vorgestellt und vor dem Hintergrund erster Ergebnisse unserer naturwissenschaftlichen Partner näher erläutert und
gedeutet werden.
von Corinna Kersten, Münster (kerstenc-at-muenster.de)
Der günstig gelegene Fundplatz wurde vom Mesolithikum bis zum Mittelalter immer wieder aufgesucht. So fanden sich auf dem Areal des bronze-
und eisenzeitlichen Gräberfeldes auch jüngere Bebauungsspuren, darunter ein von einer Palisade begleiteter, wahrscheinlich kaiserzeitlicher
Spitzgraben. Im ausgegrabenen Teil des Gräberfeldes konnten insgesamt 47 Grabkomplexe aufgedeckt werden. Die größte und zugleich älteste
Grabanlage, ein mehrphasiger neolithisch/älterbronzezeitlicher Kreisgraben, umfasste die Grabschächte von sieben Körpergräbern. Bei allen
anderen aufgefundenen Bestattungen handelte es sich um bronze- und eisenzeitliche Brandbestattungen, die fast alle in Urnen beigesetzt
wurden. Einige davon waren von jüngerbronze-/ältereisenzeitlichen Grabeinhegungen umgeben: ein N-S ausgerichtetes Langbett, acht Kreisgräben
sowie fünf Grabeinhegungen, deren Form nicht sicher bestimmt werden kann. Das jüngste Grab, eine Urnenbestattung ohne erkennbare
Grabeinhegung, ist wahrscheinlich dem Übergangszeitraum von der jüngeren Eisenzeit zur älteren römischen Kaiserzeit zuzuweisen. Den größten
Teil der Beigaben machen Keramikgefäße aus, hinzu treten einige Bronzegegenstände bzw. -fragmente, zwei tönerne Spinnwirtel, ein
durchbohrter Tierknochen sowie Reste von Brot. Es lassen sich Einflüsse der "Ems-Kultur" und der "Niederrheinischen Grabhügelkultur"
nachweisen. Regelrechte "Prunkgräber" gibt es nicht, doch lassen sich einige Gräber erkennen, für deren Grabbau und/oder Ausstattung mehr
Aufwand betrieben wurde als für andere. Dazu zählt eine ältereisenzeitliche Kreisgrabenanlage, deren Grabkeramik aufgrund von Vergleichsstücken
der Stufe Ha C (ca. 800-625 v. Chr.) zugewiesen werden kann. Die Grabanlage verfügte über mehrere Besonderheiten: einen hölzernen Pfostenring
im Kreisgraben (für den annähernd vergleichbare Parallelen lediglich aus den Niederlanden und Nordbelgien bekannt sind), Brotstückchen als
Beigabe und eine ungewöhnliche Urne (ein Kegelhalsgefäß mit Trichterrand, das in dieser Form in der unmittelbaren Nachbarschaft nicht vorkommt
und dessen beste Vergleichsstücke die süddeutsche Hallstattkultur liefert). Eine Analyse der auswertbaren Grabausstattungen ergab eine
Bevorzugung von Männern und Jungen bezüglich der Anlage von Grabeinhegungen und von erwachsenen Männern bei der Mitgabe von Brot. Eine
vergleichende Betrachtung mit anderen bronze- und eisenzeitlichen westfälischen Gräberfeldern konnte diese Ergebnisse nur teilweise bestätigen.
von Kerstin P. Hofmann, Rom (kerstin_p_hofmann-at-gmx.de; hofmann-at-rom.dainst.org)
Die Konstituierung von Identitäten im Totenritual der Italiker unter den Einflüssen der griechischen Kolonien wird unter Berücksichtigung
der mentalitätsgeschichtlichen Fragestellung nach den Einstellungen der Menschen zum Tod und zu ihren Toten beispielhaft anhand Südostsiziliens
für den Zeitraum des 8. bis 5. Jahrhunderts vor Christus untersucht. Dabei stehen Akkulturations- und Segregationserscheinungen als
Auswirkungen einer Migration im Vordergrund des Interesses. Als grundlegendes Problem erweist sich in diesem Zusammenhang die Bestimmung der
Herkunft der Bestatteten bzw. Bestattenden, da diese von zahlreichen anderen Identitäten und Interessen überlagert und nur in Ausnahmefällen
als monolithische Identität allesbestimmend war. Anhand exemplarisch ausgewählter Grabbefunde und deren semiotischen Bedeutungsebenen soll
versucht werden, Reaktionen der indigenen Bevölkerung auf die Einflüsse der verschiedenen apoikiai sowie die Möglichkeiten und Grenzen für
die Erstellung eines differenzierten kulturgeschichtlichen Entwicklungsmodells für den Kulturwandel in Südostsizilien aufzuzeigen.
von Erica Camurri, Bologna/Leipzig (erica.camurri-at-libero.it)
The site of Monte Bibele is located in the Bolognaise Apennine between the Idice and Zena valleys: divided into two sacred areas (Le Pozze,
Monte Bibele), a settlement (Pianella di Monte Savino) and a necropolis (Monte Tamburino), the site was founded in the Vth century B. C. by the
Etruscans who were living in the Po plain and then taken by the Celtic historical invasions at the beginning of IVth century B. C.
The analysis of the archaeological documentation of the settlement of Pianella di Monte Savino, combined with the study of the funeral
equipment of the necropolis of Monte Tamburino allow to think that, besides Etruscans and Celts, also Umbri and Ligures were present:
Monte Bibele therefore represents an important example for understanding the phenomenon of interaction among different ethnic groups in an
Italic context.
The comparison between the site of Monte Bibele and other contemporary settlements of the region that are also characterized by the
interaction between a Celtic facies and the local substratum (Monterenzio Vecchio, Bologna, Casalecchio di Reno, Marzabotto, etc.) is
important to understand the impact of the Celtic invasion on the local milieu and shows the different ways in which the "celtizzazione"
of the Po plain took place during the La Tène period.